Schwäbische Zeitung

Diese Nacht wird der 24-jährige Lukas Bek wohl nie mehr in seinem Leben vergessen – und wohl noch seinen Enkel davon erzählen: Aus dem Olzreuter See bei Bad Schussenried hat er einen 2,08 Meter großen und 58 Kilogramm schweren Wels herausgezogen. „So einen Fisch fängt man nur einmal im Leben. Das ist einmalig“, schildert der leidenschaftliche Angler der „Schwäbischen Zeitung“. Seine Geschichte liest sich wie ein Krimi.

Es ist Samstagabend. Lukas Bek, der in dem Weiler Schienenhof zu Hause ist, macht sich mit seiner Freundin auf zum Olzreuter See. „Ich bin so gut wie jede freie Minute am Gewässer“, sagt er. Seit drei Jahren hat er den Angelschein, schon in seiner Kindheit verbrachte er viele Stunden mit seinem Vater beim Fischen. Der Olzreuter See liegt knapp zwei Kilometer nordöstlich von Bad Schussenried und gehört dem Land Baden-Württemberg, das ihn an den gleichnamigen Angelsportverein verpachtet hat. Lukas Bek gehört dem 25 Mitglieder starken Verein an, weshalb auch er dort seine Angel auswerfen darf.

Im Vorfeld beobachtet

Genau dies tut er auch an besagtem Abend. „Ich wusste, dass ein so großer Wels in dem Gewässer ist. Wir beobachten den Olzreuter See sehr genau“, erzählt er rückblickend. Mit spezieller Ausrüstung – ohne eine starke Angel mit fest sitzendem Drill und starker Schnur geht bei so einem Vorhaben nichts – macht er sich ans Werk. Große Hoffnung hat er nicht: „Als ich im letzten Jahr einen 1,55 Meter großen Wels fing, brauchte ich mehr als 25 Anläufe.“ Denn wer die Fische mit breiten Maul an die Angel bekommen will, braucht Geduld. Darüber hinaus müssen Wassertemperatur, die Qualität des Köders, die Jahreszeit und der Luftdruck passen. Um kurz nach Mitternacht ist es dann passiert, der über zwei Meter große Wels hat angebissen.

Das Tier beginnt an der Angel zu reißen. Die Schnur verheddert sich. Lukas Bek hat auf diese Weise keine Chance mehr, den Fisch aus dem bis zu acht Meter tiefen See zu ziehen. Er holt einen Vereinskollegen, der zufällig in der Nähe ist, zur Hilfe. Beide schnappen sich ein Boot und hangeln sich entlang der gespannten Angelschnur in die Nähe des Fisches. Viel sehen sie nicht, einzig eine Petroleumlampe leuchtet ihnen den Weg durch die schwarze Nacht. Längst haben die beiden Männer nicht mehr die Kontrolle. Der Wels zieht sie über den kompletten See.

So ein Wels ist ein einziger Muskelstrang. Wir kamen uns vor, als säßen wir in einer Nussschale. Da merkst du erst einmal, wie klein und schwach wir Menschen sind“

berichtet er. Die Irrfahrt über den See dauert eine ganze Weile, doch irgendwann, als der Wels müde wird, wittert der 24-Jährige seine Chance. Er greift mit beiden Händen beherzt ins Maul des Fisches und zieht ihn ins Boot. Geschafft. Er sagt: „Ich habe erst einen Freudenschrei losgelassen. Dieses Gefühl ist unbeschreiblich.“

Kaum natürliche Feinde

Laut ihm ist so ein Fang wie dieser äußerst selten, wenn nicht sogar einmalig: „Im Olzreuter See hat es so etwas noch nie gegeben. Am Rhein oder Po in Italien kann man Welse dieser Größenordnung eher finden.“ Welse wachsen immer, also von der Geburt bis zum Tod. „Sie haben eine Lebenserwartung von bis zu 60 Jahren, weshalb sie auch so groß werden können.“ Darüber hinaus haben Welse kaum noch natürliche Feinde, sie stünden an der Spitze der Nahrungskette. Den Wels, den er sich geschnappt hat, ist etwa 30 Jahre alt gewesen.

Doch was tun mit solch einem Fang? Lukas Bek hat den Fisch im Schuppen seines Elternhauses aufgehängt und tagsdarauf in stundenlanger Arbeit filetiert. Natürlich schauten dabei auch Vereinsmitglieder vorbei. „Ich habe zwei große Filetstücke mit einer Länge von 1,40 Meter herausbekommen. Bei so einem alten Fisch muss man natürlich viel traniges Fleisch wegschneiden“, sagt er.

Doch geschmacklich sei alles vom Feinsten. Der heimische Gefrierschrank ist jetzt natürlich randvoll, darin finden sich unzählige Wels-Portionen von 500 Gramm bis 1,5 Kilo. Davon bekommen natürlich Freunde, Familie und der Angelverein reichlich ab. „Vor allem meiner Freundin und dem Vorstand möchte ich danken. Ohne sie hätte ich das nicht geschafft“, sagt Lukas Bek. Er wird übrigens weiter angeln – denn in dem See befinden sich nach seinen Beobachtungen noch ein paar Welse mit ähnlichen Dimensionen.

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