Das Trio Vis-a-vis zeigte dem Publikum, wie gut Horn, Violine und Klavier zusammenpassen.
Das Trio Vis-a-vis zeigte dem Publikum, wie gut Horn, Violine und Klavier zusammenpassen. (Foto: Gerhard Trüg)
Schwäbische Zeitung

Horn, Violine und Klavier – wie gut diese Instrumente zusammenpassen, hat das Trio Vis-a-vis am Sonntagabend im Schussenrieder Bibliothekssaal bewiesen. Die Musiker Jennifer Sabini, Horn, Timo de Leo, Violine und Jonathan Sum, Klavier, gaben dort anlässlich der Musikfestwochen Donau-Oberschwaben ein Konzert. Das Trio hat sich im Sommer 2012 zu dieser eher außergewöhnlichen Formation zusammengefunden. Ihr Ziel ist es, die wenigen und größtenteils unbekannten Kompositionen für diese Besetzung dem Publikum näherzubringen.

Es gibt viele bekannte Werke für Streichtrio und Streichquartett, aber tatsächlich nur ein berühmtes Horn-Trio, das von Johannes Brahms, um das sich herum mittlerweile einige Werke in derselben Besetzung versammelt haben. So zum Beispiel „Vier kleine Stücke für Klavier, Violine und Horn“ von dem französischen Komponisten Charles Koechlin, mit denen der Abend begann.

Die einzelnen Sätze sind kurz, geben aber eine wunderbare romantische Stimmung wieder und Koechlin, ganz Franzose, spart nicht mit impressionistischen Beigaben a lá Debussy. In treffsicherer Auswahl stellten die Musiker dieses Werk an den Anfang des Programms, gibt es doch dem Horn und der Violine Gelegenheit, in schöner Zweistimmigkeit, mit gefühlvollen Klavier-Arpeggien, klangliche Eintracht zu zaubern.

Johannes Brahms, der ebenfalls Horn spielte, hat sein Horn-Trio ursprünglich für das ventillose Waldhorn geschrieben, das aber heute dem Ventilhorn gewichen ist. Um es vorweg zu nehmen: Es ist ein großangelegtes und großartiges Werk. Die vier Sätze sind ausgewachsene Satzgebilde, die allen Spielern technisches Können und Einfühlungsvermögen abverlangen. Besonders das schwungvolle Scherzo: Allegro (2. Satz) hat für Violine und Klavier virtuose Anteile, die einer Violinsonate gleichkommen. Eingebettet sind lyrische Abschnitte, in denen das Horn in den Vordergrund rückt.

Das Adagio (3. Satz) gibt mit seinem abwärts gerichteten melancholischen Thema den drei Instrumenten Gelegenheit, in verschiedenen Klangfarben-Kombinationen wehmütige Stimmungen einzufangen. Das Finale, Allegro con brio, gibt mit seinen hämmernden Triolen auch dem Horn die Möglichkeit, seine metallischen Klangmöglichkeiten zum Besten zu geben.

Das Trio Vis-a-vis spielt unter dem Titel „fein austariertes Ensemblespiel aus einem Guss“ – und genau das kann man den drei Spielern bescheinigen. Das Zusammenspiel ist eine runde Sache und die drei sehr unterschiedlichen Instrumente fügen sich zu einer wohltuenden Klangsynthese zusammen.

Das nach der Pause gespielte „Trio Nr. 2 in F-Dur“ vom französischen Komponisten Frederic Duvernoy (1765-1838) ist ein beschwingtes Stück im klassischen Stil, das mit seinen ausgeprägten Variationen jedes Instrument solistisch hervortreten lässt. Eric Ewazen, der amerikanische Komponist aus New York, hat für sein Horn-Trio eine ähnliche Satzfolge wie Brahms gewählt. Sein mitreißendes Werk mit einerseits weit geschwungenen romantischen Themen, aber auch rhythmisch fetzigen virtuosen Anteilen, füllte den Bibliothekssaal mit vollen Klängen. Für ihr wunderbares Spiel bekam das Trio viel Applaus und gab mit einem eigens für sie geschriebenen Stück von Nikodemus Gollnau eine Zugabe.

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