Drei Generationen, eine gemeinsame Leidenschaft: Siegfried Gögler, Enkeltochter Mia und Schwiegertochter Evi Gögler engagieren
Drei Generationen, eine gemeinsame Leidenschaft: Siegfried Gögler, Enkeltochter Mia und Schwiegertochter Evi Gögler engagieren sich alle in der Narrenzunft Bad Schussenried. (Foto: Katrin Bölstler)

Er ist das Urgestein der Schussenrieder Fasnet. Der Mann, der jahrzehntelang im Hintergrund dafür sorgte, dass alles rund lief und die Fasnet für alle Schussenrieder stets eine Jahreszeit der Freude war und ist. Siegfried Gögler ist seit mehr als einem halben Jahrhundert in der Schussenrieder Narrenzunft aktiv und hat sich darüber hinaus auch noch 25 Jahre im Landesverband Württembergischer Karnevalsvereine (LWK) engagiert.

Der 68-Jährige kann sich noch genau daran erinnern, wie er als Bub seinem Vater bei der Gestaltung des Umzugswagens helfen durfte. Die Familie war 1952 von Winterstettenstadt nach Bad Schussenried gezogen und der Vater übernahm kurz darauf die Schussenrieder Bauschlosserei, die sich bis heute im Familienbesitz befindet. Schon damals war es Tradition, dass jeder Handwerksbetrieb mit einem selbst gestalteten Wagen am Rosenmontagsumzug teilnahm. „Das waren schöne Momente, in denen wir miteinander am Wagen gearbeitet haben, die uns einander näher gebracht haben“, sagt Gögler.

„Der Umzug war in diesen frühen Jahren rein karnevalistisch ausgerichtet, es gab eigentlich nur freie Gruppen, die Menschen liefen in den Kostümen mit, die sie zuhause hatten“, erinnert er sich. Diese Ausrichtung kam nicht von ungefähr: Die Narrenzunft Bad Schussenried gehört zu den Gründungsmitgliedern des LWK – obwohl sich die Narrenzünfte in der Region sonst alle zur schwäbisch-alemannischen Fasnet bekennen. „Es gab damals wohl persönliche Verbindungen nach Stuttgart und so kam es dann auch zur Zusammenarbeit mit dem LWK“, erklärt der Schussenrieder. „Zudem war die Fasnet in Schussenried auch schon vor dem Krieg karnevalistisch ausgerichtet, das hat also eine lange Tradition“, fügt er hinzu.

Seit 1974 im Zunftrat

1974 wurde Siegfried Gögler das erste Mal für den Zunftrat vorgeschlagen. „Die Regularien sahen damals vor, dass man verheiratet sein musste, um aufgenommen zu werden. Und das war ich noch nicht“, erinnert er sich. Das Präsidium hielt daher eine Sondersitzung ab – und entschied sich letztendlich eine Ausnahme zu machen. Ab diesem Moment widmete der Schussenrieder fast seine gesamte Freizeit seiner Leidenschaft: der Brauchtumspflege.

Von 1988 bis 2014 war er der Geschäftsführer der Zunft, also jener Mann, der im Hintergrund alles organisiert, während der Präsident für die Repräsentation der Zunft in der Öffentlichkeit zuständig ist. „Ich habe miterlebt, wie die Zunft sich vor allem in den 70er- und 80er- Jahren stark verändert hat. Es sind mehrere neue Masken dazugekommen, wie etwa die Hurgler aus Sattenbeuren und die Rauchhäusler aus Kürnbach. Dadurch ist die Zunft stark gewachsen und die Gestaltung der Umzüge und anderer Veranstaltungen hat sich dadurch auch verändert“, fasst Gögler zusammen.

Parallel saß er von 1989 bis 2014 im Brauchtumsausschuss des LWK. Zwölf Jahre lang sogar als Vorstand. Der Ausschuss hat die Aufgabe, neu gegründete Zünfte zu beraten und zu entscheiden, welche Zunft eine neue Maske kreieren darf. „Zu Beginn meiner Zeit waren die Gruppe fast ausschließlich karnevalistisch ausgerichtet, doch mit der Zeit kamen immer mehr Masken und Häs dazu. Immer mehr Vereine fanden Freude daran, auf die Straße zu gehen und an Umzügen teilzunehmen“, erinnert er sich. Allerdings dufte nicht jeder Verein einfach so eine neue Maske oder ein neues Häs aus dem Hut zaubern. „Der Ausschuss genehmigte dies nur, wenn der Verein belegen konnte, dass es passend zu der neuen Maske und Gruppe eine historisch belegte Geschichte oder Legende gab. Und das haben wir auch genau nachgeprüft.“

Seine Familie hat Siegfried Gögler schon lange mit dem Fasnets-Virus infiziert: Sohn Markus ist Präsident und Zunftmeister. Schwiegertochter Evi Gögler ist die Allzweckwaffe: Sie ist Ordensmarschall, zuständig für das Entwerfen der Narrenzeitung, des Umzugspins und vielem mehr. Enkeltochter Mia tanzt bei der Garde, seit sie drei Jahre alt ist und gehört seit zwei Jahren auch den Hexen an und der sechsjährige Max ist Mitglied der Riedteufel.

„Bevor ich dazu kam, hatte ich mir nie einen Kopf gemacht, wie viel Arbeit hinter so einem Umzug steckt“, sagt Evi Gögler. „Heute weiß ich, dass die Organisation der gesamten Fasnet quasi ein Vollzeitjob ist, der das ganze Jahr läuft.“ Genau wie alle anderen engagiert sie sich aber in der Zunft aus voller Überzeugung. „Es ist so wichtig, dass wir unseren Kindern Wurzeln geben, in der Hoffnung, dass sie diese Traditionen eines Tages wieder an ihre Kinder weitergeben“, sagt sie. „Wir brauchen Brauchtum und Traditionen heute mehr denn je, denn es ist wichtig zu wissen, woher man kommt und wohin man gehört.“

Siegfried Gögler braucht weniger Worte, um zusammenzufassen, warum er sich all diese Jahre in der Narrenzunft engagiert hat und dies auch weiterhin tut: „Es bereitet einfach Freude“, sagt er kurz und knapp.

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