„Nicht mehr nur die Feuerwehr“

Lesedauer: 5 Min
 Franziska Rist
Franziska Rist (Foto: privat)

Mitte vergangenen Jahres hat der Bad Buchauer Gemeinderat die Aufstockung der Schulsozialarbeit beschlossen, von einer 75-Prozent- zu einer Vollzeitstelle. Erste Erfolge, so Schulsozialarbeiterin Franziska Rist am Dienstagabend im Gemeinderat, zeigten sich schon jetzt: „Die Schulsozialarbeit ist jetzt nicht mehr nur Feuerwehr.“

Steigende Schülerzahlen, der Ausbau zur Ganztagsschule, ein wachsender Bedarf und auch eine wachsende Belastung: Diese Argumente haben den Buchauer Gemeinderat vergangenen Juni überzeugt, die Schulsozialarbeit unter der Trägerschaft des Hauses Nazareth aus Sigmaringen in eine Vollzeitstelle umzuwandeln. 70 Prozent ist Franziska Rist seither an der Federseeschule tätig, die restlichen 30 Prozent setzt sie für die Schüler am Progymnasium ein. „Einzelne Prozente können nach Rücksprache mit der Schulleitung natürlich je nach Bedarf variieren“, erklärte sie am Dienstagabend im Gemeinderat.

Die längere Präsenzzeit mache sich schon jetzt bemerkbar, so Rist. Sie ermögliche etwa bei der Einzelfallhilfe, intensiver und auch stärker präventiv zu arbeiten. „Die Schulsozialarbeit greift viel früher ein und kann die Kinder in ihren Ressourcen stärken.“

Nach wie vor machen Beratung und Einzelfallhilfe, also die Betreuung einzelner Schüler, die Kerntätigkeit der Schulsozialarbeit aus. Der Bogen spanne sich hier von einfachen Tür- und-Angel-Gesprächen bis hin zu intensiven Hilfen über einen längeren Zeitraum hinweg. Schulische Probleme, Schwierigkeiten innerhalb der Klassengemeinschaft, familiäre Probleme, kulturelle Unterschiede und ein schwieriges Sozialverhalten sind dabei laut Rist die häufigsten Themen.

38 solcher Einzelfallhilfen hat die Schulsozialarbeiterin im vergangenen Schuljahr 2017/2018 in der Federseeschule geleistet, davon elf im Grundschulbereich. Insgesamt kam es zu 176 Schülerkontakten. Auch in diesem Bereich stiegen die Zahlen, so Rist, vor allem im Grundschulbereich mit zuletzt 27 Kontakten. Am Progymnasium sei die Zahl der Schülerkontakte mit 19 in etwa konstant geblieben.

In vier Fällen war eine intensivere Begleitung notwendig. Die Zahlen untermauern Rists Eindruck, dass sie sich bei den Schülern als konstante und vertraute Bezugsperson etabliert habe. „Ich bin jetzt seit vier Jahren hier. Die Schüler aus den weiterführenden Schulen kennen sich mich oft noch aus ihrer Grundschulzeit.“ Und das nicht nur aus Beratungsgesprächen. Kontakte ergeben sich auch durch Klassenprojekte oder einfach, indem Rist die Schüler bei Ausflügen, dem Wintersporttag oder an den Bundesjugendspielen begleitet. „Hier lernt man die Schüler nochmal in einem ganz anderen Setting kennen“, berichtete die Schulsozialarbeiterin von ihren Eindrücken. „Damit haben wir eine gute Erfahrung gemacht“, bestätigt auch Rists Vorgesetzter, Klaus Kappeler vom Haus Nazareth. So könnten sich die Schulsozialarbeiter einen „nicht problembehafteten Zugang“ zu den Schülern schaffen und „Türen aufstoßen“. Die Schüler fassten dann Vertrauen und kämen dann bei Problemen auf die Schulsozialarbeit zu.

Fokus auf die Prävention

Besser ist allerdings, wenn erst gar keine Probleme entstehen. Dazu bietet Rist verschiedene Klassenprojekte an, etwa zur Gewalt- oder Suchtprävention, dem richtigen Umgang mit Medien, als Sozialtraining oder Stärkung der Klassengemeinschaft. Dabei arbeitet die Schulsozialarbeit auch mit Partnern wie Landratsamt, Polizei oder Caritas zusammen. Der Austausch mit diesen Kooperationspartnern, außerschulische Seminare oder Gemeinwesenarbeit gehören zu den weiteren umfangreichen Aufgaben der Schulsozialarbeit, für die Rist im Gemeinderat viele Worte der Anerkennung erntete.

Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen