Braucht Bad Buchau eine offene Kinder- und Jugendarbeit? Diese Frage beantwortet die Buchauer Schulsozialarbeiterin Franziska Rist mit einem klaren „Ja“. Die Stiftung „Haus Nazareth“, Träger der Schulsozialarbeit in Bad Buchau, hat der Stadt nun ein Rahmenkonzept vorgelegt. „Viel Material zum Nachdenken“, urteilte Bürgermeister Peter Diesch nach der Vorstellung im Gemeinderat. Welche Antwort das Gremium auf diese Frage findet, soll aber erst zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden.

Berater und Problemlöser, Couch und Kümmerer, Freizeitpartner und Lobbyist für Kinder und Jugendliche: offene Kinder- und Jugendarbeit kann viele Rollen annehmen. Insgesamt gehe es darum, junge Menschen in ihrer Entwicklung und Erziehung zu fördern, erklärte André Poußet, stellvertretender Direktor der Stiftung „Haus Nazareth“, am Montagabend im Bad Buchauer Gemeinderat.

Das „Haus Nazareth“ hat der Stadt nun ein Rahmenkonzept vorgelegt, wie eine solche offene Kinder- und Jugendarbeit in Bad Buchau aussehen könnte. Inhaltlich müsse das Konzept freilich noch mit Leben gefüllt werden, so Poußet, der dafür eine Bedarfsanalyse vorschlägt. Auch die Kinder und Jugendlichen selbst sollen ihre Interessen einbringen können. Denn das „Haus Nazareth“ könne zwar auf ihre Erfahrungen ähnlicher Angebote etwa in Riedlingen, Aulendorf, Bad Saulgau und Bad Schussenried zurückgreifen, so Poußet, schränkt aber ein: „Jedes Gemeinwesen benötigt eine eigenständige Konzeption.“

Grundsätzlich setzt Poußet die offene Kinder- und Jugendarbeit aus drei Bausteinen zusammen: Ein Jugendhaus oder Jugendtreff soll den jungen Leuten ein Raum für Begegnungen schaffen. Außerhalb der regulären Öffnungszeiten könnten etwa in Zusammenarbeit mit Vereinen verschiedene Kurse oder spezielle Angebote zur Prävention oder für bestimmte Zielgruppen stattfinden, schlägt Poußet vor. Vor allem Mädchen und Kinder unter elf Jahren wolle man gezielter ansprechen, um für eine gute Durchmischung des Jugendhauses zu sorgen.

„Übersetzer“ der Jugendlichen

Darüber hinaus möchte das „Haus Nazareth“ weitere Freizeitangebote schaffen. Das können Kanu- oder Hüttenfreizeiten in den Schulferien und an Wochenenden sein, Beiträge im Sommerferienprogramm der Stadt oder Veranstaltungen in Kooperation mit der Schulsozialarbeit oder anderen Bereichen des „Haus Nazareth“. Und auch bei der Gemeinwesenarbeit – dem dritten Baustein – wolle man eng mit Vereinen, Verbänden, sozialpädagogischen Einrichtungen und Integrationsprojekten zusammenarbeiten. Dabei gelte es auch, in politischen Gremien und im Stadtleben als Vermittler, Unterstützer und „Übersetzer“ der Jugendlichen zu agieren.

Bei der Vielfalt der Aufgaben stelle die Schaffung einer 50-Prozent-Stelle ein absolutes Minimum dar. „Jugendarbeit läuft über ein Beziehungsangebot“, argumentierte Poußet. Und dies bedeute, auch präsent zu sein. Auch sollte die Stelle auf mindestens drei Jahre befristet sein: „Es dauert etwas, bis so ein Angebot anläuft.“ In Bad Schussenried sei bereits ein Sozialpädagoge zu 100 Prozent in er offenen Jugendarbeit beschäftigt, Aulendorf möchte die vorhandene 75-Prozent-Stelle aufstocken, antwortete Poußet auf die Frage Angelika Lipkes. Insgesamt geht das „Haus Nazareth“ für Bad Buchau von Personalkosten in Höhe von 30000 Euro aus.

Wie groß der Bedarf an einem solchen Angebot sei, wollte Sebastian Sandmaier von der ebenfalls anwesenden Schulsozialarbeiterin Franziska Rist wissen. Der Bedarf sei da, bescheinigte Rist, besonders unter den jungen Flüchtlingen, die gerne einen Jugendtreff besuchen würden, um Anschluss zu finden. Insgesamt schien das Konzept unter den Räten Anklang zu finden. Michael Wissussek lobte den konzeptionellen Ansatz: „Ein solches Angebot gehört auch zur sozialen Entwicklung in Bad Buchau.“

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