Alte Tradition, neue Künstler, wunderschöne Ostereier

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 Maria-Margarita Getova ist Dozentin an einer bulgarischen Hochschule und passt ihre sakralen Motive der natürlichen Struktur de
Maria-Margarita Getova ist Dozentin an einer bulgarischen Hochschule und passt ihre sakralen Motive der natürlichen Struktur der Onyx-Steine an. (Foto: Angela Körner-Armbruster)
Angela Körner-Armbruster

Der Internationale Ostereiermarkt im Schussenrieder Bierkrugstadel ist aus dem kulturellen Jahreskreis der Stadt schon lange nicht mehr weg zu denken. Der bestaunenswerte Erfolg hängt auch damit zusammen, dass Ilse Ott nicht nur vor Ideen und Elan sprüht, sondern dass sie selbst ein großes Faible für Vögel und deren Eier hat und ein berauschendes Deko-Talent besitzt. Deshalb darf der Blick im urigen Bierkrugstadels von den Ostereiern zu Decke und Wand mit ihren Dekorationen schweifen.

„Ich muss die Ware immer vorher sehen. Ich wähle sehr genau aus, denn ich will nur hohe Qualität,“ erklärt Ilse Ott und fügt hinzu: „Jedes Jahr will ich aufhören, aber dann mache ich doch weiter. Dieses Jahr kam aus heiterem Himmel eine begabte junge Frau aus Bulgarien zu uns und eine weitere Neuheit hat Marina Di Girolamo aus Karelien dabei. So bleibt durch neue Künstler und neue Techniken auch für mich der Reiz immer erhalten und die Besucher sehen eine Weiterentwicklung alter Traditionen und alter Handwerke.“

Kleine Meisterwerke

Natürlich sind die kleinen Meisterwerke der erste Hingucker. Dann aber verweilen die Bewunderer gerne, um die Aussteller bei der Arbeit zu beobachten, zu fachsimpeln oder Tipps zu ergattern. So manches Ei hat einen hohen dreistelligen Preis und findet kein neues Zuhause – aber dafür wird jeder Handwerker mit Lob überschüttet.

Im großen Saal herrschen Ruhe und Harmonie und laden zum informativen Verweilen ein. So bunt wie das Angebot sind auch die Lebensgeschichten. Kommt das Fachwissen aus dem Internet oder vom Großvater? Was hat ein Kesselflicker mit einem Häkelei zu tun und warum sitzt die Mutter Gottes neben Erdbeerpflänzchen? Ob Kalligrafie oder Reißverschluss, Spruchband oder Lötzinn – alle 50 Aussteller sprudeln vor neuen Ideen und haben Anerkennung verdient. Beschriftete Schokoladeneier, karierte Stofftulpen und die Witwe Bolte finden einen Käufer und schmusende Igel liegen friedlich neben einem Osterlamm. Hier ist alles möglich und viele Gäste halten dem Eier-Event seit Jahren die Treue.

Holunderholz für die Palmen

Eine davon ist Monika Herrmann aus Aulendorf, die zielstrebig zum Stand von Stephan Bitterwolf geht und nach einem Tütchen unscheinbarer, aber unverzichtbarer Holzteile greift. „Die brauch ich immer, das sind Holunderstückle für meine Enkel zum Palmen binden!“

Damit es zwischen bemalten Schneckenhäusern und Mundgeblasenem, bestickten Grußkarten und Zinnfiguren nicht zu romantisch wird, platzt in die Harmonie und jahrhundertealte Tradition die rebellische Welt des 21. Jahrhunderts mit ihren Fragen. Mussten für den Silberdraht etwa Kinder in ein Bergwerk? Darf man überhaupt einen Wolf abbilden, obwohl der die Schafe reißt? Ist das Eier-Ausblasen nicht eine schreckliche Verschwendung? Und warum stehen die Rieseneier nicht draußen als lange, bunte Parade in der Hauptstraße?

Die Mehrzahl der Besucher hat jedoch überhaupt nichts zu bemängeln, denn in erster Linie geht es bei dieser prachtvollen und inspirierenden Augenweide um kreative Menschen, die Symbole, Legenden und Wissen bewahren und mit ihrer Emsigkeit anderen Menschen eine große Freude und unbeschwerte Besuchsstunden bereiten.

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