Zum Kirchenjubiläum kommt der Landesbischof

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Die evangelische Kirche in Bad Buchau wurde 1893/94 erbaut.
Die evangelische Kirche in Bad Buchau wurde 1893/94 erbaut. (Foto: Klaus Weiss)
Schwäbische Zeitung
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Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July feiert mit den evangelischen Christen in Bad Buchau am Sonntag, 20. Oktober, das 125-jährige Bestehen der Kirchengemeinde. Der Festgottesdienst beginnt um 10 Uhr. Die Klangwerkstatt und der Evangelische Kirchenchor wirken musikalisch mit.

Landesbischof Frank Otfried July wird beim Gottesdienst predigen, den Dekan Hellger Koepff, Prädikantin Imke Winter und Pfarrer Markus Lutz gestalten. Der Evangelische Kirchenchor unter Leitung von Dr. Stefan Hart und die Klangwerkstatt, das Ensemble der Stadtkapelle Bad Buchau, werden den Festgottesdienst musikalisch begleiten. Außerdem wird Renate Bechtle an der Orgel mitwirken.

Im Anschluss geht es im Gemeindehaus weiter. Dort werden Bürgermeister Peter Diesch, Dekan Hellger Koepff und der katholische Pfarrer Martin Dörflinger Grußworte sprechen. Beim Mittagessen können die Besucher dann den Morgen ausklingen lassen.

Mit ihrem 125-Jahre-Jubiläum blickt die evangelische Kirchengemeinde auf eine interessante Geschichte zurück. Evangelische Christen waren seit der Reformationszeit in Oberschwaben anzutreffen. Der evangelische Prediger Johannes Zwick, der bis 1525 Pfarrer in Riedlingen war, belegt dies ebenso wie die Ordnung der ehemaligen Freien Reichsstadt Buchau. Durch die Gegenreformation wurden viele Evangelische vertrieben und mussten ihrem Glauben abschwören.

Während in Buchau und Kappel eine größere jüdische Gemeinde lebte, waren Protestanten bis 1806 in Stadt und Stift Buchau und ihren Dörfern nicht geduldet. Die württembergische Oberhoheit brachte dann dem Federseegebiet die Religionsfreiheit, worauf evangelische Handwerker, Gewerbetreibende und Beamte nach Buchau zogen. 1850 wurde eine Pfarrei in Schussenried gegründet, zu der rund 50 Evangelische gehörten. Ab dem Palmsonntag am 16. März 1856 wurde alle sechs Wochen ein Gottesdienst gefeiert. Am Anfang genügte ein Betraum. Ab 1859 konnten die Gottesdienste dann in einem kleinen Saal in einem Nebengebäude des fürstlichen Schlosses gehalten werden. Ab 1888 wurde an jeden dritten Sonntag ein Gottesdienst gefeiert, doch im Laufe der Zeit erwies sich der Saal als zu klein.

1891 leitete der Kirchengemeinderat die ersten Schritte für den Bau einer Kirche ein. In einer Gemeindeversammlung waren sämtliche evangelische Männer der Gemeinde zusammengekommen. Geplant war eine einfache Kapelle mit Aufsatz für eine Glocke aus Backsteinen. Dafür fertigte der Buchauer Werkmeister Franz Mußotter den Plan für den Kirchenbau an. 1892 begann man mit den Fundamenten und 1893/94 konnte die Kirche fertiggestellt werden. Das Glasfenster im Altarraum fertigte die Glasmaleranstalt Ferdinand Müller in Quedlinburg. Finanziert wurde es aus Mitteln des Christlichen Kunstvereins Biberach und der Familie Zeller aus Schussenried. Die offizielle Einweihung erfolgte am 27. September 1894 mit vielen Besuchern, auch von der katholischen und jüdischen Gemeinde.

Von 179 auf 550 Mitglieder

Ende des Zweiten Weltkriegs wuchs die Kirchengemeinde. Vor allem Heimatvertriebene aus dem Osten traten der Kirchengemeinde bei – und so wuchs sie von 179 auf 550 Mitglieder. 1950 erhielt die Gemeinde einen Vikar. 1955 wurde das Vikariat dann zur Pfarrei erhoben. Einer der Wegmarken in der Geschichte der Gemeinde war auch die Erneuerung der Orgel 1980.

Zum 100-Jahre-Jubiläum 1994 wurde die Kirche grundlegend renoviert und am Erntedankfest vom damaligen Landesbischof Eberhardt Renz wieder eingeweiht. Der technische Standard wurde durch eine Wärmedämmung im Dach, Doppelverglasung der Fenster und Erneuerung der elektrischen Installation deutlich verbessert. Außerdem wurde die Außenanlage neu gestaltet und der Vorplatz wurde vergrößert. Heute umfasst die Evangelische Kirchengemeinde Bad Buchau zirka 1050 Mitglieder, die das gute ökumenische Miteinander mit den katholischen Kirchengemeinden als sehr erfreulich beschreiben.

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