Wo Zwerge Riesenspaß haben

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Ein Highlight im Garten ist neben der großen Burg die Vogelschaukel.
Ein Highlight im Garten ist neben der großen Burg die Vogelschaukel. (Foto: Laura Grimm)
Laura Grimm

Rund 130 Kinder besuchen derzeit den Kindergarten Federseezwerge in Bad Buchau. Ganz schön viele – und es werden bald noch mehr. Hier ist einfach immer etwas los, wie sich bei einem Besuch bei den Federseezwergen zeigt.

Bereits morgens um 7 Uhr, wenn die ersten Kinder von ihren Eltern gebracht werden, beginnt der Tag im Kindergarten Bad Buchau. Das ist früher als bei Schulkindern, die eine dreiviertel Stunde länger schlafen dürfen. Nachdem die Kinder ihre Taschen weggepackt und ihre Jacken aufgehängt haben, können sie erst einmal spielen. Es gibt sehr viel Auswahl: Sie können im Atelier kreativ werden, malen oder basteln, bei schlechtem Wetter im Bewegungsraum Fangen spielen oder im Experimentierraum wechselnde Projekte ausprobieren. Momentan können sie etwa die unterschiedliche Beschaffenheit von Erde und Steinen erkunden. Ob dabei die Hände dreckig werden, interessiert die Kleinen nicht.

Auch im großen Garten können sie sich austoben, es gibt mehrere Schaukeln, eine große Burg zum Klettern, einen geräumigen Sandkasten, Spielhütten und ganz viel Platz zum Herumrennen. Natürlich dürfen sie sich auch in den Gruppenräumen aufhalten. Wie Annika, Noah und Laura, die ihre Zeit dort mit Weben verbringen. So wird die Feinmotorik verbessert und gleichzeitig fertigen die drei eine schöne Dekoration für zuhause an.

Früher, als der Kindergarten noch keinen eigenen Namen hatte, waren alle Gruppen nach Tieren benannt. Als dann später der Wunsch nach einem Namen für den Kindergarten aufkam, entschieden sich die damaligen Eltern für „Kindergarten Federseezwerge“. Allerdings passten dazu die Tier-Gruppennamen nicht mehr und so übernahm man die „Zwerge“ und ordnete Gruppen die Farben Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau und Lila zu. „Eben die Farben aus dem Regenbogen“, erzählt Erzieherin Karin Lahl. Sie betreut eine der zwei Krippengruppen im Buchauer Kindergarten. Die ganz Kleinen ab einem Jahr sind die Regenbogenzwerge 1 und 2. Der Krippenbereich ist zwar im selben Gebäude untergebracht, aber sonst separat gehalten.

Um den Überblick zu behalten, wer wann wo ist, gibt es ein Klammersystem. In jedem Gruppenraum ist eine Tafel in der entsprechenden Farbe und darauf sind alle Räume abgebildet. Jedes Kind hat zwei Wäscheklammern in der Gruppenfarbe und mit Namen und einem Bild. Sobald ein Kind den Gruppenraum verlässt, um zum Beispiel in den Werkraum zu gehen, klemmt es eine Klammer an die entsprechende Abbildung auf der Tafel. Am Werkraum angekommen wird die zweite Klammer an eine Tafel vor dieser Tür geklemmt, erklärt die Erzieherin Dorota Matej. „So weiß man immer, wo das Kind gerade steckt.“

Seit 29 Jahren arbeitet sie als Erzieherin. Einige Jahre war sie im Kindergarten in Kappel tätig und als dieser dann mit dem Buchauer Kindergarten zusammengelegt wurde, zog sie mit in die neuen Räume um. Gemeinsam mit Simone Miehle und Jenny Zoll kümmert sie sich um die roten Zwerge. „Es ist viel Arbeit, macht aber auch unheimlich viel Spaß“, sagt sie mit einem Lächeln im Gesicht, während sie Josephine und Carlo, zwei ihrer Schützlinge, im Sandkasten im Blick behält. Beide bauen hochkonzentriert an einem Tunnel, der möglichst nicht einstürzen sollte.

Die Kinder werden den ganzen Tag beobachtet – aber nicht, um mögliche Fehltritte zu bestrafen. Die Erzieherinnen können so alle Lernfortschritte, aber auch Defizite sofort feststellen und im Portfolio der Kinder dokumentieren. Ein weiterer Grund ist das Erkennen von Interessen und Mustern. Diese können dann von den Erzieherinnen als „Köder“ genutzt werden. Dorota Matej hat dafür auch gleich ein Beispiel parat. Angenommen ein Kind spielt immer mit Schiffen, aber seine Feinmotorik lässt noch zu wünschen übrig. Aber freiwillig ins Atelier? Niemals. Doch mit einem kleinen Trick greift es doch noch zu Schere und Papier. Denn ohne Wasser mit Schiffen zu spielen, macht ja keinen Spaß und zufällig ist hier weißes Papier, blaue Farbe und eine Schere. Also warum nicht das Papier anmalen und Wellen hinein schneiden? So werden Interessen und Neigungen als Anlass genommen, um eventuellen Schwächen entgegenzuwirken und sie auszugleichen.

Die 27 Erzieherinnen kümmern sich immer zu zweit oder zu dritt um eine Gruppe. Allerdings arbeiten viele von ihnen nicht ganztags, sondern schichtweise. So werden die 17 Stellen auf 27 Personen verteilt, was sehr gut funktioniert.

Geburtstage werden groß gefeiert

Um 10.45 Uhr gibt es dann einen Morgenkreis im Gruppenraum. Es wird gespielt, vorgelesen oder ein Geburtstagskind gefeiert. Das ist immer ein großes Ereignis, worauf sich alle freuen. Aber leider hat heute niemand Geburtstag. Dieser Stuhlkreis werde auch für Besprechungen genutzt, so die Erzieherinnen, zum Beispiel, um Regeln zu erklären oder mögliche Probleme anzusprechen. Anschließend gibt es für diejenigen, die über Mittag im Kindergarten bleiben, Mittagessen. Heute steht Schlemmerfilet mit Reis, Soße und Salat auf dem Speiseplan. Der Nachtisch darf natürlich nicht fehlen, einen Stracciatella-Joghurt. Es gibt ein wechselndes Angebot aus Fisch, Fleisch und Gemüse, auch vegane Gerichte sind dabei. Danach gibt es eine Ruhephase. Entweder können sich die Kinder zum Schlafen hinlegen oder sie gehen in einen der zwei Ruheräume, um dort eine Geschichte vorgelesen zu bekommen.

Doch ein Teil der Kinder wird ab 12 Uhr abgeholt. Der Kindergarten hat verschiedene Betreuungsangebote und -zeiten. Die Regelgruppe hat vormittags von 7.30 bis 12.30 Uhr und am Nachmittag von 13.30 bis 16.30 Uhr geöffnet. Mit verlängerten Öffnungszeiten können die Kinder von 7 bis um 14 Uhr bleiben, dann essen sie auch in der Cafeteria des Kindergartens. Die Ganztagesbetreuung ist von 7 bis 17 Uhr und schließt die Mittagszeit mit ein. Die Cafeteria, ist ein heller Raum in der der Mitte des Gebäudes mit vielen kleinen Tischen. Hier essen die Kinder nicht nur zu Mittag, sondern auch vormittags ihr Vesper.

Der neue Kindergarten wurde im Jahre 2013 eröffnet und wird von Elke Matt geleitet. Er bietet für 160 Kinder Platz. Momentan sind davon nur 130 belegt, aber in den kommenden Monaten werden wieder neue Kinder dazukommen. Trotz der vielen Kinder ist es erstaunlich leise, da diese sich auf verschiedene Räume aufteilen können. Das sei auch ein großer Unterschied zu den alten Kindergärten, sagt Elke Matt. Dort wäre deutlich weniger Platz gewesen und dementsprechend hätten die Kinder nicht die Freiheiten gehabt, die sie jetzt haben. Statt immer alles als Gruppe zu machen, können sich die Kinder den Großteil des Tages mit dem beschäftigen, was ihnen Spaß macht und müssen nicht zwingend in ihrem Gruppenraum sitzen. Der Schwerpunkt liege ganz auf den Kindern und ihren Fähigkeiten und Interessen, erklärt die Kindergartenleiterin. Schließlich lasse sich das Kindergartenkonzepts in drei Sätzen beschreiben: Was kann das Kind? Was braucht das Kind? Was will das Kind? Das treffe auch für den neuen Naturkindergarten zu.

Kunterbunter Zwergenalltag

Wenn man im Kindergarten zu Besuch ist, merkt man, dass sich die Kinder in ihren Räumen wohlfühlen. Auf dem Gang ist immer etwas los und im Garten sowieso. Von überall her hört man Kinderstimmen und Gelächter. Es herrscht eine entspannte Stimmung und alles wirkt fröhlich und munter – und so kunterbunt wie die die Federseezwerge eben.

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