„Räuber 2.0“ – moderner, weiblicher und weniger blutig

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Gesangssolistin Emma Huckle spielte nicht Franz, sondern Francesca von Moor – gegenüber dem Original eine weibliche Rolle.
Gesangssolistin Emma Huckle spielte nicht Franz, sondern Francesca von Moor – gegenüber dem Original eine weibliche Rolle. (Foto: Progymnasium)
Schwäbische Zeitung

Friedrich Schillers „Die Räuber“ ist ein Klassiker und gehört noch immer zum Kanon der im Deutschunterricht gelesenen Dramen. Der Stoff bietet jedoch auch zahlreiche Inhalte, die noch immer aktuell sind: Rivalität unter Geschwistern, komplizierte Beziehungen und die Versuchung, Probleme mit nicht legalen Mitteln zu lösen. Mit der Premiere des Stücks „Die Räuber 2.0“ im Bischof-Sproll-Haus hat die neugegründete Projekt-AG des Progymnasiums Bad Buchau unter der Gesamtleitung von Ute Dorn, Bianca Leutz und Irene Merkle nun ein modernes Stück aufgeführt, das Theaterszenen, Musikeinlagen der Band und Gesangsstücke vor einer ansprechenden Kulisse verband.

Ganz im Sinne des Klassikers steht die Rivalität der beiden Geschwister Francesca (Emma Huckle) und Karl von Moor (Jacob Schmid) im Vordergrund, deren Vater Maximilian von Moor (Elias Huber) Schwierigkeiten hat, seine Kinder gerecht zu behandeln. Immer wieder eingestreute Originalzitate ließen Schillers klangvolle Sprache hörbar werden. Mit Amalia von Edelreich (Amelie Müller) und ihren Freundinnen wurden die weiblichen Rollen im Vergleich zur Vorlage aufgewertet . Sie bereicherten das Stück mit vielen Gesangsstücken als Solistinnen (Paulina Müller, Leonie Schwegler, Amelie Ruf, Emma Hecht, Tamara Widder, Ivana Petrovic) oder im Ensemble.

Auch widmen sich die modernen Räuber mit dem Tunichtgut Moritz Spiegelberg (Andreas Hildenbrand) dem Betrug im Internet und nicht den klassischen Raubüberfällen – und zeigen am Ende, dass man Konflikte durch Gesprächsbereitschaft und Zusammenhalt auch unblutig lösen kann.

Seit dem Schuljahr 2018/2019 besteht für die Schüler des Progymnasiums ab Klasse 7 die Möglichkeit, sich an der musischen Arbeitsgemeinschaft zu beteiligen. Diese AG ersetzt das Musical-Projekt, das bisher für die Klassen 9 verpflichtend und nur dieser Klassenstufe vorbehalten war. Das Besondere am neuen Konzept ist, dass die Mitwirkenden den Schwerpunkt ihrer Arbeit selbst wählen können: Gesang, Orchester, Textarbeit, Schauspiel oder Bühnenbau bieten je nach Neigung viele Möglichkeiten, seine Talente, Interessen und Begabungen auszuleben. Pädagogisch bedeutsam ist dabei, dass viele Schüler in der Planungs- und Entwicklungsphase auch für ein anderes als das ursprünglich gewählte Gebiet Interesse zeigen und somit neue, ungeahnte Talente in sich entdecken. Die neu hinzugewonnenen Erfahrungen in allen Bereichen können im kommenden Jahr wieder angewandt werden, wodurch bei musisch interessierten Schülern über die Jahre hinweg ein enormer Zuwachs an Erfahrung in den verschiedenen Bereichen entstehen kann. Neben der Persönlichkeitsentwicklung, welche die eigene Präsenz auf der Bühne mit sich bringt, soll das Projekt einen Baustein zur Vorbereitung auf Musik als Leistungsfach oder das Fach Literatur und Theater in der Oberstufe bieten. Auch das Gemeinschaftsgefühl der Schule wächst durch die AG: Die gemeinsame Arbeit am Stück bringt Teilnehmer aus unterschiedlichen Klassenstufen zusammen und erfordert ein hohes Maß an Zusammenarbeit und Organisation.

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