Frauen tauchen ein in die Kultur der Frühzeit

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 Regina Golke
Regina Golke (Foto: Angela Körner-Armbruster)
Angela Körner-Armbruster

Das Frauencafé in Bad Schussenried hat zum Frauentag zu einer Zeitreise in die Jungsteinzeit eingeladen. Als Fachfrau und Referentin brachte Regina Golke in der Buchhandlung Eulenspiegel mit Hilfe der „Mütterwand“ den Zuhörerinnen Weltanschauung und Kultur der damals lebenden Frauen näher.

Die „Mütterwand“ wurde bereits 2016 anlässlich der archäologischen Landesausstellung „4000 Jahre Pfahlbauten“ in Bad Schussenried präsentiert. Sie ist eine Rekonstruktion aus rund 2000 kleinen Einzelstücken, die zu einem versunkenen Kulthaus in Ludwigshafen am Bodensee gehörte und erhielt rasch den Beinamen „Busenwand“, da sie mit sieben lebensgroßen Frauendarstellungen mit dreidimensionalem Brüsten verblüffte.

Bei der Veranstaltung rankten sich die Gedanken um die stammbaumähnlichen Zwischenmotive, um matriarchale und egalitäre Gesellschaftsstrukturen und neueste Forschungsergebnisse zur „Mütterwand“. Es kann nämlich durchaus sein, dass neue technische Möglichkeiten auch neue Erkenntnisse über die „Mütterwand“ ermöglichen.

Eintauchen in vergangene Welt

Weil sich Regina Golke mit allen Sinnen auf die Spurensuche nach den Ahninnen macht, blieb es nicht nur bei Erzählungen. Sie taucht gerne mit meditativen Liedern und Tänzen in die vergangene Welt ein, um in deren Spiritualität und Verwurzelung mit der Natur eins zu sein und buk als symbolische, kulinarische Verschmelzung mit den steinzeitlichen Müttern eine „Clanmutter“.

Die Heilpraktikerin ist seit vielen Jahren zu Fuß auf Spurensuche nach sagenhaften Frauengestalten, sucht Verbindungen zur vermutlich matriarchalen Frühgeschichte und möchte ganzheitlich Wurzeln suchen und Festrituale feiern. „Beim Backen stelle ich mir die Schöpferinnen der Wand vor und die dargestellten Frauen. Wir tragen auch ihre Gene in uns und ich nehme einen Teil von ihnen auf und stärke mich an ihnen. Ich empfinde das als ,heil‘ sein.“

Bei diesem Abend mit 30 interessierten, aufgeschlossenen Frauen ging es nicht nur um die Steinzeit. Auch die eigene Familienkonstellation, die sich wandelnde Stellung der Frau in der Gesellschaft und so manche Demonstration für die Gleichberechtigung gehörten an dem Abend dazu. „Es gibt noch viele Wünsche für die Zukunft, aber Frauen bringen immer etwas zustande“, lobte eine Besucherin stolz.

Und die Referentin selbst, hat sie auch einen großen Wunsch? „Oh ja, ich möchte so gern ein Mal bei einer Ausgrabung dabei sein!“ Ihr Wissen über das Leben der Frauen in der Vergangenheit ist allerdings jetzt schon beeindruckend vielseitig und anregend.

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