Beim Kürnbacher Herbstmarkt zeigt die Region ihre Kreativität

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 Beim Kürnbacher Herbstfest erfuhr die Vielfalt der heimischen Natur hohe Wertschätzung.
Beim Kürnbacher Herbstfest erfuhr die Vielfalt der heimischen Natur hohe Wertschätzung. (Foto: Angela Körner-Armbruster)
Angela Körner-Armbruster

Der Herbstmarkt im Oberschwäbischen Museumsdorf Kürnbach zeigte am Sonntag in kreativer Weise, dass die Geschenke der Natur Hochkonjunktur haben. Die zahlreichen Besucher, die hier im Regen schlenderten, waren höchst interessiert an Herkunft und Zubereitung der Produkte.

Der erste Blick ging auf die Ware, der zweite auf die Adresse des Anbieters. Die Region bekommt ein Gesicht, sie zeigt ihre Ressourcen und Ideen. Es geht um Genuss, ums Fachsimpeln und um den wertschätzenden Einkauf. Und natürlich um das Museum.

Einst Armut herrschte hier Armut

„Irgendwie ist es schon eine Diskrepanz, dass alles mit Ständen und Waren überschwemmt ist und die Menschen, die in diesen Häusern lebten, hatten gerade einen Bruchteil von alledem,“ überlegt Karen Breuer, die neu in Oberschwaben und auch zum ersten Mal im Dorfmuseum ist. „Andererseits haben die Leute früher auch fast alles selbst gemacht und dann passt es ja wieder.“

Damit nannte die Dortmunderin den roten Faden der Veranstaltung. Natürlich staunen alle über die beinahe unfassbare Vielfalt bei Äpfeln, Tomaten und Kartoffeln. Es gibt Walnüsse und Obst vom eigenen Baum, selbst gepflückte Kräuter in Likör, Kranz oder Seife. Handgeschöpftes Papier, gefilzte Pulswärmer und warme Mützen. Sogar eine Miet-Sauna ist ausgestellt und die ersten Krippenfiguren verweisen auf Weihnachten.

Kurios Klingendes wie „Zupfte Sau em Wecka“ konkurriert mit Nachhaltigkeit und Verantwortung. Dazu gehören Nistkästen für Gartengäste oder der Samenvorrat für die Hummelwiese des nächsten Jahres. Ohne Bezahlung gibt es Leierkastenmelodien für die Ohren und eine wilde Orgie für Nase und Gaumen. Ob Ziegen oder Rose, Kräuterpunsch oder Kässpätzle – alles verbindet sich zu einem wohligen heimatlichen Gefühl. Während die einen staunend lernen, dass die „Königin der Nacht“ ein Tomate ist, wundern sich andere über ein Gsälzgläsle.

Ruth Lang ist eine von jenen Ausstellern, die Obst in Gläschen füllt – und dabei höchst modern ist. Sie bedient ökologisch und technisch interessierte Menschen, denn neben dem Wort „Apfel-Brotaufstrich“ sind die Koordinaten des Baums und der QR-Code aufgedruckt. „Ja, der Baum hat eine Homepage“ lacht sie und ist die meiste Zeit in ein Gespräch über die Rettung der Natur vertieft.

Schauen und reden

Das, was Ruth Lang und die meisten Aussteller auf dem Kürnbacher Herbstmarkt verbindet, ist der Oberbegriff „Heimat“. Dieses heimatliche Denken ist auch ein wenig beim verkaufsoffenen Sonntag in der Innenstadt von Bad Schussenried zu spüren. Einkaufstaschen sind allerdings selten zu sehen. Leute treffen, ein Schwätzle halten, Zuckerwatte zupfen oder die Küche kalt lassen – das sind die Hauptargumente der Flanierenden für den Besuch des verkaufsoffenen Sonntag.

Und das alte Karussell fährt heute. Das ist das begehrte „Schnäppchen“ der Kinder, während die Eltern nach 30-Prozent-Schildern in den Auslagen suchen. „Eigentlich hab’ ich alles, was ich brauch’,“ erklärt ein betagter Herr. „Ich komm halt aus Solidarität, damit die in ihren Läden nicht so allein sind.“

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