Machen sich stark für mehr Personal in den Psychiatrien: die Belegschaft des ZfP Bad Schussenried.
Machen sich stark für mehr Personal in den Psychiatrien: die Belegschaft des ZfP Bad Schussenried. (Foto: Bruno Sing)
Schwäbische Zeitung

Mitarbeiter des Zentrums für Psychiatrie (ZfP) Südwürttemberg haben am Montag am Standort Bad Schussenried für eine bessere Personalausstattung in der Psychiatrie demonstriert.

„Eine menschliche Psychiatrie braucht genug Personal“. Mit dieser Botschaft gehen Mitarbeiter psychiatrischer Einrichtungen dieser Tage bundesweit an die Öffentlichkeit. Hintergrund ist, dass Vertreter von Krankenkassen und Kliniken derzeit über neue Personalmindeststandards verhandeln, die die 27 Jahre alte geltende Psychiatrie-Personalverordnung (Psych-PV) ersetzen sollen. Patientenvertreter und Fachverbände haben in diesem Gremium aber nur eine beratende Funktion und damit kein Mitspracherecht. „Wir an der Basis sind aber diejenigen, die wissen, wie es wirklich in den Psychiatrien aussieht – daher sollten wir auch gehört werden“, kritisiert Bruno Sing, ver.di-Vertrauensleutesprecher in Bad Schussenried.

Personalbedarf ist gestiegen

Die Beschäftigten und ihre Gewerkschaft ver.di fordern, dass die künftigen Vorgaben dem tatsächlichen Bedarf in den Psychiatrien entsprechen. „Wir wollen eine Psych-PV plus, die den gestiegenen Personalbedarf berücksichtigt und eine gute Versorgung sowie gesunde Arbeitsbedingungen gewährleistet“, betont Bruno Sing. Personalmangel in der Psychiatrie habe dramatische Folgen, sowohl für Patienten als auch für Beschäftigte, erläutert der Gewerkschaftssekretär Benjamin Andelfinger. Die in der Psychiatrie vor allem notwendige Beziehungsarbeit brauche Zeit, nur dann könnten Patienten optimal versorgt und behandelt werden. Seien zu wenige Kollegen vor Ort, komme es häufiger zu Gewalt gegen Beschäftigte. Auch Zwangsmaßnahmen, wie Fixierungen, könnten nur bei einer ausreichenden Personalausstattung weitgehend vermieden werden. „Die Verhandlungen laufen hinter verschlossenen Türen. Wir Beschäftigte werden nicht einmal angehört“, kritisiert der stellvertretende Personalratsvorsitzender Bruno Sing. „So kann es nicht weitergehen. Dass psychisch kranke Menschen gut betreut werden, ist nicht nur im Interesse der Beschäftigten und Patienten, sondern auch der Gesellschaft als Ganzes.“ In Eigenregie haben die Mitarbeiter des ZfP Bad Schussenried dokumentiert, wie viel Personal fehlt. Im Durchschnitt seien es 30 Prozent auf jeder Station. „Die Arbeit in den Psychiatrien unterliegt einem ständigen Wandel, wir müssen heute viel aufwändiger alles dokumentieren als noch vor zehn Jahren. Es ist daher nur rechtens, wenn wir auch genügend Personal gestellt kriegen, um alle Aufgaben so zu erfüllen“, so Sing. Andernfalls bestünde die Gefahr, dass zu viele Mitarbeiter ausbrennen würden.

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