Schwäbische Zeitung

Der Bad-Titel dürfte Schussenried erhalten bleiben. Als „Erholungsort“ darf sich die Stadt zurzeit nicht bezeichnen. Und was das Behalten des „Moorheilbad“-Prädikats betrifft, hat das Regierungspräsidium bis Mitte 2011 eine Frist gesetzt. Die SZ klärt über den Stand der Dinge in Sachen Titel und Prädikate auf.

Von unserer Redakteurin  Heike Neubrand

Bad-Titel: „Bad Schussenried bleibt Bad Schussenried“

„In der Öffentlichkeit wird teilweise nicht unterschieden zwischen dem Bad-Titel und dem Prädikat Moorheilbad“, sagt Bürgermeister Achim Deinet. Der Bad-Titel stehe aber im Gegensatz zum Prädikat „Moorheilbad“ nicht zur Diskussion, so der Schultes. „Bad Schussenried bleibt Bad Schussenried“, bestätigte Oliver Knörr, Pressesprecher des Regierungspräsdiums (RP) Tübingen gestern auf SZ-Anfrage.

Zwar verleiht das Landes-Innnenminsterium den Bad-Titel aufgrund des Heilbads-Prädikats, teilte ein Sprecher gestern auf SZ-Anfrage mit. Doch wenn das Prädikat aberkannt werde, ergreife das Innenministerium nicht die Initiative, um auch den Bad-Titel abzuerkennen. „Wenn das Wirtschaftsministerium eine Aberkennung des Bad-Titels beantragen würde, dann müssten wir intensiv prüfen, ob das rechtlich überhaupt möglich ist“, so der Sprecher des Innenministeriums weiter. Dies sei in Baden-Württemberg jedoch noch nie passiert: „Das wäre dann ein einzigartiger Fall.“

Erhaltung des Prädikats „Moorheilbad“: „Ein ambitioniertes Ziel“

„Wir wollen das Prädikat Moorheilbad, wenn es irgendwie geht, erhalten“, sagt der Bad Schussenrieder Bürgermeister Achim Deinet. Er betont, dass mit dem Prädikat auch Fördergelder verbunden sind. Laut RP müsste Bad Schussenried „verschiedenartige leistungsfähige Einrichtungen zur Anwendung des örtlichen Heilmittels (Moor)“ vorweisen können, um das Prädikat zu behalten. „Nach der Schließung der beiden Kurkliniken scheinen diese Voraussetzungen derzeit nicht mehr gegeben.“ Man habe der Stadt nun dafür eine Frist bis Mitte 2011 gesetzt, so Oliver Knörr. Laut RP hat sich die Stadt mit dem Wunsch, das Moorheilbads-Prädikat zu behalten, „ein ambitioniertes und nach Stand der Dinge schwieriges Ziel“ gesetzt. „In dieser Einschätzung sind wir uns vollkommen einig“, sagt Bürgermeister Deinet.

Die Hoffnungen konzentrierten sich jetzt, nachdem aus der Kurparkklinik ein Sprachinstitut wird, auf die Klinik am Wald. „Die weitere Möglichkeit, Moorbäder anzubieten, wird von der Folgenutzung der Waldklinik abhängen, was gegenwärtig mit den dort vorhandenen Interessenten diskutiert wird“, so der Schultes. Obgleich die Waldklinik schwieriger zu vermarkten sei als die Kurparkklinik, sei er prinzipiell „guter Hoffnung, in den nächsten Monaten eine Nachfolgenutzung präsentieren zu können.“ Nur, ob bei einer neuen Nutzung auch Moorheilbäder angeboten werden oder nicht, das sei noch fraglich.

„Erholungsort“, „Erholungsstadt“ oder keins von beidem?

Im Zusammenhang mit der Prüfung des Moorheilbad-Prädikats war dem RP aufgefallen, dass Bad Schussenried mit „Erholungsort“ ein Prädikat verwendete, das der Stadt nie verliehen wurde (die SZ berichtete). Daraufhin wurde die Stadt in den danach gedruckten Prospekten als „Erholungsstadt“ bezeichnet.

Eigentlich gehe das auch nicht, sagt Oliver Knörr vom RP. Denn: Dieser Begriff täusche eine „nicht vorhandene touristische Qualifikation vor“. Wegwerfen muss Bad Schussenried die bereits laut Bürgermeister Deinet vor dem Gespräch mit dem Wirtschaftsministerium gedruckten Prospekte jedoch nicht. Und eventuell will sich die Stadt auch um ein formelles Anerkennungsverfahren für das Prädikat „Erholungsort“ bemühen, sagt der Schultes – falls man das Prädikat „Moorheilbad“ verlieren sollte. „Für dieses in der Abstufung niedrigere Prädikat haben wir bessere Chancen“, so Deinet.

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