Orte der Trauer mahnen zu Verständigung und Frieden

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Jannes Zell und Maurice Schmid erinnerten an die Toten zweier Weltkriege.
Jannes Zell und Maurice Schmid erinnerten an die Toten zweier Weltkriege. (Foto: KLAUS WEISS)
Klaus Weiss

Am Volkstrauertag wurde auch in Bad Buchau mit einer schlichten Gedenkstunde am Ehrendenkmal bei der Stiftskirche an die Opfer der Kriege und Gewaltherrschaft gedacht. Am Ehrenmal für die Gefallenen wurden Kränze niedergelegt.

Die Stadtkapelle Bad Buchau eröffnet mit dem Opferlied „Die Flamme lodert“ die Gedenkfeier, an der auch eine Abordnung des VDK-Ortsgruppe Bad Buchau, die Schulleitungen der Buchauer Schulen sowie Schüler des Progymnasiums, Bürgermeister Peter Diesch nebst einigen Stadträten und den beiden Pfarrern Martin Dörflinger und Markus Lutz teilgenommen haben.

Bürgermeister Peter Diesch erinnerte in seiner Ansprache daran dass gerade heute, wo rechte Kräfte wie die AfD die dunklen Seiten der Deutschen Geschichte nur allzu gerne relativieren wollen, sei es wichtig sich zu erinnern. Nur wer sich erinnert, kann aus der Vergangenheit lernen, um eine bessere Zukunft zu gestalten. In diesem Jahr, so Diesch, blicken wir besonders auf unser Nachbarland Polen Das polnische Leid war unvorstellbar. Die Polen wurden in der Nazi-Rassenideologie als minderwertige Rasse betrachtet. Sie sollten als Sklavenvolk gehalten und ihr Land als Lebensraum für Deutsche genutzt werden. Gleich nach dem Überfall wurde begonnen, tausende Angehörige der polnischen Eliten systematisch umzubringen. Die Deutschen führten eine Schreckensherrschaft voller Willkür, Terror und Gewalt über das polnische Volk. Vertreibungen, Plünderungen, Massaker, Verschleppung von Zwangsarbeitern und hemmungslose materielle Ausbeutung waren allgegenwärtig. Die jüdische Bevölkerung Polens wurde in Ghettos zusammengetrieben und später dann nahezu vollständig ausgelöscht. Deshalb müssten wir uns der Frage nach angemessenen Formen des Erinnerns und Gedenkens immer wieder neu stellen. Nur indem wir uns auch den Erinnerungen unserer Nachbarn öffnen, wirklich zuhören und zum Lernen bereit sind, kann unser eigenes Geschichtsbild angemessener werden.

Zwei Schüler des Progymnasiums (Jannes Zell und Maurice Schmid) erinnerten mit „Dahin sind alle Träume“, dass die Materialschlachten im Ersten Weltkrieg nicht nur mit Munitionsmassen, sondern in erster Linie mit Menschen geführt wurden. Gedanken der Frontsoldaten, in Feldpostbriefen niedergeschrieben, gehören zu den wichtigsten und erschütterndsten Quellen des ersten Weltkrieges.

Das zeigte auch ein Feldpostbrief des 20-jährigen Paul Boelicke, der bei der Schlacht um Verdun gefallen ist. Wenn ein Soldat morgens aus einem Granatloch gekrochen kam, sah er nur, wie der Tod gewütet hatte. Der Mensch wurde zum Wurm und suchte sich das tiefste Loch. 17 Millionen Tote des Ersten Weltkrieges und 55 Millionen Tote des Zweiten Weltkrieges seien das furchtbare Ergebnis von Nationalismus, Diktatur und Völkermord. Die Kriegsgräber und und Gedenkstätten für die Toten und Vermissten seien Orte der Trauer und Erinnerung. Sie mahnen uns zu Verständigung, Versöhnung und Frieden.

Pfarrer Markus Lutz verlas danach die Worte des Gedenkens mit dem „Anstoß zum Frieden“ und Pfarrer Martin Dörflinger die Fürbitten und das Gebet für die Opfer. Mit der Kranzniederlegung am Ehrenmal und einem gemeinsamen „Vater unser“ sowie dem Schlusslied „Ich hatt’ einen Kameraden“ der Stadtkapelle klang die Gedenkfeier aus.

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