Für Feuerwehren sind Folgen des Klimawandels eine Herausforderung

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 Die Kinder und Jugendlichen erhielten die Juniorklimaschutzmanager-Urkunde.
Die Kinder und Jugendlichen erhielten die Juniorklimaschutzmanager-Urkunde. (Foto: Brigitte Göppel)
Schwäbische Zeitung

Alexa ist eine lauernde „Stromräuberin“, der Router sowieso und warum muss es eine digitale Uhr sein, eine analoge tut’s doch auch – das sind nur drei Ergebnisse von vielen, die die 42 frischgebackenen Juniorklimaschutz-Manager für Feuerwehren im Rahmen des bisher bundesweit einmaligen Klimaschutz-Pilotprojekts ermittelt haben. Vor Kurzem haben die Jungs und Mädels der Bad Schussenrieder Kinderfeuerwehr und der Jugendfeuerwehr gemeinsam mit ihren Ausbildern und der unterstützenden Energieagentur in der vollbesetzten Stadthalle das Projekt und die Ergebnisse mit einem spritzigen Programm vorgestellt.

Fazit des Abends: Die Energiewende in Bad Schussenried ist möglich, jeder kann einiges für mehr Klima- und Umweltschutz mit einfachen Mitteln beitragen und der gesamte Strom für die Haushalte könnte in Bad Schussenried durch Photovoltaik erzeugt werden. Letzteres hat Walter Göppel, Geschäftsführer der gemeinnützigen Energieagentur Ravensburg am Abend verraten, denn die Energieagentur hat sämtliche Dächer von Privatgebäuden unter die Lupe genommen und untersucht, ob sich diese für die Nutzung von Sonnenstrom eignen. Aber die Stars des Abends waren natürlich die engagierten Nachwuchsfeuerwehrkräfte im Alter zwischen sieben und 17 Jahren und ihre Ausbilder.

Mit einer Präsentationen informierten sie anschaulich über ihre Ausbildung, die in mehreren Bausteinen erfolgte. Es wurden die Vor- und Nachteile sowie Grenzen beziehungsweise Hindernisse für den Einsatz von regenerativ erzeugter Energie gezeigt. Neben viel Theorie rund um Klima- und Umweltschutz lernten sie auch, wie man sich mit Strommessgeräten im Feuerwehrgerätehaus und zuhause auf die Suche nach Stromräubern macht.

Führung durch die Kläranlage

„Übrigens, nun ist bei den meisten der Router nur noch dann an, wenn man ihn braucht“, so die Kids. Sie stellten ihren Versuch mit der Zitronenbatterie vor und berichteten von ihrer Führung durch die Bad Schussenrieder Kläranlage. Hier sei den Klimaschutzmanagern auch bewusst geworden, wie aufwendig Wasser gereinigt werden muss. Sie nahmen das Feuerwehrhaus sowie alle elektrisch betriebenen Gerätschaften genauestens unter die Lupe und prüften diese. Im Feuerwehrhaus wurde übrigens als Sofortmaßnahme die Beleuchtung des Getränkeautomaten abgestellt und viele weitere kleinere Maßnahmen umgesetzt. Bei den Thermografieaufnahmen wurden größere Energiefresser festgestellt. Eines der Probleme ist beispielsweise, dass die Umkleideräume im Garagenbereich liegen. Aber die Feuerwehr hat auch hier nach einer kurzfristig umsetzbaren Lösung gesucht, die es ermöglichen soll, die Temperatur im Fahrzeughallenbereich deutlich abzusenken. Übrigens war der ständig steigende Energieverbrauch Grund für die Projektidee, denn Bürgermeister Achim Deinet gab der Wehr den Auftrag zu ermitteln, woran dies liegt, wie dieser in seinem Grußwort erklärte.

Wie Photovoltaik funktioniert, das zeigte die Kinderfeuerwehr mit ihrer Energie-Show, die zeigte, was passiert, wenn die Sonne scheint und was passiert, wenn eine Wolke vorbeikam. Am Ende der Veranstaltung erhielten die Kinder und Jugendlichen ihre Juniorklimaschutzmanager-Urkunde und als Belohnung eine solarbetriebene Powerbank beziehungsweise einen Bausatz für ein Solar-Rover.

„Die Jugend ist Dreh- und Angelpunkt beim Klimaschutz, sie sind die Schnittstellen zum Elternhaus, zur Schule und den Vereinen“, so Walter Göppel, Geschäftsführer der Energieagentur Ravensburg/Biberach. Bereits durch Bewusstseinsbildung und kleine Änderungen im Nutzerverhalten könne der Energieverbrauch deutlich gesenkt werden. Dies bringe nicht nur eine Reduzierung der Energiekosten mit sich, sondern leiste zugleich aktiv einen Beitrag zu mehr Umwelt- und Ressourcenschutz.

Die Kinderfeuerwehr hat im Vorfeld des Projekts bereits schon mit dem Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit begonnen, informierte Thomas Jaster, Ausbilder der Kinderfeuerwehr. Bei ihrem Umwelttag haben die Kids an der Schussen neun, überwiegend mit Plastik gefüllte Müllsäcke eingesammelt. Laut Deinet ist die Stadt Bad Schussenried beim Klimaschutz Vorbild und hat als eine der ersten Pilot-European-Energy-Award-Städte im deutschlandweiten Ranking bei Kommunen unter 10 000 Einwohnern den dritten Platz erreicht.

Das neue Projekt ist nicht nur für Bürgermeister Achim Deinet und Walter Göppel sondern auch für Dieter Patzer, stellvertretender Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Bad Schussenried, und Fabrizio Velenosi eine Herzensangelegenheit. Da gerade für alle Feuerwehren die Folgen des Klimawandels eine Herausforderung bedeuten, soll auch der Feuerwehrnachwuchs die Zusammenhänge zwischen Klimawandel und Feuerwehr frühzeitig kennenlernen, wie zum Beispiel die Auswirkungen von Starkregenfällen und Stürmen.

Alle Informationen werden nun zusammengetragen und aufbereitet, um anderen Wehren bei Interesse eine Art Drehbuch zur Verfügung stellen zu können.

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