Täglich ein sichtbarer Erfolg

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 Landtagsabgeordneter Thomas Dörflinger im Bohreinsatz.
Landtagsabgeordneter Thomas Dörflinger im Bohreinsatz. (Foto: Daniel Jenewein)
Waltraud Wolf

Der Landtag macht Sommerpause. Da könnte auch er die Beine hochlegen, meint der CDU-Abgeordnete Thomas Dörflinger. Doch er hat eine andere Entscheidung getroffen und besucht in seinem Wahlkreis Biberach Handwerksbetriebe. Allerdings: Allein mit Schauen und Informieren will er es nicht belassen, er bringt sich tätig ein, um einen Eindruck von der Arbeit derer zu bekommen, die das Handwerk ausführen. Am Dienstag war es die Firma Elektro Rehm in Oggelshausen.

76 feste und 30 Zeitarbeiter beschäftigt sie aktuell, wird ihm mitgeteilt. Bei der Betriebsführung erfährt er staunend, dass sie neben den Standard-Installationen wie Lichtschalter und Steckdosen, heute auch Bussysteme und schnelle IT Netzwerke installiert. Zudem hat sie dank Zertifizierung ihr Spektrum um die Einrichtung sicherheitstechnischer Anlagen sowie Brand- und Einbruchmeldetechnik erweitert. Wie dies vor Ort aussieht, lernt er bei seinem zweistündigen Praktikum kennen und zwar auf der B19 Baustelle, dem künftigen Hotel und Wohngebäude zwischen Bahnhof und Bismarckring in Biberach, einem ganz besonderen Projekt. Löcher für Hohlraumdosen hat er gebohrt, damit Kabel durch Leerrohre gezogen werden können. Wenn’s in der Nähe von Leitungen kitzelig wurde, gab er den Bohrer lieber in die Hände der Profis, gesteht er. Er spricht bewundernd von „unheimlich qualifizierten Leuten“. 22 Elektroniker, Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik, bildet Elektro Rehm derzeit aus.

Am späten Nachmittag stellt er sich den Fragen und Anliegen von Mitgliedern der Elektro-Innung, die nach Oggelshausen geladen wurden, allen voran Innungs-Obermeister Karl-Josef Maigler. Der Handwerkerferien wegen sind nicht allzu viele der mehr als 70 Betriebe vertreten, dafür der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Biberach, Fabian Bacher, Oggelshausens Bürgermeister Ralf Kriz und sein Bad Buchauer Kollege Peter Diesch. Sabine Rehm-Heinzelmann, die neben ihrem Vater Max Rehm und Manfred Fröhner zur Geschäftsleitung der Firma Elektro-Rehm gehört, bezeichnet den Besuch Dörflingers als „große Ehre“ und eine gute Gelegenheit, dem Landtagsabgeordneten mit auf den Weg zu geben, „was uns auf dem Herzen liegt“.

Als Vorsitzender des Arbeitskreises Handwerk, Gewerbe und berufliche Ausbildung, sich nicht nur auf schriftlich Mitgeteiltes zu beziehen, sondern selber Erlebtes einbringen zu können, nennt Dörflinger als Motivation seiner Betriebs-Praktika. Ein bisschen Neid schwingt mit, als er feststellt, dass er als gelernter Banker und als Politiker am Ende eines Tages häufig ohne sichtbaren Erfolg bleibe, Handwerker dagegen sähen jeden Tag, was sie geleistet hätten. Einige Themen waren im vorab mit auf den Weg gegeben worden, auch solche, die in Gesprächen mit dem Baden-Württembergischen Handwerkstag eine bedeutende Rolle spielten: so die Prämie für Meister nach der erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung. Von 1500 Euro ist die Rede. Man befinde sich in der Zielgeraden, sagt Dörflinger, allerdings stehen noch die Haushaltsberatungen aus. Und: Es sind insgesamt dreimal so viele Mittel an Bedarf angemeldet als zur Verfügung stehen.

Die Beibehaltung der Meisterpflicht bei der Gründung eines Betriebes ist den Innungsbetrieben wichtig. Für das Elektro-Handwerk besteht sie. Dörflinger weiß um das Bestreben, die Meisterpflicht wieder auf weitere Berufsfelder auszuweiten, was auf EU-Ebene allerdings eher unerwünscht sei, weshalb er um eine „vorsichtige Vorgehensweise“ bittet. Fabian Bacher spricht die mangelnde Nachhaltigkeit dieser Betriebsgründungen ohne Meistertitel an, die häufig nur von kurzem Bestand seien, worunter auch die Gewährleistung leide. Auch die Ausbildung spiele eine Rolle. Obermeister Maigler schwärmt von dem Einsatz moderner Medien und neuen Techniken, die eine solche für junge Leute interessant machten. Im Elektro-Gewerbe sei die Ausbildung noch steigend, hält Dörflinger fest. Mit Ausbildungs-Botschaftern werben Betriebe, so auch die Firma Elektro Rehm und sie bietet Schülern Praktika an. Auch Elternprojekte gebe es, bringt Dörflinger ein neues Werbemittel ins Gespräch. Dass es gelingen müsse, die Ausgebildeten auch in Handwerksbetrieben zu halten, betont der Landtagsabgeordnete und unterstreicht das Familiäre eines kleineren Betriebes als große Chance im Wettbewerb mit anderen.

Schwierigkeiten bei der Ausweisung von Gewerbeflächen und zwar dann, wenn ein Betrieb sie benötige, beklagt Bürgermeister Kriz und fordert hier eine bedarfsgerechte und schnelle Umsetzung. Dörflinger ist das Problem und die damit verbundene Bürokratie nicht fremd, bezeichnet den „Kampf um die Fläche“ gerade auch in der gegenwärtigen Regierungs-Koalition als „nicht so einfach“, nimmt die Anregung jedoch auf. Fabian Bacher erkennt hier das Spannungsfeld von Ballungsräumen und ländlichem Raum, der nicht abgehängt werden dürfe.

Auch das Thema Flüchtlinge kommt aufs Tapet. Da ist zum Beispiel ein Nigerianer, der seit vier Jahren als Elektrohelfer in einem Biberacher Betrieb arbeitet und jetzt eine Ausbildung zum Elektroniker machen will. Die Firma fragte wegen einer Förderung an und erhielt von der Agentur für Arbeit die Antwort, die gäbe es, wenn der Mann seine Gesellenprüfung nach zwei Jahren ablege. Zum einen dauere die Ausbildung dreieinhalb Jahre und könne frühestens nach drei Jahren beendet werden, wird Dörflinger beschieden. Zudem sei der Stoff gar nicht innerhalb von zwei Jahren zu schaffen. Der Abgeordnete will sich schlau machen. Wie problematisch es ist, Flüchtlingen zu vermitteln, dass eine Ausbildungsvergütung ein geringer Verdienst sei, aber Zukunftschancen eröffne, wird diskutiert und auch, dass es weiterer Sprachkurse während der Lehrzeit bedürfe und solche nicht immer vor Ort stattfänden.

Zum Schluss gibt’s noch die gute Nachricht von der Lockerung des Datenschutzes für kleinere Betriebe durch den Bundestag. Jetzt braucht es einen Datenschutzbeauftragten erst ab 20 Mitarbeiter, die mit sensiblen Angaben befasst sind. Dennoch, so die Ansage, sei mit Daten sorgsam umzugehen.

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