Panflöte passt zu vielen Stilrichtungen

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Wolfgang Ernst (Panflöte) und Johanna Ernst am Klavier gestalteten als „Panmagic“ein vielseitiges Frühlingskonzert in der Evang
Wolfgang Ernst (Panflöte) und Johanna Ernst am Klavier gestalteten als „Panmagic“ein vielseitiges Frühlingskonzert in der Evangelischen Kirche Bad Buchau. (Foto: Kurt Zieger)
Schwäbische Zeitung
Kurt Zieger

Die Intimität der evangelischen Kirche Bad Buchau hat den stimmigen Rahmen geboten, um die klangliche Schönheit der Panflöte in all ihrer Verschiedenartigkeit erstrahlen zu lassen. Zusammen mit seiner Tochter Johanna am Klavier zeigte sich Wolfgang Ernst als souveräner Könner an der Panflöte, die ihm seit Jahren ans Herz gewachsen ist.

Für viele der Zuhörer des sehr gut besuchten Konzerts war es erstaunlich, dass die Panflöte vielen gut bekannten Titeln aus ganz verschiedenen Stilrichtungen spezielle Schönheiten in der klanglichen Gestaltung entlocken kann. Ernst stellte dazu die ganze Panflötenfamilie von der Sopran- bis zur Bassflöte vor, deren Tonumfang erstaunlich und deren Klangmalerei verblüffend ist.

Ruhe und Innerlichkeit

Mit einem Thema aus Händels Feuerwerksmusik gestaltete Wolfgang Ernst im Zwiegespräch mit seiner Tochter Johanna Ernst am Klavier den klingenden Einzug in die Kirche. Über akkordlicher Basis des Klaviers offerierte der Flötist in vielen Einzeltönen, die sich zu der bekannten Melodie formten, den ganzen Klangraum seines Instruments. Dies galt auch für den Vogelfänger aus Mozarts „Zauberflöte“, der seinem Streben mit virtuosen Passagen einen ganz eigenen Reiz verlieh. Damit, so Ernst als Moderator, wolle er zeigen, dass auch klassische Musik auf der Panflöte spielbar sei und durch ihren speziellen Tonklang in ganz eigenen Schattierungen erklingen kann. Dies wurde spürbar auch bei Schuberts „Ave Maria“. Besonders die weiche Tongebung erzeugte Ruhe und Innerlichkeit beim Zuhören und Genießen.

In „Kiss the rain“ als erstem Klaviersolo von Johanna Ernst schwebten heiter perlende Passagen in frühlingshaften Höhen über einer dezenten Begleitung oft aus gebrochenenen Akkorden. Feinsinnig verklingend, gingen sie eine harmonisch gestaltete Verbindung ein.

Die Panflöte sei eigentlich aus einer Liebesgeschichte der griechischen Mythologie heraus entstanden, erzählte Ernst zwischen seinen vorgestellten Kompositionen. Hirtengott Pan, eine hübsche Nymphe und ein abgeknicktes verwandeltes Schilfrohr, auf dem man erstaunlicherweise spielen konnte, gehören zu den Kernzellen dieser ergötzlichen Geschichte. Dies belegte der Flötist mit einer Ballade von Georgi Gürov, die über organisch mitgestaltender Klavierbegleitung mit weitem Atem große melodische Sequenzen entfaltete. Dies gilt auch für drei Szenen aus der Suite „Weites Land“ von Christoph Heptner. Heiter beschwingt, auf tänzerischer Basis oder in erzählendem Gang im Einklang zwischen Flöte und Klavier beschreibend oder leichtfüßig mit putzigen Einzeltönen über einer belebenden Melodie – dies vermochte Ernst seiner Meisterschaft auf der Panflöte zu unterstreichen, wobei ihm die Klarheit vieler Halbtöne besonders wichtig erschienen.

Ernst musiziert auf der ganzen Panflötenfamilie von der dezenten hell schimmernden Sopran- bis zur großen Bassflöte mit ihren warmen Tonfolgen. Er bevorzugt die geschwungene rumänische Bauart aus Bambusholz und setzt dies um etwa in „La-La“ von Claudio Riffero. Der träumerische Beginn entwickelt sich in melodisch hohe Regionen auch als reizenden Gegensatz zwischen Tonfolgen der Flöte in großen Bogen und perlenden Passagen im Klavier.

Nach „River lows“ eines japanischen Komponisten als weiterem Klaviersolo von Johanna Ernst mit herrlich fließenden Sequenzen weitete Wolfgang Ernst sein musikalisches Spektrum mit vier Melodien aus Musicals von Andrew Lloyd Webber. Die Zuhörer sollten erraten, ob sie „Memory“ aus „Cats“, „Das Phantom der Oper“, den „Starlight Express“ oder den Gruß aus Argentinia erkannten. Auch „Chiquitita“ aus den Abba-Songs passt ebenso zur Panflöte wie ein Evergreen von Simon and Garfunkel oder das „Amacing grace“ aus Schottland in seiner unvergänglichen Schönheit.

Bei einem Konzert in der Royal Albert Hall in London mit James Last wurde Ernst klar, dass die Panflöte als eigentlich typisches Zigeunerinstrument mit Rumäniens Folklore, ihren anregenden und begeisternden Melodien und ihrem mitreißenden Rhythmus unverwechselbar verwurzelt ist. So rundete er das Frühlingskonzert mit einem rumänischen Tanz, bei dessen eingängiger Melodie sich auch bei steigendem Tempo die Zuhörer gerne mit einbinden ließen. Als Dank für den reichen Beifall ließ der Meister der Panflöte den „Einsamen Hirten“ als Solo-Zugabe mit seinen einfühlsamen Tonfolgen in den Kirchenraum entschweben.

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