„Dieselross und Pferdestärken“: Wie Maschinen die Landwirtschaft verändert haben

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Josef Aßfalg

Herausragende Exponate wie der 1926er Lanz-Bulldog oder der Bautz- Mähdrescher von 1967 illustrieren bei der Ausstellung „Dieselross und Pferdestärken“ die Entwicklung der Motorisierung der Landwirtschaft im vergangenen Jahrhundert. Landrat Heiko Schmid hat am Sonntag die Sonderausstellung im Oberschwäbischen Museumsdorf Kürnbach eröffnet.

Geradezu schwärmend erzählte Torsten Albinus, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Museumsdorf, bei der Führung durch die Ausstellung, wie sich die Arbeiten bei der Ernte von 1900 an entwickelt haben: Mähen des Getreides mit der Sense, Garben binden und aufstellen zum Trocknen, aufladen, einlagern und das Dreschen im Winter in der Scheune. Um 1920 ersetzte der Ablegemäher das Mähen von Hand und von 1940 an der Bindemäher das Mähen und Garbenbinden in Handarbeit. In den 50er-Jahren kamen traktorgezogene Mähdrescher dazu.

Bauern hatten keine Wahl

Der Druck auf die Landwirte war groß, resümierte Torsten Albinus. „Wer mithalten und seine Familie mit seinem Hof ernähren wollte, musste investieren.“ Die Landwirte sahen sich vor die Wahl gestellt: wachsen oder weichen. Kleinbauern, Knechte, Mägde und Erntehelferinnen wurden Opfer der Mechanisierung. Albinus erklärte die früheren Geräte der Ausstellung.

 Landrat Heiko Schmid (Mitte) hat mit Axel Burkarth (r.) die Sonderausstellung „Dieselross und Pferdestärken“ im Museumsdorf Kür
Landrat Heiko Schmid (Mitte) hat mit Axel Burkarth (r.) die Sonderausstellung „Dieselross und Pferdestärken“ im Museumsdorf Kürnbach eröffnet. Torsten Albinus führte durch die Ausstellung. (Foto: Josef Aßfalg)

So den „Bulldog“ des Herstellers Heinrich Lanz (HN 5 D3500), Baujahr 1940 mit 20 PS: „Er gehörte dem Schussenrieder Torfwerk und mit seinen breiten Rädern war die Arbeit auf feuchten Feldern möglich“, verriet Albinus. Und übrigens: „Die Heinrich-Lanz-Bulldogs waren so populär, dass vielerorts alle Traktoren als Bulldogs bezeichnet wurden“.

Bei der Kartoffelernte war der „Rekordernter“ für die Bauern eine lohnende Investition, „er ersparte ihnen zehn Aufleserinnen“, wusste Albinus. Zehn Bauern unter einem Hut: Bereits in den 30er-Jahren hatten sich zehn Landwirte in Häusern bei Ummendorf zu einer Genossenschaft zusammengeschlossen und kauften gemeinsam einen eisenbereiften Lanz-Bulldog mit 35 PS.

Heute laufen im Landkreis Biberach noch 1344 Traktoren, die vor 60 Jahren angemeldet wurden. Landrat Schmid

Passend zur Ausstellung intonierte eine kleine Besetzung der Kreisjugendkapelle zu Beginn des Festakts das Lied von Wolfgang Fierek „Resi, i hol di mit meim Traktor ab“. „Das ist ein musikalischer Gruß an die Mütter, die heute am Muttertag gekommen sind“, erklärte Landrat Schmid bei seiner Begrüßung schmunzelnd.

Langlebige Maschinen

„Heute laufen im Landkreis Biberach noch 1344 Traktoren, die vor 60 Jahren angemeldet wurden“, sagte Schmid. Darunter seien noch viele mit den Kennzeichen EHI und SLG aus den Altkreisen Ehingen und Saulgau. 1949 seien im Landkreis Biberach auf 100 landwirtschaftliche Betriebe sechs Schlepper gekommen. „Zehn Jahre später waren es 76.“

„Es ist eine Ausstellung zum gesellschaftlichen Zusammenhalt“, befand Axel Burkarth von der Stuttgarter Landesstelle für Museumsbetreuung. Bei der Ausstellung gehe es viel um technische Innovation und technischen Wandel während der letzten 100 Jahre, sagte Museumsleiter Jürgen Kniep. Parallel zur Ausstellung fand im Museumsdorf das 17. Oldtimer-Schlepper-Treffen statt.

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