Zukunft der Förderschule ist gesichert

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Die Zeit der Ungewissheit hat ein Ende: Die Förderschule bekommt einen neuen Rektor.
Die Zeit der Ungewissheit hat ein Ende: Die Förderschule bekommt einen neuen Rektor. (Foto: Archivfto: Klaus Weiss)

Aufatmen an der Förderschule Bad Buchau: Nach dreieinhalb Jahren Vakanz hat das Regierungspräsidium Tübingen die Schulleiterstelle ausgeschrieben. Damit ist der Fortbestand der kleinen Schule entschieden.

In der aktuellen Ausgabe von „Kultus und Unterricht“, dem Amtsblatt des baden-württembergischen Kultus-Ministeriums, ist es Schwarz auf Weiß zu lesen: Für das Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentrum mit dem Förderschwerpunkt Lernen in Bad Buchau – also die Förderschule – wird eine Rektorin oder Rektor gesucht. Damit sei das aufwendige Bewerbungsverfahren eröffnet, bestätigt Achim Schwarz, kommissarischer Amtsleiter des Staatlichen Schulamts Biberach.

Für Lehrer, Eltern und Schüler der Förderschule geht eine lange Zeit der Ungewissheit zu Ende. Zuletzt hatte sich der Schulträger, der Gemeindeverwaltungsverband Bad Buchau, in einem, so der Vorsitzende Peter Diesch, „ergebnisoffenen Dialog- und Meinungsbildungsprozess“ mit der Zukunft der Schule beschäftigt. Dieser Prozess war in Gang gekommen, als Schulleiter Christof Gerster zum Schuljahr 2015/2016 von Bad Buchau an die St.-Gerhard-Schule nach Riedlingen wechselte. Ungefähr zeitgleich trat die Änderung des Schulgesetzes in Kraft: Eltern haben seither die Wahl, ob sie ihr behindertes Kind in einer Förderschule oder an einer Regelschule inklusiv beschulen lassen. Wohl auch deshalb entschieden sich damals die Mitglieder des Gemeindeverwaltungsverbands dafür, die vakante Schulleiterstelle der Buchauer Förderschule zunächst nicht ausschreiben zu lassen. Damit wurde die kleine Förderschule prinzipiell auf den Prüfstand gestellt.

Ministerium gibt den Ausschlag

Doch mittlerweile scheint die Sache entschieden – zugunsten der Förderschule. Den Ausschlag dazu habe das Kultusministerium selbst gegeben, das im Dezember die Vorgaben für die regionale Schulentwicklung an den Förderschulen veröffentlicht hat, berichtet der kommissarische Schulamtsleiter Schwarz: „Aufgrund dieser Regelung war die Ausschreibung der Stelle keine Frage mehr.“ Auch das Regierungspräsidium Tübingen habe daraufhin seine Zustimmung erteilt. Der Grund: „Die Zahlen liegen deutlich über den Mindestschülerzahlen“, so Schwarz. Zwölf Schüler sind nach Vorgabe des Ministeriums notwendig, um den Bestand eines sogenannten Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrums (SBBZ) zu sichern. Die Schülerzahlen am SBBZ in Bad Buchau lägen aber stabil über 20 Schüler.

Aktuell besuchen sogar 25 Kinder und Jugendliche die Förderschule, sagt Volker Braekau, der nun schon im vierten Jahr die kommissarische Schulleitung übernommen hat. Mehr als die Hälfte stammten aus Bad Buchau und den Federseegemeinden, der Rest aus Bad Schussenried.

Der Kampf um den Fortbestand der Schule habe in den vergangenen Jahren viel Energie gebunden, so Braekau: „Der Druck ist jetzt weg.“ Ein positives Signal habe die Schule aber schon zu einem deutlich früheren Zeitpunkt erhalten: In einem Schreiben an den CDU-Landtagsabgeordneten Thomas Dörflinger hat Kultusministerin Susanne Eisenmann bereits im Herbst 2016 der Buchauer Förderschule einen stabilen Bedarf bescheinigt. Die Schule, so die Ministerin, sollte deshalb erhalten bleiben. „Die Marschrichtung ist also nicht neu“, kommentiert Braekau die nun erfolgte Stellenausschreibung. Dennoch freue er sich, „dass das Schulamt klar Farbe bekennt“.

Weiterhin leide die Schule jedoch an Personalnot. Mit Braekau und seiner Kollegin Susanne Kneißle verfügt die Schule über nur zwei sonderpädagogische Fachlehrer. Fällt einer von beiden krankheitsbedingt aus, werde das schnell zum Problem, so der kommissarische Schulleiter. Zwar werde die Schule mittlerweile durch eine Religionslehrerin und einen Werklehrer unterstützt, notwendig wäre aber auch eine weitere Fachlehrkraft, um drei Klassen bilden und so den Bedürfnissen der Schüler besser gerecht werden zu können. „Unsere Schüler haben alle ihr Päckchen zu tragen“, sagt Braekau. Dass sich die Situation mit Besetzung der Schulleiterstelle verbessert, davon könne man nicht zwangsläufig ausgehen, erklärt Braekau. Das Kontingent an sonderpädagogischen Stunden sei gedeckelt, zudem herrsche für Förderschulen eklatanter Lehrermangel.

Stellenbesetzung zieht sich

Auch für Schwarz vom Staatlichen Schulamt Biberach ist deshalb noch nicht absehbar, wie lange die Nachbesetzung der Rektorenstelle dauern wird. „Solche Verfahren brauchen Zeit“, so der kommissarische Amtsleiter. Etliche Fristen seien zu beachten und mit Regierungspräsidium, Schulamt, gegebenenfalls auch der oder die Beauftragte für Chancengleichheit und Personalrat, Schulträger und Schulkonferenz wolle man „eine größtmögliche Beteiligung erreichen“. Denn die Wahl des neuen Schulleiters soll für alle nachvollziehbar sein. „Das zieht sich hin, bis eine Entscheidung vorliegt“, blickt Schwarz voraus. „Ich gehe davon aus, dass das möglicherweise nicht bis zum nächsten Schuljahr der Fall sein wird.“

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