Cornalia Lanz wurde am Fügel von Stefan Laux begleitet.
Cornalia Lanz wurde am Fügel von Stefan Laux begleitet. (Foto: Günter Vogel)
Günter Vogel

Lieder von Franz Schubert, Robert und Clara Schumann und Johannes Brahms standen auf dem Programm beim Konzertabend von Cornelia Lanz und Stefan Laux im Bibliothekssaal in Bad Schussenried. Die Mezzosopranistin gestaltete die Werke mit intensiver Klangdichte- und sinnlichkeit, der Pianist am Flügel war ihr ein ebenbürtiger Partner.

Vor dem Konzert sprach der Autor des Buchs „Die geraubten Mädchen“ über seine Reise zusammen mit dem Fotografen Andy Spyra 2014 nach Nigeria, von dieser sie erschütternde Bilder und Berichte mitbrachten. Im Neuen Kloster Bad Schussenried läuft noch bis 11. Februar eine Ausstellung von Spyras Portraits der von den islamistischen Terroristen der „Boko Haram“ gequälten Frauen.

Zu Beginn des Konzerts gaben die Sängerin und der Pianist eine höchst interessante Einführung in die kompositorische Umsetzung eines Goethetexts durch Franz Schubert am Beispiel von Klärchens Befindlichkeiten aus „Egmont“: „Freudvoll und leidvoll.“ Sie erläuterten, wie die Gefühlsebenen der Protagonistin vom Komponisten aufgefangen, verstärkt und zu einem einheitlichen Bild der jeweiligen Seelenlage wurden. Der unsterbliche Liedschluss: „Glücklich allein ist die Seele, die liebt.“

Sie begannen mit schicksalhaften Liedern von Franz Schubert. „Die junge Nonne“ findet in einem gewaltigen Sturm in ihrer Verbindung zu Gott ihren ewigen Frieden. In „Der Tod und das Mädchen“ entschläft das Mädchen in des Todes Armen. Schubert verwendete eines der Liedthemen auch in seinem sieben Jahre später entstandenen d-moll-Streichquartett. Auch „Vor meiner Wiege“ und der balladeske „Zwerg“ handeln vom Sterben.

Über den Zyklus „Frauenliebe und Leben“ von Robert Schumann schrieb der Pianist Stefan Laux: „Der homoerotische Dichter Adelbert von Chamisso schildert den Weg einer Frau von der scheuen Verehrerin eines Mannes zur Verliebten, Geliebten, Verlobten, Gattin, Schwangeren, Mutter und Witwe. Ekstatische Schwärmerei, pure Idealisierung, blinde Verehrung für den Mann korrespondieren in den Texten mit Hingabeseligkeit der Frau und zeittypischen Beweihräucherung des männlichen Geschlechtes.“ Die jeweilige Interpretin muss ein ganzes Leben vom ersten Liebesempfinden bis zum Tod des Gatten in nur acht Liedern darstellen von „Seit ich ihn gesehen“ bis „Nun hast Du mir den ersten Schmerz getan“. Die Frauengestalt zweifelt in keinem Augenblick ihres Lebens an ihrer Liebe zu ihm oder an seiner Liebe zu ihr. Cornelia Lanz gestaltete diese seelische Entfaltung mit großer Einfühlsamkeit und expressiver stimmlicher Gestaltungskraft.

Überzeugende Interpretation

Robert Schumanns Ehefrau Clara Wieck war eine berühmte Klaviervirtuosin. Und ihr Mann ermunterte sie immer wieder zum Komponieren: „Denkst Du denn etwa, weil ich so viel componiere, kannst Du müßig sein? Mach doch einmal Lied.“ Robert bezeichnete ihre Lieder „Sie liebten sich beide“ und „Liebeszauber“ als „das Gelungenste, das sie bisher komponiert hat“. Cornelia Lanz interpretierte diese und zwei weitere Lieder mit fraulicher Überzeugungskraft.

Etwa ab dem Jahre 1853 begann sich eine gegenseitige tiefe Zuneigung zwischen Clara und Johannes Brahms zu entwickeln, die im Laufe der Zeit zu einer großen Liebe wurde. Ob da mehr war als als platonische Gefühle, ist letztlich nicht belegbar. Die Historiker drücken sich hier durchaus zwiespältig aus.

Über Liebe, Hoffen und Bangen

Acht Brahms-Lieder sang die Mezzosopranistin. Alle drehen sich um die Liebe. Es geht um glückliche und unglückliche Liebe, um Hoffen und Bangen, um Sehnsucht und Wehmut, um Lust und Leidenschaft.

Als Zugaben hörte man von Schubert „Gretchen am Spinnrad“ und das Wiegenlied von Johannes Brahms „Guten Abend, gut Nacht“, Bewunderung und Rührung allenthalben.

Cornelia Lanz gestaltete die Werke mit intensiver Klangdichte- und sinnlichkeit, brachte die Worte der Dichter zu gefühlvollem Blühen, fein ausbalanciert zwischen Textgestaltung und kantilenenschwelgender Emphase. Pianofarben und expressive Wärme generierten harmonischen Strahlklang von der Alttiefe bis hin zu Sopranlagen. Stefan Laux am Flügel war ihr ein kongenialer Gestaltungspartner.

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