Auf dem Stundenplan steht der gelassene Umgang mit Konflikten

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Auf dem Stundenplan steht der gelassene Umgang mit Konflikten
Auf dem Stundenplan steht der gelassene Umgang mit Konflikten
Schwäbische Zeitung

Wer derzeit das Bad Schussenrieder Törle betritt, muss sich erst einmal seinen Weg durch wuchernde Plastikfolie kämpfen. Das Treppenhaus haben die Maler noch fest im Griff, das Obergeschoss des denkmalgeschützten Klostergebäudes wirkt mit Sitzecken, großem Esszimmertisch und der eingeräumten Küche dagegen schon recht wohnlich. „Wir sitzen schon seit Juni in den Startlöchern“, berichtet Gerlinde Fischer. Doch nächste Woche, hofft die Vorsitzende des Vereins „Family Help“, werde die Systemische Familienschule hier endlich ihre Arbeit aufnehmen können. Damit werde auch ein „weißer Fleck“ in der Familienhilfe des Landkreises Biberach geschlossen.

Bad Schussenried, erklärt Fischer, ist dann „das fünfte Standbein“ von „Family Help“. Nach der mittlerweile geschlossenen Einrichtung in Bad Buchau hat der Verein seit seiner Gründung 1998 auch in Erolzheim, Laupheim, Ochsenhausen und Riedlingen Systemische Familienschulen aufgebaut. Zu ihren Schülern zählen „verhaltensoriginelle“ Kinder, wie die 57-Jährige ihre Schützlinge liebevoll nennt, und deren Eltern.

Der Verein „Family Help“ ist ein anerkannter Träger der Jugendhilfe und wird vom Landkreis finanziert. Die Familienschulen besuchen Eltern und Kinder, die vom Jugendamt vermittelt werden. Eltern, die ihre „Elternschaft nicht gelernt“ haben, fasst Fischer zusammen. Darunter fallen auch „mehrfach belastete“ Familien, die also mit mehreren Problemen wie Scheidung, Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Sucht zu kämpfen haben.

Gelernt wird im Alltag

Ihre Schule beginnt dann, wenn der Unterricht der Kinder endet. Die zwei Betreuer mit ihren wechselnden therapeutischen Mitarbeitern wollen aber keine Schulmeister sein, die den Eltern Lehrstücke in Sachen Erziehung einpauken. Auf dem Stundenplan steht etwa der gelassene Umgang mit Konflikten, ganz ohne Geschrei oder Gewalt. Den Eltern kommt dabei entgegen, dass sie zunächst mit fremden Kindern „arbeiten“, erläutert Fischer das Prinzip der Familienschule: „Für Eltern und Kinder ist es dann ein richtiges Aha-Erlebnis, wenn mit fremden Kindern klappt, was mit den eigenen nicht funktioniert.“

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