„So alloi wie en Stoi“

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 Das Trio Mundart interpretierte Dylan auf seine Art (von links): Dr. Peter Barth mit Bass, Orgel und Gesang, Werner Krug mit Ge
Das Trio Mundart interpretierte Dylan auf seine Art (von links): Dr. Peter Barth mit Bass, Orgel und Gesang, Werner Krug mit Gesang und Gitarren (Gesamtkonzept), sowie Roland Boehm mit Gitarren, Gesang und Mundharmonika. (Foto: Laetitia Barnick)
Laetitia Barnick

Das Biberacher Folkrock-Trio Mundart glänzte am Sonntag in Bad Buchau mit einer Hommage an den großen Bob Dylan.

Mit einer einzigartigen Idee, nämlich schwäbisierten Bob-Dylan-Welthits, hat sich das Gitarrentrio Mundart im nahezu ausverkauften Goldenen Saal der Kurklinik beinahe selbst übertroffen. „Soll ich weiterschwätzen oder machen wir Musik?“, sinnierte anfangs Gitarrist und Leadsänger Werner Krug und bereicherte später teils tiefsinnig, teils heiter den Abend mit so manchen eher unbekannten Details aus dem Leben Bob Dylans.

Natürlich spielte zu Beginn die Band gleich jene beiden Songs, die man sofort im Ohr hat, wenn man den Namen Bob Dylan hört: „Mr. Tambourine Man“ und „Blowin' in the Wind“. Und die Zuhörer lauschen vom ersten Moment an wie gebannt den virtuos und facettenreich gespielten Songs, die Werner Krug, Dr. Peter Barth (Bass, Gesang, Keyboard) und Roland Boehm (Gitarre, Gesang, Mundharmonika) auf ihre ganz eigene Weise interpretieren. In diesem Zusammenhang erzählt Werner Krug auch von dem Problem Bob Dylans, dass so mancher Interpret seiner Kompositionen größeren Erfolg damit hatte als er selbst, wie die Byrds mit „Mr. Tambourine Man“ oder Jimi Hendrix mit „All along the Watchtower“.

Angeregt durch die wienerische Dylan-Lyrik von Wolfgang Ambros versuchte sich das Trio bereits vor einiger Zeit mit schwäbischen Texten, die die Vollblutmusiker authentisch und kreativ in die berühmten Lieder einfließen lassen. Dabei zeichnen sich die Arrangements durch eben jene melancholische Leichtigkeit aus, aus der – auch ein schwäbischer - Ohrwurm gestrickt sein mag, wie bei „Knocking on heavens door“: „Mama, vernicht' all' meine Waffa, mit dene will i nie mehr schießa...“.

Mit welch überschäumender Kreativität Bob Dylan seine Songs allerdings selbst komponierte, lässt sich auch durch das Zitat eines Kritikers der Times nur erahnen: „Kein Zweifel, dass dieser Musiker vor Talent aus allen Nähten platzt!“ So entstanden unzählige legendäre Kompositionen, von denen die meisten zu Welthits wurden: „Er schrieb abends fünf bis sechs Lieder und hat sie schon am anderen Tag vorgetragen“, berichtet Krug. In diesem Zusammenhang erinnert Krug auch an Joan Baez, an Suze Rotolo, Dylans Frau Sara und andere Frauen wie Mary von „Peter, Paul and Mary“ und schafft so mit seinen Erzählungen immer wieder nahtlose Übergänge zum Spiel.

Mit präzisen Folk-Rhythmen und klangreichem Sound überzeugen die Musiker, indem sie die typisch melancholischen Kompositionen genial ins Schwäbische transformiert haben, wie in „It's all over now, Baby Blue“: „D'r Lover, der grad eba ganga isch, hot vorher alle deine Teppich stibitzt. Ond d'r Boda under dir geht auf und zua. Ond alles isch vorbei, Baby Blue.“

Nicht sehr gesprächig war Dylan – so Werner Krug – wenn es um seine Herkunft geht, und er erzählt von den Jahren des beginnenden Ruhms und Kontakten mit Größen aus dem Musik-Business in New York und von Dylans Verehrung für Woody Guthrie und John Lee Hooker.“ Mit diesen Größen zusammenzuspielen, bedeutete dann auch die ersten maßgeblichen Karriereschritte: „Es gab ja noch lange nicht diese Infrastruktur wie heute und natürlich kein World-Wide-Web.“ Dennoch stieg Dylans musikalischer Ruhm kometenhaft – „wie ein Hero“, so die Times – auf und hielt sich bis heute. „Bob Dylan hat sie alle überlebt“, erinnert Krug an den Mythos der bereits mit 27 Jahren verstorbenen Rockstars wie Jimi Hendrix, Janis Joplin, Jim Morrison und Kurt Cobain – und:„Keiner ist so erfolgreich gescheitert wie er!“

Mit ihrem anspruchsvollen Equipment – zwölfsaitige Gitarren und sogar eine seltene Ovation-Westerngitarre – spielte das Folkrock-Trio noch viele Stücke der Musiker-Legende, die als einziger Rockmusiker jemals den Literatur-Nobelpreis erhielt. Tief berührt war das Publikum bei Songs wie „Like a Rolling Stone“: „Sag, wia fühlsch de drbei? Jo, wia fühlsch de drbei? So zwischa ois ond zwoi, so ganz ond gar alloi, so alloi wie en Stoi!“ Und es genoss bei einer Zugabe und im Schein der Abendsonne nochmals die unverwechselbare Musikalität und großartige Poesie dieser Band, die für den Herbst ein neues Programm in Planung hat – natürlich auch mit weiteren Songs von Bob Dylan.

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