Sandy Einstein erkundet seine Wurzeln

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Sandy Einstein (von links) spürte mit seiner Frau Hiromi, mit Charlotte Mayenberger, Ulrike Bolter, Gaby Bayer und Anton Brehm i
Sandy Einstein (von links) spürte mit seiner Frau Hiromi, mit Charlotte Mayenberger, Ulrike Bolter, Gaby Bayer und Anton Brehm in Bad Buchau seinen Wurzeln nach. (Foto: Arbeitskreis Juden in Buchau)
Schwäbische Zeitung

Einen besonderen Besuch haben die Mitglieder des Arbeitskreises „Juden in Buchau“ einmal mehr im Gedenkraum begrüßen dürfen: Sandy Einstein aus Walnut Creek in den USA besuchte zusammen mit seiner Frau Hiromi die Geburtsstadt seines Vaters Hermann Einstein.

Hermann Einstein wurde 1902 in Buchau geboren, besuchte hier die Realschule und ging dann auf das Lehrerseminar in Esslingen. Neben seinem Studium zum Lehrer absolvierte er auch eine Ausbildung zum Kantor. Im Februar 1933 wählten die Mitglieder des Turnvereins Hermann Einstein mit großer Mehrheit zum Vorstand, doch schon im April musste er sein Amt abgeben und aus dem Verein ausscheiden. Während des Dritten Reichs unterrichtete er an der jüdischen Schule in Buchau. Am 17. Januar 1938 ist er mit Hilfe von Carl Laemmle, dem Laupheimer Hollywood-Pionier, nach Amerika ausgewandert. Da er am Anfang keine Unterkunft hatte, durfte er 19 Monate bei Lämmle und dessen Familie in Beverly Hills in Los Angeles wohnen. Als Lämmle 1939 starb, gehörte Hermann Einstein zu den Sargträgern bei der Beerdigung.

1972 ist Hermann Einstein in Los Angeles gestorben. Sandy Einstein war damals ein junger Mann und interessierte sich noch nicht sehr für die Vergangenheit seiner Familie. Als er 37 Jahre alt war, starb auch seine Mutter. Sie hinterließ ihm eine Kiste mit Finanzunterlagen und rund 40 handschriftliche, deutschsprachige Briefe seines Vaters Hermann.

Erst viele Jahre später beschloss Sandy Einstein die Unterlagen genauer zu sichten, um mehr über seine Vorfahren herauszufinden. In der Kiste fand er einen Brief, den Hermann Einstein an den Hollywoodproduzenten Carl Lämmle geschrieben hatte. Daraus erfuhr er, dass Carl Lämmle seinem Vater zusagte, zu ihm nach Amerika zu kommen. Nun wollte der Sohn mehr erfahren und fand im Internet einen Aufsatz von Udo Bayer aus Laupheim mit dem Titel „Lämmles Liste“. Carl Lämmle hatte im Dritten Reich viele Bürgschaften für deutsche Juden übernommen, damit sie nach Amerika auswandern konnten.

Mit der Verbindung zu Udo Bayer entstand auch der erste Kontakt nach Bad Buchau. 2013 besuchte Sandy Einstein das erste Mal Charlotte Mayenberger. Es folgten E-Mails und Sandy Einstein stiftete auch den Tallit, den Gebetsmantel, seines Vaters für den Gedenkraum „Juden in Buchau“.

Nun ist er mit seiner Frau erneut nach Bad Buchau gekommen. Nach dem Besuch des Gedenkraums ging es bei einer Stadtführung vorbei am ehemaligen Wohnhaus, der Schule, dem Platz der Synagoge, in der Hermann Einstein als Kantor wirkte und zum Schluss stand der Gang auf den Friedhof auf dem Programm.

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