Kabarettistin begeistert Besucher bei Kulturherbst

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 Schrill und schrägt mutete mancher Auftritt der Kabarettistin an.
Schrill und schrägt mutete mancher Auftritt der Kabarettistin an. (Foto: Gerhard Rundel)

Einen tollen Kabarettabend hat die Urschwäbin Marlies Blume am Freitagabend im Zelt beim Kulturherbst des ZfP geboten. Von der ersten Minute an hatte die charmante Powerfrau aus Ulm das Publikum auf ihrer Seite. Mit ihrem Programm „Ohne Dich fehlt Dir was“, regte sie das Publikum nicht nur zum Lachen und Johlen an, sondern auch zum Nachdenken.

Singend und schrill in Pink gekleidet, betrat die Entertainerin die Bühne im vollen Zelt. Statt New York, Rio, Tokyo hatte sie beim Begrüßungslied mit New York, Rio, Schussaried ihren eigenen Text dabei. Bei der schwäbischen Sprechmaschine, die eigentlich Heike Sauer heißt, merkte das Publikum gleich, dass es nicht nur um Klamauk, sondern um intelligentes, hintersinniges Kabarett geht, das zum Nachdenken anregt.

Da sie sich – wie sie es ausdrückte – „selbst abhanden gekommen ist“, suchte sie sich nicht bei Google, sondern horchte mit akrobatischen Verbiegungen ganz tief in sich hinein, um sich selbst zu finden. Sie habe auch Probleme mit dem Älter werden und komme in die Metamorphose, verriet die Kabarettistin. Sie werde von der Traube zur Rosine. „Früher war ich bildschön, heute ist nur noch mein Bild schön und die Kyttasalbe wird so langsam zu meiner täglichen Bodylotion“, sprühte es aus dem rosa Wirbelwind heraus. Neben ihren Wortwitzen und allerhand schwäbischen Sprüchen sprach sie auch ernste Themen wie Fremde an. Der Schwabe habe ganz viel Schiss vor allem Fremden. Was er nicht kennt, frisst er nicht – außer Pizza, Gyros und Kebab. Wenn einer meint, er habe die Weisheit mit dem Löffel gefressen, komme hinten auch bloß ein Klugscheißer heraus.

Manche würden analphabetisieren, was so viel heiße „wie en Scheiß verzela“. Eine typisch schwäbische Bildungsmaßnahme sei Essen. Man habe zu ihr immer gesagt: „Mädle ess, wirsch was. Wir Schwaben sind den Andern immer ein Stück voraus. Wenn andere laufen springet mir, wenn sie fallen flieget mir. Wir rennet wie ein Hase, ohne zu wissen, wie der Hase läuft.“ So streifte sie tiefgründig und hintersinnig auch Themen wie Abschiebung, Frieden, Schutzengel und Kompetenzen. Mit einem Knüller löste sie ihre Gedanken immer auf und brachte das Publikum auf die richtige Spur. Blume verstand es meisterhaft ihren Wortwitz auf Schwäbisch zu servieren.

Viel Applaus erntete die Künstlerin auch für ihre mehrfachen schrillen Verwandlungskünste in andere Kostüme, ohne dabei das Sprechen zu vergessen. Sie sang Lieder mit eigenen Texten zu eingespielten Playbacks und fegte dabei wie ein Wirbelwind über die Bühne. Ein Knüller war das mit dem Publikum inszenierte Lied vom Bombo und Bombobabier nach der Melodie von „Der Löwe schläft heut Nacht“. Es war ein erfrischendes temperamentvolles Soloprogramm, das mit ausdrucksstarker Gestik und Mimik serviert wurde.

Mit der Veranstaltung wird das Projekt Buki unterstützt, mit dem hilfsbedürftige Roma-Kinder in Rumänien unterstützt werden. „Es hat mir sehr viel Spaß gemacht“, sagte Marlies Blume nach ihrem Auftritt. „Das Publikum war super drauf und es hat sich sofort ein toller Dialog entwickelt. Meine Witze mache ich nie auf Kosten anderer und ich bleibe auch immer oberhalb der Gürtellinie“. Ein Besucher lobte schmunzelnd: „Was für eine Powerfrau. Es hat mir super gefallen und ich habe gelacht wie schon lange nicht mehr. Um beim Schwäbischen zu bleiben. Marlies ist eine liebenswerte, verrückte Henne.“

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