Die Schüler sind stolz, dass sie sich an der Aktion beteiligen konnten.
Die Schüler sind stolz, dass sie sich an der Aktion beteiligen konnten. (Foto: Körner-Armbruster)
Angela Kärner-Armbruster

Im Rathaus in Bad Schussenried begrüßt seit Freitag ein neuer Mitarbeiter die ankommenden Besucher. Es ist nur ein hölzerner Mitarbeiter, aber er hat einen gewissen Charme und eine ansteckende Fröhlichkeit. Und er hat eine Botschaft. Anstecken soll er vor allem zur Mithilfe, so wünscht es sich Ewald Ziller von der Bürgerstiftung.

Ihm war die Idee zu dem Baumstamm bekommen, weil Bäume Kraft und Leben symbolisieren. Auch in Bad Schussenried hätten nicht alle Menschen die Kraft, ihr Leben wunschgemäß im Griff zu haben, sagt er. Oft sei der Grund mangelndes Geld. Seit Langem unterstützt Ewald Ziller deshalb mit vielen kreativen Ideen und großem Elan 33 Kinder mit ihren Familien und 24 Senioren in Bad Schussenried.

Für das Projekt suchte er sich unterschiedliche Unterstützer. Die Firmen Daiber, Walser und Schweizer spendeten den Baum, sägten und bearbeiteten ihn. Dann verschönerte ihn die sechste Klasse der Drümmelbergschule, auf dass er ein Wunscherfüller sein kann. In den Schlitzen in seinem Stamm stecken liebevoll bemalte Briefumschläge. In den Umschlägen wiederum stecken Wunschzettel. Es sind nur kleine, bescheidene Wünsche, zu deren Verwirklichung keine großen Spenden gebraucht werden. Meist fehlt nur noch ein kleiner Beitrag zu einem Friseurbesuch oder ein Paar Sandalen. „Es geht nicht darum, den kompletten Wunsch zu erfüllen, sondern zehn oder maximal 20 Euro beizusteuern,“ betont Ewald Ziller. Wer einen Wunsch erfüllen will, kann den Wunschzettel mit dem benötigen Geld entweder direkt im Bürgerbüro im Rathaus abgeben, oder den gewünschten Gegenstand direkt kaufen.

Kinder zeigen großes Engagement

Doch warum hat er die Schule mit ins Boot genommen? „Auch Kinder können helfen,“ ist er sicher und die Klassensprecher Minua Uzun und Anel Ramic waren der gleichen Meinung. „Die Aktion hat uns großen Spaß gemacht, wir freuen uns, dass wir helfen können,“ sagen die beiden. „Wir kennen das aus unseren Herkunftsländern, dass nicht jeder alles hat, was er zum Leben braucht oder auf der Straße schlafen muss. Und wir sehen auch hier in Deutschland, wie Menschen Pfandflaschen aus den Mülleimern holen.“

Die 14 Schüler haben mit ihrer Lehrerin Karin Cieslikowski im Technikunterricht eifrig geschliffen gemalt und Ideen entwickelt. „Das Arbeiten mit Holz steht sowieso auf dem Lehrplan, da können wir doch etwas für die Gesellschaft tun,“ erklärte die Lehrerin. Auch Rektorin Stephanie Krüger ist von der tollen Aktion begeistert und immer gerne zur Zusammenarbeit mit Ewald Ziller bereit. „Wir sind gerne dabei, so etwas auf den Weg zu bringen. Es ist nicht selbstverständlich, dass es allen gut geht. Unsere Kinder sollen ruhig erfahren, dass man auf eine Anschaffung auch mal warten können muss und dass jeder für andere Menschen etwas tun kann.“ Zusätzlich erhielt der Wunschbaum einen Namen: Augustin, wie einer der Schüler. Augustins Bauch hat auch Informationsblätter darüber, wie er Kontakte knüpfen und schöne Erlebnisse schenken kann. Das Schulprojekt ist nun damit beendet. Damit es ein Erfolg wird, sind die Bürger gefordert. 28 ausgefüllte Wunschzettel warten bereits auf die Abholung.

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