Wohnen im Alter und mitten im Kurpark

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Die Ansicht von Nordwesten (oben) zeigt den Neubau mit Anbindung an das „Haus am Park“. In der Perspektive von Nordosten her (un
Die Ansicht von Nordwesten (oben) zeigt den Neubau mit Anbindung an das „Haus am Park“. In der Perspektive von Nordosten her (unten) ist das geplante Pflegeheim (links) erkennbar. (Foto: Grafik: Architekturbüro Robert Haller)

Große Pläne verfolgt das Gesundheitszentrum Federsee: Was in Nähe der Torwiesen entstehen soll, geht weit über einen Nachfolgebau für das Marienheim hinaus. Neben einem viergeschossigem Pflegeheim umfasst die geplante Seniorenwohnanlage auch ein Gebäude für Service-Wohnen und Tagespflege. Dem entsprechenden Baugesuch erteilte der Bad Buchauer Gemeinderat am Dienstagabend bei einstimmigem Beschluss das gemeindliche Einvernehmen.

Mit drei Geschossen und knapp 10,50 Metern Höhe soll der Neubau zwar nicht ganz so mächtig werden wie das benachbarte Pflegeheim. Doch nehmen die beiden Gebäudeteile mit zirka 40 auf 13 sowie 25 auf 13 Metern durchaus stattliche Ausmaße an. In etwa L-förmig angeordnet, rahmt der Gebäudekomplex, für den das Musikpavillon und ein Schuppen weichen soll, die Freifläche der Adelindis-Therme ein. Der Clou: Im Untergeschoss ist ein Verbindungsflur zum Pflegeheim vorgesehen, im Erdgeschoss führt außerdem ein verglaster und beheizter Laubengang zum „Haus am Park“/Federseeklinik. „Die Bewohner können also praktisch im Bademantel hinübergehen“, führte Architekt Robert Haller aus, der den Räten die Pläne erläuterte.

Während im Erdgeschoss des Neubaus die Katholische Sozialstation Riedlingen mit einer Tagespflege einziehen soll, sind in den beiden Obergeschossen 14 Wohnungen geplant. Laut Baugesuch sind sie für betreutes Wohnen vorgesehen, wobei im Konzept der Moorheilbad Buchau gGmbH bislang von der selbstbestimmteren Wohnform „Service-Wohnen“ die Rede war. Die Wohnungen verfügen über eine Wohnfläche zwischen 67 bis 87 Quadratmeter, inklusive einer kleinen Loggia. Diese Freibereiche seien jeweils abgerückt angeordnet, „um die Privatsphäre zu bewahren“, so der Architekt. Das Dachgeschoss biete zudem Raum für eine großzügige „Sonderwohnung“ mit rund 120 Quadratmetern und einer Dachterrasse.

Auf Stadtrat Stefan Hohl wirkten diese Ausmaße „sehr übertrieben und exklusiv“. Natürlich gebe es einen Markt für solche Wohnungen, so Hohl. „Aber wir sollten hier unsere Bürger im Auge behalten.“ Immerhin handle es sich bei dem Investor um eine gemeinnützige GmbH, bei der zudem die Stadt ein Drittel der Anteile halte. Statt einer großen hätte man den Raum lieber für zwei Wohnungen nutzen können, fand Hohl.

„Das ist nicht unbedingt ein soziales Projekt“, hielt Stadtrat Stefan Feurle dagegen, der das Angebot als „durchaus legitim“ bewertete und mit der „Rendite“ argumentierte. Die Wohnungen würden auf dem freien Markt angeboten, fügte Architekt Haller erklärend hinzu. Sie stünden allen zur Verfügung, unabhängig davon, ob man die Hilfsdienste des betreuten Wohnens nachfragen wolle oder nicht.

Keine Konkurrenz

Ähnlich verhält es sich mit dem Tagespflege-Angebot im Erdgeschoss. „Menschen, die im betreuten Wohnen leben, dürfen auch gerne Gäste der Tagespflege werden“,erläuterte Rudolf Saier, Geschäftsführer der Katholischen Sozialstation Riedlingen. Sie müssten aber nicht, denn grundsätzlich könnten sich die Bewohner ihre Dienste frei wählen. Mit 15 Tagespflege-Plätzen habe die Katholische Sozialstation zudem das Angebot bewusst klein gehalten, um keine Konkurrenzsituation zum „Haus mit Herz“ zu schaffen.

Als Konkurrenz zur Seniorengenossenschaft Riedlingen verstand auch Michael Wissussek das Angebot nicht. „Wir haben es dringend nötig, den Bedarf an Tagespflege zu decken und müssen schauen, dass wir uns gegenseitig weiterentwickeln. Wir schaffen ein Netzwerk, keine Konkurrenz.“

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