Um die Erinnerungspflege verdient gemacht

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Vorsitzender Elmar L. Kuhn überreicht den Preis der Gesellschaft Oberschwaben an Charlotte Mayenberger für ihr Engagement um die (Foto: Derek Schuh)
Schwäbische Zeitung

Immer wieder klingelte das Telefon, gingen E-Mails mit Gratulationen ein. Die weiteste Reise haben aber wohl die Glückwünsche aus den USA zurückgelegt. Weggefährten und auch die Nachfahren der Buchauer Juden freuen sich mit Charlotte Mayenberger, die am Wochenende in Ravensburg mit dem Preis für Heimatgeschichte der Gesellschaft Oberschwaben ausgezeichnet wurde: „für ihre Verdienste um die Erinnerungspflege und Wissensvermittlung zur jüdischen Vergangenheit Oberschwabens sowie die Kontaktpflege mit den Überlebenden und Nachkommen insbesondere der jüdischen Gemeinde Buchau“, wie es auf der Verleihungsurkunde heißt.

Als erste Frau ausgezeichnet

Für die Geehrte war die Preisverleihung eine große Überraschung: „Ich war total baff“, gesteht Mayenberger und lacht. Als der Sigmaringer Kreisarchivar Dr. Edwin Ernst Weber die Buchauerin über die Auszeichnung informierte, habe sie zunächst „an eine Preisverleihung unter vielen“ am 17. Oberschwabentag gedacht. Tatsächlich verleiht die Gesellschaft Oberschwaben den renommierten Preis nur alle paar Jahre an herausragende Regionalhistoriker. Zuletzt erhielt 2011 der Riedlinger Heimatforscher Winfried Aßfalg die Auszeichnung für sein Lebenswerk. Mayenberger reiht sich nun als erste Frau in die illustre Preisträgerrunde ein.

Seit sie in den 1980er-Jahren als Fremdenführerin auf das Schicksal der jüdischen Gemeinde stieß, hat Mayenberger dieser Aspekt der Buchauer Heimatgeschichte nicht mehr losgelassen. Die 56-Jährige kümmert sich seither mit dem von ihr initiierten Arbeitskreis unter anderem um die Pflege des jüdischen Friedhofs, hat im Gedenkraum hinter der Buchauer Tourist-Info ein kleines, aber feines Museum eingerichtet und sich in mehreren Publikationen und Ausstellungen mit der Geschichte der Buchauer Juden beschäftigt. In seiner Rede zur Preisverleihung (siehe Kasten) hebt Laudator Carsten Kohlmann aber auch Mayenbergers vermittelnde Tätigkeit bei der Erinnerungsarbeit hervor, die Kontaktpflege zu den hauptsächlich in Israel und den USA lebenden Nachfahren der Buchauer Juden und ihre Arbeit mit Schülern.

Diesem Engagement verdankt Mayenberger auch den Obermayer German Jewish History Award, mit dem sie 2008 in Berlin, auf Vorschlag einiger Nachfahren Buchauer Juden, ausgezeichnet wurde. Wie der Award soll auch die Urkunde der Gesellschaft Oberschwaben gerahmt werden und im Buchauer Gedenkraum einen Ehrenplatz erhalten, so Mayenberger. Das Preisgeld dagegen wolle sie „direkt für die Arbeit verwenden – denn dafür habe ich’s ja bekommen“. Derzeit bereitet die Heimathistorikerin etwa eine Ausstellung zur Buchauer Synagoge im nächsten Jahr vor. Denn 2014 ist es genau 175 Jahre her, seit das einst das Stadtbild prägende Gotteshaus erbaut wurde. „Die Arbeit wird mir also nicht ausgehen“, sagt die Preisträgerin und lacht. Auch in ihren Dankesworten in Ravensburg hatte Mayenberger den zahlreichen Festgästen versichert, den Preis als Ansporn zu begreifen. Und sie ist sich sicher: „Der Preis tut auch der Arbeit gut. Und nur darum geht es.“

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