Der Künstler arbeitet mit verschiedenen Motorsägen, die unterschiedlich stark sind.
Der Künstler arbeitet mit verschiedenen Motorsägen, die unterschiedlich stark sind. (Foto: Birga Woytowicz)
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Weitere Infos gibt es auf der Facebookseite „Michael Tamoszus Art“.

Filigranarbeit mit der Motorsäge: In seiner Werkstatt in Sattenbeuren erschafft Michael Tamoszus Skulpturen aus Holz. Jede ein Einzelstück und so zeitaufwändig, wie es der Künstler für richtig hält. Tamoszus bekommt Aufträge aus ganz Europa, ist viel unterwegs – auch auf Wettbewerben.

Wenn Michael Tamoszus arbeitet, taucht er ab. Es regnet Holzspäne. Sie bedecken seine Kleidung und setzen sich in Tamoszus Bart ab, den er sich zu einem Zopf geflochten hat. Das Surren der Kettensäge ist auf dem ganzen Gelände zu hören. Der Künstler trägt Schallschutzkopfhörer. Er lebt bei Bad Saulgau. Im Mai hat er sich ein paar Kilometer weiter in Sattenbeuren eine Werkstatt aufgebaut – zwischen zwei Containern neben einem stillgelegten Kieswerk . „Die Standortsuche war gar nicht so einfach. Lärm, Staub, Dreck. Das will nicht jeder.“

Künstler ist gelernter Forstwirt

Michael Tamoszus hat sich damit einen Traum erfüllt: Das Leben als freischaffender Künstler. „Ich bin gelernter Forstwirt und habe viele Jahre im Schwarzwald gearbeitet. Irgendwann bin ich dann in die Logistik gewechselt.“ Aber auch das sei nie sein Ziel gewesen. Tamoszus reduzierte die Stunden schrittweise auf 80, dann auf 50 Prozent. Vor einem Dreivierteljahr wagte er schließlich den Schritt in die Selbstständigkeit.

Er sei schon immer ein kreativer Kopf gewesen. „Ich habe als Kind schon viel gemalt und an Steinen gemeißelt.“ Mit 16 Jahren hält er in seiner Ausbildung zum ersten Mal eine Kettensäge in der Hand. Das Holz entdeckt er nicht nur beruflich für sich. „Es lebt, ist vielseitig und verändert sich immer“, sagt Tamoszus.

Die meisten seiner Skulpturen sind naturbelassen. Farbe benutze er selten und nur, um Konturen hervorzuheben. Sein einziges Hilfsmittel: Die Motorsäge. Davon hat Tamoszus gleich mehrere griffbereit. „Alle sind verschieden stark, die Schienen sind verschieden dick.“ 90 Prozent seiner Arbeiten erledige er allein mit der Motorsäge. „Teilweise verwende ich noch Schnitzmesser oder Schleifgeräte. Manche Figuren entstehen aber auch zu 100 Prozent mit der Motorsäge“, sagt Tamoszus.

Ein Mädchen im Wind, ein Bär, oder aktuell ein Sensenmann: Bei seinen Motiven kennt Tamoszus grundsätzlich keine Grenzen. „Ich habe aber auch schon Aufträge abgelehnt, weil ich sie nicht umsetzen wollte.“ Am liebsten erschaffe er Abbilder von Menschen oder fange Bewegungen ein, erzählt der Künstler. Woher er sich die Inspiration holt, wo er doch die ganze Zeit allein auf einem stillgelegten Firmengelände arbeitet und es außer einer Industriehalle, Schotter und ein paar Bäumen nicht viel zu sehen gibt? „Man muss nur mit offenen Augen durch die Welt gehen. Dann sieht man genug“, sagt Tamoszus und lacht. Wenn er von seiner Arbeit erzählt, klingt alles so selbstverständlich und leicht. „Man verschneidet sich nicht.“ Fehler müsse er so gut wie nie ausmerzen, sagt Tamoszus. In der Regel gelängen Figuren auf Anhieb. Er nehme sich aber gerne Zeit für die einzelnen Figuren. „Ich schlafe gerne mal ein paar Nächte darüber. Wenn man den ganzen Tag an etwas arbeitet, wird man betriebsblind.“ Einmal fertig gestellt, rühre er die Skulpturen aber nicht mehr an, erklärt der Künstler.

Doch Tamoszus ist selbstkritisch. Mit seinen Ergebnissen sei er grundsätzlich nie zufrieden. „Ich möchte immer besser werden.“ Dabei misst er sich gerne auch mit anderen Holzschnitzern, nimmt regelmäßig an internationalen Wettbewerben teil. Feste Regelwerke gebe es hier nicht. „Manchmal gibt es eine Jury, manchmal bewerten sich die Künstler untereinander.“ Die zweite Variante bevorzuge er, sagt Tamoszus. „Das ist die hochwertigste Bewertung. Denn die Schnitzer können sich am besten reindenken.“ Im kommenden Jahr möchte Tamoszus Weltmeister werden. Beim so genannten Huskycup in Blockhausen im Erzgebirge schaffte er es bisher nur auf den zweiten Platz.

Wettbewerbe als Werbung

Die Wettbewerbe sind für Michael Tamoszus vor allem auch gute Werbung. Darüber gewinnt er viele Aufträge. Europaweit. Er habe so viel zu tun, dass er kaum noch an eigenen Ideen arbeiten könne, sagt Tamoszus. Den Auftrag für den Sensenmann – sein aktuelles Projekt – habe er auf dem Metal-Festival Wacken bekommen. Dort hat der Künstler nun schon zwei Mal geschnitzt. Seine Figuren zieren das das Festivalgelände.

Tamoszus ist viel unterwegs. Ist er nicht auf Reisen, verbringt er den Tag von morgens bis abends in seiner Werkstatt. Vermissen tue er nichts, sagt er. Doch in weiser Voraussicht schaue er sich schon einmal nach anderen Werkstoffen um. „Ich töpfere nebenbei. Für den Fall, dass ich die Motorsäge irgendwann nicht mehr halten kann.“ Vorerst wird es jedoch keine Figuren aus Ton zu sehen geben. „Das Töpfern mache ich nur für mich. Für den Verkauf bin ich noch zu schlecht.“

Weitere Infos gibt es auf der Facebookseite „Michael Tamoszus Art“.

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