Nach der Schule die Welt verändern: Was eine 18-Jährige im Freiwilligendienst erlebt

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 Eine ihrer vielfältigen Aufgaben: Hannah Konrad bei der winterlichen Landschaftspflege im Wilden Ried.
Eine ihrer vielfältigen Aufgaben: Hannah Konrad bei der winterlichen Landschaftspflege im Wilden Ried. (Foto: Max Bensberg)
Schwäbische Zeitung

Nicht nur im sozialen Bereich ist es möglich, nach der Schule einen Freiwilligendienst zu leisten, sondern auch im Naturschutz. Die 18-jährige Bad Buchauerin Hannah Konrad macht seit vergangenen Herbst ein Freiwilliges Ökologisches Jahr beim Nabu-Naturschutzzentrum Federsee.

„Nach zwölf Jahren Schule hatte ich das Gefühl, dass ich jetzt erstmal Abwechslung brauche und zwischen Schule und Studium etwas komplett anderes machen möchte“, sagt Hannah Konrad.

Im Sommer 2019 hat sie am Riedlinger Kreisgymnasium das Abitur abgelegt, seit September ist sie Teil der Nabu-Crew am Federsee.

„Wichtig war mir, viel draußen zu sein. Zufällig habe ich von der Stelle im Nabu-Zentrum Federsee erfahren. Die Kombination aus körperlicher, sozialer und geistiger Herausforderung fand ich toll“, beschreibt die 18-Jährige ihre Gründe, sich für ein Freiwilliges Ökologisches Jahr beim Nabu-Zentrum in Bad Buchau zu entscheiden.

Dass der Einsatz für die Federseenatur nicht immer ein Zuckerschlecken ist, war der jungen Naturschützerin bei ihrer Bewerbung klar. Als Buchauerin kannte sie das Nabu-Zentrum, die vielfältigen Aufgaben lernt sie erst jetzt kennen.

Während des Winterhalbjahrs fällt viel körperliche Arbeit im Gelände an, wie das Freischneiden der verbuschenden Riedwiesen rund um den Federsee mit Motorsense – unerlässlich, will man nach dem Rückzug der landwirtschaftlichen Nutzung die offene Riedlandschaft für die seltenen Tiere und Pflanzen erhalten.

„Natürlich bin auch ich schon in einen halb zugewachsenen Graben gefallen. Das ist nur lustig, wenn es den Kollegen passiert. Aber da muss man durch“, lacht die junge Frau.

Es ist ein sehr vielseitiger Job, bei dem man jeden Tag weiß, dass man gebraucht wird und etwas Sinnvolles macht. 

Hannah Konrad 

Freiwilligendienst beim Nabu Federsee: Das erfordert Durchhaltevermögen und Engagement, bedeutet ab und zu kalte Füße oder Arbeit auch mal abends, wenn Fledermausexpeditionen auf dem Programm stehen.

Auf der anderen Seite lernen die jungen Menschen nicht nur viele für das Ried typische Tiere und Pflanzen kennen, sondern bekommen auch einen hautnahen Einblick in die praktische Arbeit im Naturschutz – für viele eine Entscheidungshilfe bei der Berufswahl.

Für Hannah Konrad war der Einsatz beim Nabu die Bestätigung für ihren Studienwunsch im Bereich Biologie, Ökologie und Naturschutz.

Doch nicht nur im Winterhalbjahr, auch im Sommer sind die jungen Freiwilligen wichtige Bestandteile des Nabu-Teams, wenn Gäste die Schönheit des Moors kennenlernen möchten.

„Das Arbeiten im Team zu üben, ist genauso wichtig wie Verantwortung zu übernehmen und selbstbewusstes Auftreten zu lernen“, ergänzt Konrad. Zwar wird jeder neue Freiwillige durch mehrwöchige interne und externe Schulungen auf seine Aufgaben vorbereitet und fortlaufend bei den jahreszeitlich wechselnden Anforderungen begleitet.

„Trotzdem hatte ich vor meiner ersten Führung riesigen Respekt. Doch dann ist es gar nicht so schlimm und nach einiger Übung steht man souverän vor Gruppen“, erinnert sich die junge Nabu-Mitarbeiterin.

Eine sinnvolle Aufgabe

Für Hannah und ihre Mitstreitenden Leonie, Skrollan, Max und Aaron fallen vielfältige Aufgaben an, die im Wesentlichen vom Jahresverlauf der Naturentwicklung vorgegeben werden. Im Winter steht überwiegend die Landschaftspflege auf dem Arbeitsplan, im Sommer die Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung.

Darüber hinaus lesen sie wöchentlich die etwa 140 im Ried verteilten Wasserstandspegel ab, helfen bei der Bestandsaufnahme von Tieren und Pflanzen, erledigen handwerkliche Jobs wie das Bauen eines Brutfloßes für die bedrohte Flussseeschwalbe und beraten in Naturschutzfragen.

„Es ist ein sehr vielseitiger Job, bei dem man jeden Tag weiß, dass man gebraucht wird und etwas Sinnvolles macht“, sagt Konrad. Ihr Fazit? „Das Mähen auf den Riedwiesen ist zwar schon anstrengend, man muss einigermaßen fit sein und auch mal stressige Phasen durchhalten können. Aber genau das brauche ich ja auch später im Berufsleben“, ist die junge Frau überzeugt.

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