„Tiger“ hilft beim Schafehüten

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Klaus Weiss

Wenn es aufs Frühjahr zugeht, zieht der Reichenbacher Schäfer Willi Mang mit seinen rund 600 Schafen von der Herbstweide im Tuttlinger Raum wieder in die Nähe seines Heimatstalls. Zur Zeit kann man ihn noch im Plankental bei Kappel antreffen.

Ein rauer Wind fegt über Kappels Höhe. Das stört den rüstigen Rentner aber nicht besonders, der in der typischen Schäferhaltung mit beiden Händen auf der Schäferschippe am Wegesrand steht. Was auf den Betrachter so romantisch wirkt, sei aber anstrengende Arbeit, so der Schäfer.

Seit mehr als 50 Jahren sei er mit Schafen unterwegs, allerdings inzwischen als Rentner, seit er seinem Sohn den Schafzuchtbetrieb übergeben habe. Aber ganz ohne Schafe kommt er halt doch noch nicht aus.

Das ganze Winterhalbjahr ist Mang mit der Herde unterwegs, von Weideplatz zu Weideplatz. Da kommen etliche Kilometer zusammen. Sein Lieferwagen stehe aber meistens in der Nähe, also brauche er nicht die ganze Strecke zu gehen, erzählt der Schäfer. Doch gerade auf der Wanderschaft – daher der Name „Wanderschäfer“ – müsse die Herde sorgfältig beaufsichtigt werden, vor allem beim Überqueren von verkehrsreichen Straßen. Den Schäferkarren brauche er nicht mehr, sagt Mang. Wenn möglich fahre er abends heim nach Reichenbach zum Übernachten.

Mang ist gerne Schäfer. Und gerne in der Natur, sagt der Reichenbacher von sich. Die Schäferei gehört zu den ältesten Berufen der Welt. Schon vor etwa 10000 Jahren hat die Domestizierung des Schafes in Kleinasien begonnen, später begannen auch die Menschen in Europa damit, die Tiere zu zähmen und zu züchten.

Nicht nur Fleisch- und Wollproduzenten sind die Schäfer, deren Beruf leider am Aussterben ist. Auch in der Landschaftspflege ist der Schäfer mit seiner Herde durchaus gefragt. Viele Weideflächen würden ohne Schafe schnell mit Buschwerk zuwachsen. Die EU stellt dafür sogar Mittel, wenn auch in geringem Umfang, zur Verfügung.

Im Frühjahr, so April bis Mai, werden die Schafe geschoren. So um die vier bis fünf Kilogramm Wolle können dann pro Schaf gewonnen werden. Aber das dauert noch. Auf der Winterweide bei Sigmaringen sei das Futter nicht ausreichend, deshalb geht der Seniorchef mit seinen 600 Schafen und seinem Hund wie ein Nomade auf Wanderschaft. Der struppige schwarze Herdenhund hört auf den Name „Tiger“ und nimmt dem Schäfer etliche Arbeit ab. Fast ohne Worte kommuniziert der Schäfer mit dem Hund. Schon auf ein Handzeichen saust der Hund los und treibt die Merinoschafe wieder zusammen.

„Komm, ich zeig Dir was“, sagt Schäfer Mang zum SZ-Fotografen und führt ihn zu einem Anhänger, in dem ein Schaf gerade ein Lamm zur Welt gebracht hat. Gerade mal eine halbe Stunde alt – und schon auf den Beinen. Mang lässt Mutterschaf und Lamm kurz aus dem Anhänger heraus. Wohl vor Kälte zitternd, schlüpft das Lamm gleich an seine wollige Mutter und findet auch gleich die Milchzapfstelle.

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