Von der Ostsee an den Federsee

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An ihrem neuen Arbeitsplatz im Buchauer Rathaus hat Savita Christ jede Menge zu tun. Bevor sie nächstes Jahr die Nachfolge von K
An ihrem neuen Arbeitsplatz im Buchauer Rathaus hat Savita Christ jede Menge zu tun. Bevor sie nächstes Jahr die Nachfolge von Kämmerer Franz-Xaver Menz antritt, bereitet sie die Einführung der Doppik vor. (Foto: Grü)

Riga, Wilhelmshaven, Bad Urach, Nürtingen, Bad Buchau: Savita Christs Lebenslauf weist viele interessante Stationen auf. Nun hat die 39-Jährige die Weichen neu gestellt und im Buchauer Rathaus einen neuen Haltepunkt erreicht. Dort wird sie Mitte nächsten Jahres die Nachfolge von Kämmerer Franz-Xaver Menz antreten. Schon jetzt ist Christ hinter den Kulissen mit einer Mammutaufgabe beschäftigt: der Umstellung von der kameralistischen auf die doppische Haushaltsführung.

Von der Ostsee an den Federsee – dass es sie eines Tages nach Bad Buchau verschlagen sollte, das hätte sich Savita Christ wohl nie träumen lassen. Die Buchauer Rathaus-Mitarbeiterin stammt aus Lettland; geboren ist sie in Riga, aufgewachsen in Jurmala, einem malerischen Badeort am Rigaischen Meerbusen. Mit der baltendeutschen Oma wurden jedoch die deutschen Wurzeln in der Familie gepflegt. „An Weihnachten haben wir deutsche Lieder gesungen“, erinnert sich Christ, die auch in der Schule Deutsch als erste Fremdsprache wählte.

Brieffreund wird zum Ehemann

So war es naheliegend, nach dem Abitur über ein Arbeitsvisum einige Zeit in Deutschland zu verbringen. Der Plan: an der schönen Mosel in der Gastronomie etwas Geld zu verdienen und dann zu studieren. Doch alles kam ein wenig anders. Denn in Deutschland traf Christ ihren Brieffreund aus der Jugendzeit – und fand ihn ausgesprochen sympathisch. Da dieses Gefühl auf Gegenseitigkeit beruhte, einigten sich die jungen Leute, zusammen in Wilhelmshaven an der Nordsee zu studieren – und fortan überhaupt gemeinsame Wege zu gehen. „Und so bin ich in Deutschland geblieben“, berichtet die Mutter einer zehnjährigen Tochter und eines siebenjährigen Sohnes lachend.

Eine „Exotin“ ist Savita Christ aber auch in beruflicher Hinsicht. Die 39-Jährige kommt nicht aus dem Verwaltungswesen, sondern ist ursprünglich gelernte Betriebs- und Tourismuswirtin. Ein Praktikum führte sie in die Kurverwaltung Bad Urach, wo sie auch den Bereich Finanzen kennenlernte. „Das fand ich sehr interessant. Ich merkte, das liegt mir mehr“, blickt Christ zurück. „Ich bin ein Zahlenmensch – viel logisches Denken, das ist meine Welt.“

Nach ihrer Diplom-Arbeit übernahm Christ zunächst die Buchhaltung des Tourismusverbands „Mythos Schwäbische Alb“. Ende 2009 wechselte sie in die Kämmerei der Stadt Nürtingen. Und als dann die Kämmererstelle in Bad Buchau ausgeschrieben war, ergriff Christ – die eigentlich schon drauf und dran war, mit ihrer Familie wieder in den Norden zu ziehen – die Chance.

Schon seit vergangenen Juli ist sie nun im Buchauer Rathaus tätig – bislang allerdings eher im Hintergrund. Hinter den Kulissen beschäftigen sich die Mitarbeiter der Kämmerei derzeit emsig mit der für 2020 vorgeschriebene Einführung der doppischen Haushaltsführung, ein wahrer Kraftakt. Dazu müssen nämlich unter anderem sämtliche Vermögenswerte der Stadt ermittelt werden, also Grundstücke, Straßen, Gebäude, Fuhrpark, Gerätschaften und anderes bewegliches Vermögen bis zur 1000-Euro-Grenze.

Das sei mitunter ganz schön knifflig, so Christ. Straßen würden etwa wiederum nach viel und weniger befahrenen, nach Industrie- oder Wohnstraßen unterteilt und dann jeweils noch das Baujahr berücksichtigt, für das sie teilweise auf alte, handgefertigte Unterlagen zurückgreifen muss. Notwendig ist diese aufwendige Bewertung, um künftig wie in der Bilanz eines Unternehmens Abschreibungen vorzunehmen. „Der Werteverzehr wird so transparenter dargestellt“, nennt Christ einen Vorteil der doppischen Haushaltsführung.

In den Kommunen gehen freilich die Meinungen über die vorgeschriebene Einführung der Doppik weit auseinander. Während ihre Befürworter darin ein Instrument für mehr Transparenz, Generationengerechtigkeit und bessere Vergleichsmöglichkeiten sehen, finden die anderen die doppischen Haushaltspläne vor allem aufwendig und sperrig. Tatsächlich sei die Umstellung teuer und in der Regel müsse in den Verwaltungen auch das Personal etwas aufgestockt werden, räumt Christ ein. „Aber ob der Haushaltsplan hinterher wirklich dicker und schwer zu lesen ist, kommt auf den Kämmerer an.“

Bei so viel Neuerungen im kommunalen Haushaltswesens schätzt es Christ, dass sie auch auf die umfassende Erfahrung von Kämmerer Franz-Xaver Menz zurückgreifen und in der Zusammenarbeit mit ihm langsam in ihre neue Aufgabe hineinwachsen kann. Überhaupt fühle sie sich in Bad Buchau gut aufgenommen, sagt die Sportschützin, die es zum Ausgleich mit Hund oder Fahrrad nach draußen zieht. „Es hat wohl niemand gedacht, dass wir in Oberschwaben landen. Aber die ganze Familie fühlt sich hier super wohl.“

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