Auf der Atzenberger Höhe wird es vorerst keine Windräder geben.
Auf der Atzenberger Höhe wird es vorerst keine Windräder geben. (Foto: Armin Weigel)
Schwäbische Zeitung

Die EnBW gibt ihr Windkraftprojekt auf der Atzenberger Höhe bei Otterswang auf. Das Energieunternehmen hat die Planungen eingestellt. „Wir verfolgen das Projekt nicht weiter“, sagte EnBW-Sprecher Ulrich Stark. Den Ausschlag für die Entscheidung hätten artenschutzrechtliche Erwägungen gegeben. Auf dem Atzenberg gibt es Brutgebiete von Rotmilanen.

Zwei Anlagen mit einer Nabenhöhe von 149 Metern hatte der Energieversorger dort vorgesehen. Sie erwartete einen Ertrag von mehr 17 Millionen Kilowattstunden, was rechnerisch dem Bedarf von rund 5000 Haushalten entspreche. Gegen das Projekt hatte sich früh Widerstand gebildet. Die Bürgerinitiative (BI) Gegenwind Atzenberger Höhe sah das Naherholungsgebiet bedroht und führte verschiedene Argumente ins Feld – darunter zuletzt auch gesundheitliche Belastungen durch den von Windrädern verursachten Infraschall.

Bürgerinitiative frohlockt

„Ich persönlich bin sehr froh“, sagt Beatrix Sommer-Locher von der BI über das Aus für die Windräder. Sie hätten bereits vor einer Woche erfahren, dass es für eines der beiden Windräder wohl keine Genehmigung gegeben hätte; unklar sei allerdings gewesen, wie das Energieunternehmen weiter verfahre. Die jetzige Ankündigung der EnBW, die Planungen für beide Standorte aufzugeben, sei ein Grund zu feiern.

Die EnBW teilt mit, die nahegelegene Brutreviere von Rotmilanen schließe die Genehmigungsfähigkeit für eine der beiden Anlagen aus. Bei der zweiten rechnet sie mit Sonderauflagen und damit einem so hohem Zusatzaufwand, dass sich ein einzelnes Windrad nicht mehr rechnet.

Das Energieunternehmen war 2016 zunächst von nur einem brütenden Rotmilan-Paar in Standortnähe ausgegangen und hatte ein Konzept zur Vertreibung und Ablenkung der geschützten Vögel diskutiert. Die Bürgerinitiative hatte das bezweifelt und ein eigenes Gutachten beauftragt. Sommer-Locher spricht von einem „Dichtezentrum“ mit mehr als drei Brutpaaren. Nachkartierungen der EnBW ergaben nun in der Brutperiode 2017 zumindest einen zweiten Milanhorst. „Damit ist die Genehmigungsfähigkeit nach unserem Überblick nicht mehr gegeben“, so der EnBW-Sprecher. Einen offiziellen Antrag hatte das Unternehmen bisher nicht eingereicht.

Von Vorteil für Loipen

Aufatmen auch beim Loipenverein Atzenberger Höhe: Wegen der Gefahr durch Eiswurf von den Rotorblättern hatte über eine Verlegung und Teilschließung einiger Loipen nachgedacht. Zwar habe man mit der EnBW konstruktiv nach Lösungen gesucht, vor allem Teile der Genussloipe wären aber nicht zu halten gewesen, erklärt der stellvertretende Vorsitzende Roland Roth. „Für die Loipen ist es sicher von Vorteil“, sagt er zum Rückzug der EnBW.

Die Standortflächen liegen im genehmigten Vorranggebiet des Regionalverbandes Donau-Iller und war im Februar 2015 von ForstBW ausgeschrieben worden. Nach Erteilung des Zuschlags hatte die EnBW zunächst die Windgeschwindigkeit gemessen und war zu dem Schluss gekommen, dass sich dort der Bau zweier Windräder lohnt. Wie es nun mit der Fläche weitergehen wird, ist unklar. Das Ministerium für Ländlichen Raum, zu dem ForstBW gehört, äußerte sich am Dienstag noch nicht zu dem Thema.

Auch wie es mit der Bürgerinitiative Gegenwind weitergehen wird, ist offen. Für Sommer-Locher ist ein weiteres Engagement in Sachen Naturschutz denkbar. Genaueres werde spätestens bei der Hauptversammlung im November beschlossen.

Der Schussenrieder Bürgermeister Achim Deinet war am Dienstag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Seinen Kollegen Roland Haug aus Ebersbach-Musbach (Kreis Ravensburg) überrascht das Aus nicht. Mehrere Gemeinden hatten früher an einem Teilflächennutzungsplan gearbeitet, die Planungen für den Standort Atzenerger Höhe wegen des Artenschutzes aber wieder eingestellt. Die EnBW plante dann einige Hundert Meter weiter auf Schussenrieder Gemarkung. Hier in der Region Donau-Iller gilt ein Staatsvertrag des Landes mit Bayern. Der sieht vor, dass der Regionalverband das alleinige Planungsrecht für Windkraftanlagen hat. Im Kreis Ravensburg, der zum Regionalverband Bodensee-Oberschwaben gehört, gelten andere Regeln. (mad/pau/bbb)

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