Spätblüher liefern jetzt im Federseemoor den Treibstoff für Insekten

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 Ein Spätzünder: Der Teufelsabbiss bietet jetzt im Frühherbst für Insekten eine wichtige Nahrungsquelle.
Ein Spätzünder: Der Teufelsabbiss bietet jetzt im Frühherbst für Insekten eine wichtige Nahrungsquelle. (Foto: Heinz Steinacher)
Kerstin Wernicke

Die Blütenvielfalt im Federseemoor ist schon ab Ende August vorbei. Die wenigen Spätblüher unter den Blumen sind für die durchgehende Nektarversorgung der Insekten von elementarer Bedeutung. Daher sind spät gemähte Wiesen ein wichtiger Bestandteil im Blütenrestaurant für Schmetterlinge und andere Nektar saugende Kleintiere, sagt Jost Einstein, der Leiter des Nabu-Naturschutzzentrums Federsee.

Erst gegen Ende des Sommers blüht ein besonders aparter Spätzünder unter den Blumen: der Teufels-Abbiss. Seine hellvioletten kugeligen Köpfchen leuchten auf der für Besucher frei gehaltenen Lichtung im Banngebiet Staudacher. „Die Anordnung vieler kleiner Einzelblüten zu einem Köpfchen ist ein Trick dieser Pflanze, um für potenzielle Bestäuber größer und damit lohnenswerter zu erscheinen“, verrät Jost Einstein.

Den Teufel geärgert

Wie viele Feuchtwiesenpflanzen ist auch der Teufelsabbiss eine alte Heilpflanze – bereits im Mittelalter nutzten die Menschen seine Heilkraft bei Epilepsie und Pest. Der Name rührt vom eigentümlichen Aussehen der Wurzel: Der Teufel soll sich, so glaubte man, über diese nützliche Heilpflanze so geärgert haben, dass er ihre Wurzel abbiss, um sie zu zerstören. Tatsächlich stirbt der Wurzelstock von unter her ab und sieht daher wie abgebissen aus.

Aufgrund der tiefgründigen Entwässerung der meisten Moore des Voralpenlandes seien laut Einstein viele Feuchtwiesenpflanzen mittlerweile selten geworden. „So ist das Preußische Laserkraut, ein erst im August aufblühendes Doldengewächs, auf der Roten Liste Baden-Württembergs als stark gefährdet gelistet. Ehemals häufig, ist es heute eine Kennart des schützenswerten pflanzensoziologischen Verbands der Pfeifengraswiesen.“ Nur an einer einzigen Stelle am nördlichen Rand des Naturschutzgebiets Federsee ist es nachgewiesen.

Damit die Spätzünder unter den Pflanzen überhaupt zur Blüte kommen können, werden im Federseemoor im Rahmen eines ausgeklügelten Mahdregimes einzelne Parzellen erst im Herbst gemäht. Eingestreute nicht gemähte Streifen bieten darüber hinaus Samen fressenden Vögeln ein winterliches Nahrungsreservoir. Jährlich fließen mehr als 300 000 Euro Naturschutzgelder in eine naturschonende Wiesenbewirtschaftung am Federsee.

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