Interview: „Von alleine wird sich nichts ändern“

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Blühende Felder aus heimischen Wildpflanzen statt Mais-Monokultur: Dafür setzt sich der Nabu ein.
Blühende Felder aus heimischen Wildpflanzen statt Mais-Monokultur: Dafür setzt sich der Nabu ein. (Foto: Gerold Meppelink/DPA)
Schwäbische Zeitung

Der Natur- und Artenschutz braucht gerade jetzt dringend Unterstützung. Davon ist die Nabu-Ortsgruppe Bad Schussenried überzeugt. Daher läuft zurzeit eine Mitgliederwerbeaktion. SZ-Redakteurin Katrin Bölstler hat mit Ruth Lang, Vorstandsmitglied des Nabu Bad Schussenried geredet, warum es aus Ihrer Sicht wichtig ist, sich für den Naturschutz einzusetzen.

Frau Lang, viele Menschen haben das Gefühl, dass sie nichts gegen den Klimawandel oder das Insektensterben tun können. Warum lohnt es sich trotzdem, sich zu engagieren?

Der Klimawandel ist auch für mich etwas sehr Abstraktes und kein Thema, bei dem ein einzelner allein viel bewegen kann. Gerade deshalb halte ich es für sehr wichtig, mich in einem Interessenverband wie dem Nabu zu engagieren. Je mehr Mitglieder eine solche Organisation hat, umso mehr spiegelt sie auch die Interessen der Gesellschaft wider und umso mehr Einfluss hat sie.

Sie engagieren sich seit Jahren für den Schutz der Natur. Warum?

Als ich vor einigen Jahren in meine Heimat nach Schussenried zurückkehrte, war die Nabu-Ortsgruppe gerade dabei, sich aufzulösen. Also haben mein Mann und ich uns bereit erklärt, im Vorstand mitzuarbeiten. Gibt es eine Ortsgruppe, kann diese zum Beispiel naturschutzrechtliche Bedenken bei einem Bebauungsplanverfahren anmelden und sich so für die Belange der Natur stark machen. Das halte ich für sehr wichtig.

Wobei das im Moment bei den beschleunigten Bebauungsplanverfahren anders läuft.

Die neuen Bebauungspläne werden oft mithilfe des neuen Paragrafen 13b (Baugesetzbuch, Anm.d. Red.) aufgestellt und bei diesem Verfahren muss man uns leider nicht mehr anhören. Das sehen wir sehr kritisch, vor allem, weil auch die naturschutzrechtlichen Ausgleichsmaßnahmen nicht mehr zwingend vorgeschrieben sind.

Warum sind Sie auf der Suche nach neuen Mitgliedern?

Wir sind zwar offiziell 80 Mitglieder in Bad Schussenried, aber zu unseren regelmäßigen Treffen kommen meistens nur vier, fünf Leute. Es ist für mich unverständlich, dass einerseits die Themen Klimawandel, Insektensterben und Umweltschutz so häufig in den Medien auftauchen, andererseits das Interesse der Menschen, aktiv etwas zu verändern, so gering zu sein scheint. Ich hoffe, mit unserem Aufruf mehr Menschen zu erreichen und sie dazu zu bewegen, aktiv zu werden. Von alleine wird sich nichts ändern.

Worauf legen Sie den Fokus bei Ihren Aktionen und Veranstaltungen?

Wir versuchen die Menschen aufzuklären, ihnen ein Verständnis über die Natur um uns herum zu vermitteln. Wir bieten regelmäßig Ausflüge für Kinder mit ausgebildeten Naturpädagogen an und Exkursionen für Erwachsene und Familien in naheliegende Naturschutzgebiete. Als ich Kind in Bad Schussenried war, war die Artenvielfalt bei Tieren und Pflanzen noch viel größer, zum Beispiel rund um den Zellersee. Auch dafür ein Bewusstsein zu schaffen und sich gegen die Ausbreitung von Monokulturen einzusetzen, halte ich für wichtig.

Dadurch lässt sich der Klimawandel aber wahrscheinlich nicht aufhalten.

Nein, sicher nicht. Aber das ist auch nicht die Hauptaufgabe einer Nabu-Ortsgruppe, sondern der Gesamtgesellschaft. Wenn ich persönlich etwas gegen den Klimawandel tun möchte, muss ich mein eigenes Handeln überprüfen und gegebenenfalls verändern. Zum Beispiel kurze Wege mit dem Fahrrad zurückzulegen oder keinen Coffee to go im Einwegbecher. Wenn das alle machen würden, wäre schon viel gewonnen.

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