Stadt schafft neue Urnengräber

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Bei einer Neugestaltung soll der alte Kappler Friedhof den Charakter eines Bergfriedhofs. Eine Herausforderung sind die untersch
Bei einer Neugestaltung soll der alte Kappler Friedhof den Charakter eines Bergfriedhofs. Eine Herausforderung sind die unterschiedlich langen Grabnutzungsrechte. Zwischen den bestehenden zeigen sich Lücken der bereits aufgelösten Gräber. (Foto: Annette Grüninger)

Die Bestattungskultur wandelt sich. Auch in Bad Buchau, wo im vergangenen Jahr bei 75 Prozent der Sterbefälle die Form der Urnenbestattung gewählt wurde. Die Stadt sieht deshalb die Notwendigkeit, in den unteren Terrassen des neuen Friedhofsteils weitere Urnenfelder anzulegen. Die Stadträte befürworteten dieses Vorhaben einstimmig – beklagten in der Sitzung am Dienstagabend aber auch den Zustand des alten Friedhofs.

Die Lage des Bad Buchauer Friedhofs ist einzigartig. Von der Kappler Höhe aus lässt sich die gesamte Stadt überblicken, bis zum Federsee und zu den umliegenden Dörfern. In der Nahaufnahme zeigen sich auf dem alten Friedhof aber auch flechtenbewachsene Stützmauern mit kleineren Schäden oder vereinzelt sprießendes Unkraut zwischen den meist liebevoll gepflegten Gräbern. Ein Anblick, für den manche Räte in der öffentlichen Sitzung starke Worte fanden.

Für Elmar Bechtle, der das Thema am Dienstagabend ansprach, ist das Erscheinungsbild des alten Friedhofs „kein Zustand. Wenn man reingeht, muss man sich schämen.“ Karlheinz Kleinau hatte sich in einer der vergangenen Sitzungen nach dem Stand der Neuüberplanung erkundigt und hob ebenfalls auf die Außenwirkung ab. Fremden Besuchern biete sich das Bild einer „Absteige“. Heinz Weiss zog einen drastischen Vergleich: „Es sieht wirklich aus, als ob du bei einen alten, verlassenen Bauernhof reinläufst. Da ist nichts ,he’, nichts beschädigt, aber alles verkommen und ungepflegt.“

Alle Räte betonten aber, nicht den Eindruck erwecken zu wollen, dass der Bauhof für den Missstand verantwortlich sei. Ganz im Gegenteil: Die Mitarbeiter seien ausgelastet, so Weiss, auch weil sie Arbeiten an den Baustellen der Stadt verrichten, die man fremdvergeben könnte. „Wir müssen einfach schauen, dass es gepflegt aussieht und den Friedhof optisch wieder aufwerten“, appellierte Kleinau an die Verwaltung.

Stadtrat Klaus Schultheiß schlug einen Ortstermin vor, bei dem sich die Räte ein Bild von der Situation machen könnten. Bürgermeister Peter Diesch hielt dies ebenfalls für sinnvoll. Norbert Moll gab zu bedenken, dass die Bauhofmitarbeiter in den vergangenen Tagen schon auf dem Friedhof tätig geworden seien.

Zuvor hatte der Ordnungsamtsleiter den Rat über den derzeitigen Stand der Neuüberplanung des Friedhofs informiert. Nach dem Einzug von Stützmauern in den Jahren 2001, 2002 und 2004 war ursprünglich geplant gewesen, die Sanierung des alten Friedhofs bis etwa 2014 abgeschlossen zu haben. Dieses ehrgeizige Ziel habe man nicht halten können, so Moll. Eine Herausforderung seien die Grabnutzungsrechte etlicher alter Gräber, die bis heute andauern. Teilweise werden in alten Familiengräbern weiterhin Verstorbene bestattet, teilweise gelten alte Grabnutzungsrechte, auch von der katholischen Kirchenpflege, die längere Ruhezeiten vorsehen. So zeigen sich zwischen den noch bestehenden die Lücken der bereits aufgelösten Gräber. Bis heute habe die Stadt aber weit über 300 Grabauflösungen veranlasst, berichtete Moll.

Erdurnenfeld voraussichtlich bis Jahresende belegt

Voraussichtlich in etwa vier Jahren werde jedoch die oberste Terrasse im neuen Friedhof belegt sein. Dann müsste der alte Friedhof für neue Grabflächen zur Verfügung stehen. Insgesamt habe aber der Druck auf die Stadt abgenommen, neue Grabfelder zu schaffen. Der Grund: „Die Bestattungskultur ist im Wandel“, sagt Moll. Der Trend gehe eindeutig Richtung Feuerbestattung, das zeige sich auch in Bad Buchau. Ihr Anteil an den jährlich rund 50 Bestattungen hat sich erheblich gesteigert, von 54 Prozent im Jahr 2010 auf 75 Prozent im vergangenen Jahr. Von den 60 Kammern in den 2012 errichteten Urnenstelen seien bereits 26 belegt, so Moll. Auch anonyme Beisetzungen im 1999 geschaffenen Urnengemeinschaftsgrab würden erstaunlich gut nachgefragt. Und die 43 Grabstellen auf dem neuen, 2014 an der oberen Terrasse angelegten Erdurnenfeld werden wohl bis Ende des Jahres alle belegt sein, schätzt Moll.

Raum für neue Urnengrabstellen sieht die Verwaltung auf den neuen Friedhofsteil. Am Rondell auf der mittleren Terrasse könnten 23 Urnengräber entstehen auf den beiden danebenliegenden Terrassen weitere 25. „Der Aufwand wird gering sein und kann durch die normale Friedhofspflege abgedeckt werden“, blickte Moll voraus. „Damit wäre der Bedarf wieder für die nächsten vier bis fünf Jahre abgedeckt.“

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