Saukomisch und schwäbisch

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Mechtild Kniele

Ihr 300-jähriges Jubiläum feiert die Schwäbische Zeitung Riedlingen das ganze Jahr über und in diesem Rahmen sind „Dui do ond de Sell“ in Bad Buchau aufgetreten. Schon im Winter angekündigt, war die Vorstellung rasch ausverkauft und die rund 500 Zuschauer im Kursaal in Bad Buchau haben am Samstagabend über zwei Stunden lang den Witzen und Geschichten der schwäbischen Mundartgruppe begeistert zugehört. Aus dem Leben gegriffen ist alles, wenn Petra Binder und Doris Reichenauer über ihre Männer lamentieren, über ihre erwachsenen Kinder (UFOs – unheimlich faule Objekte), die noch nicht ausziehen wollen, jammern, und den Dorftratsch des „Flecka“ analysieren, bleiben Lacher, Schmunzeln und Zwischenapplaus nicht aus.

„Reg mi net uf“ heißt das Programm und das bedeutet im Umkehrschluss, dass sich die beiden Frauen natürlich aufregen und wie: Die Männer sind in Altersteilzeit, was Petras Gerhard dazu verleitet, einfach gar nichts mehr zu tun als Sport zu gucken, und seine Angetraute muss sich ihm durch zahlreiche „Bäbberle“ (Klebezettel) mitteilen. Ganz andere Erfahrungen mach Doris: ihr Mann organisiert den Haushalt neu, wuselt ständig mit dem Staubsauger durch die Gegend, macht die Wäsche und kauft nur noch Sonderangebote („Bioklopapier – schont die Umwelt, kratzt am Arsch“) mit Hilfe von Werbeprospekten und einer besonderen App. Das Schlimmste daran ist, dass der Mann jetzt „den ganzen Tag hier wohnt“, und die Frauen ein Anti-Agressionstraining belegt mussten. So strickt Petra Schals von endlosen Längen und Doris bläst ständig Luftballone auf oder fuchtelt mit diversen Gegenständen herum. Auf die ehrliche Frage „Was reizt dich nach 30 Jahren Ehe?“ lautet die offene Antwort: „Jedes Wort!“

Shoppen und Frühshoppen

Männer ticken einfach anders als Frauen und dafür finden beide reichlich Beispiele: „Shoppen“ mögen Männer nur als „Frühshoppen“, Krankheiten wie eine ausgewachsene Männergrippe, die bei Alleinstehenden übrigens nicht auftritt, denn „sie braucht Publikum“ und natürlich eine veränderte Einstellung zur Erotik mit zunehmenden Alter: Er streichelt den gesamten Körper seiner Frau nachts und reagiert auf deren zunehmende Erregung mit „Schon gut, ich hab die Fernbedienung g’funda!“ Sie schauen zwar nach anderen Frauen, was gelassen zur Kenntnis genommen wird: „Des was der bei dera sieht, muss i ihm scho ed zoiga.“ Eifersucht wird auch zum Fremdwort, denn „Wenn dr Vogel he isch, kasch dr Käfig offen lassa!“

Doch nicht nur die Männer nehmen die beiden Kabarettistinnen auf den Arm, sondern auch sich selbst. Gewichtsprobleme werden thematisiert (von der Wespentaille zur Hummelhüfte), der Busen hängt nicht, sondern „der chillt“ und es wird dagegen angegangen mit Sport („I war gestern eine Stunde auf dem Laufband ond morga schalt ich’s ein“) und Ernährungsumstellung: „Ich hab umgestellt, meine Keks sind jetzt in der Küche statt im Wohnzimmer!“

Beide haben eine strenge Erziehung genossen – Petras Name war vermeintlich „Desdarfschdunet“ und Doris meinte, sie heiße „Fingerweg“. Dennoch war es früher schön, ohne Handy und Internet, während man heute „koi Kend mehr im Wald aussetza kann, des findet wieder hoim!“

Vergnüglicher Abend

Viel Charme versprüht das Duo, gut eingespielt sind sie und ihr zweistündiges Programm ist charmant vorgetragen, spritzig und rasant. Ihnen fallen immer wieder neue Gags ein und selbst alte Witze werden in neuer origineller Verpackung geliefert. Dem Publikum in Bad Buchau – die Zuhörer kamen aus dem großem Verbreitungsgebiet der Schwäbischen Zeitung – hat es richtig gut gefallen und die Organisatorinnen haben mit einem Glas Jubiläumssekt als Begrüßung ebenfalls zu einem vergnüglichen Abend beigetragen.

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