Moorheilbad baut neues Marienheim

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Die Lösung ist gefunden. Der Bad Buchauer Gemeinderat hat sich auf einen Standort für den Neubau des Marienheims geeinigt: Auf dem Areal des Gesundheitszentrums Federsee, im Bereich der früheren Gärtnerei, soll ein modernes Pflegeheim entstehen. Die Moorheilbad gGmbH tritt als Investor auf und möchte den Neubau an die Altenheimat Eichenau gGmbH verpachten. Die ZfP-Tochter habe sich als Betreiberin des Buchauer Alten- und Pflegeheims bewährt, hieß es in der Sitzung am Dienstagabend.

„Fast mehr Besucher als Stadträte“ waren laut Bürgermeister Peter Diesch in die Schöttle-Stube gekommen, die am Dienstagabend ausnahmsweise Schauplatz der Ratssitzung war. Das Interesse an der Zukunft des Marienheims scheint groß zu sein bei den Buchauer Bürgern – und wurde vielleicht noch zusätzlich geschürt, da sich die Stadt lange Zeit mit ihren Plänen bedeckt gehalten hatte (SZ berichtete).

Handeln ist nun aber dringend geboten. Noch bis 31. August 2019 hat die Stadt Zeit, das Marienheim an die Vorgaben der 2009 erlassenen Landesheimbauverordnung anzupassen. Sie sieht unter anderem durchgehend Einzelzimmer mit bestimmten Mindestgrößen und die Einrichtung von Wohngruppen für 15 Personen mit Küche oder Hauswirtschaftsräumen vor. Unter den derzeitigen baulichen Voraussetzungen ließen sich diese Vorgaben nicht verwirklichen, so Diesch. Trotz Investitionen in der Vergangenheit sei zudem eine erneute Nachrüstung im Brandschutz notwendig, die im Altbestand nur mit einem unverhältnismäßig hohen Aufwand möglich sei.

Ein Umbau des bestehenden Marienheims scheidet für die Stadt deshalb aus finanziellen Gründen aus. Seit mehr als einem Jahr beschäftigen sich Gemeinderat und Verwaltung deshalb mit der Suche nach einem geeigneten Standort – wobei die nun bevorzugte Lösung am Dienstag erstmals öffentlich diskutiert wurde.

Bei einstimmigem Beschluss bekannte sich das Gremium dabei klar zum Moorheilbad als geeigneten Investor. Lediglich die Anzahl der vorgesehenen Pflegeplätze sorgte in der Sitzung für Diskussion. Im Beschlussvorschlag der Stadtverwaltung war keine konkrete Anzahl festgelegt worden. Klaus Schultheiß regte an, 60 Plätze vorzugeben. Diese Anzahl hatte Sozialdezernentin Petra Alger in der Pflegebedarfsplanung des Landkreises für den Federseeraum genannt. „Es kann nicht sein, dass wir zu klein planen und in ein paar Jahren an unsere Grenzen stoßen“, argumentierte Schultheiß.

Diese Plätze müssten jedoch keine reinen Pflegeplätze sein, ergänzte Michael Wissussek. Die Moorheilbad Buchau gGmbH sieht 45 statt bislang 49 Pflegeplätze und 15 Plätze für alternative Angebote wie betreutes oder pflegenahes Wohnen vor. „Nicht alle, die älter werden, werden auch kränker“, begründete der ebenfalls in der Sitzung anwesende Geschäftsführer Walter Hummler dieses Konzept, das auch mit Heimleiter Hansjörg Ebe abgestimmt sei. Bei 60 reinen Pflegeplätzen käme das Moorheilbad räumlich an seine Grenzen. „Dann müssten wir die geplante Seniorenwohnanlage sterben lassen.“

Gerade dieses Angebot erschien Stadtrat Wissussek aber als unverzichtbar. Die Vielfalt an Pflege- und Betreuungsformen sprächen klar für dieses Konzept und sei auch zeitgemäß, weil sie dem Bedarf entspricht: „Und wir haben so die Möglichkeit, therapeutische Leistungen anzubieten.“ Gerwig Müller erschien dies dennoch zu knapp kalkuliert. Laut Statistik erhöhe sich der Anteil der Über-85-Jährigen in den nächsten Jahren in Bad Buchau um 60 Personen: „Da kann mir keiner weismachen, dass wir nicht mehr Pflegeplätze brauchen.“ Angelika Lipke verwies darauf, dass sich die Strukturen auch für die Altenheimat Eichenau rechnen müsse. Die ZfP-Tochter leiste im Marienheim gute Arbeit und man sollte ihr entgegenkommen, indem man ihr auch eine ausreichende Größe zusichere. Stefan Feurle hielt die Festlegung der Pflegeplätze jedoch für Sache des Moorheilbads: „Dem Investor muss man gewisse Freiheiten lassen. Ich denke, es ist kein Ding der Unmöglichkeit, bei Bedarf zu erweitern.“

In seinem Grundsatzbeschluss bekräftigte der Gemeinderat schließlich das Konzept des Moorheilbads mit 45 Pflege- und 15 weiteren Plätzen. Zudem wurde das Ziel formuliert, mit der Altenheimat Eichenau einen Betreibervertrag abzuschließen.

Auf dem Areal des Gesundheitszentrums Federsee ist ausreichend freie Fläche vorhanden, um einen Neubau im Bereich Wuhrstraße/HausWiest/bisherige Gärtnerei zu verwirklichen. Gleichzeitig sei die Moorheilbad Buchau gGmbH derzeit dabei, sich strategisch neu auszurichten und auch weitere, ergänzende Geschäftsfelder zu erschließen. Die Verwaltung äußert sich dazu: „Aus Sicht der Geschäftsleitung könnte es ein erfolgsversprechendes Modell werden, das Klinikareal durch ein Pflegeheim einerseits und weitere ergänzende Angebote im Seniorenbereich wie beispielsweise eine betreute Senioren-Wohnanlage und/oder eine integrierte Sozialstation andererseits zu ergänzen.“ Der Standort biete damit „eine nahezu optimale Ergänzung des vorhandenen Reha-/Klinikumfelds“.

Standort Moorheilbad

Konkret sprechen für diesen Standort laut Verwaltung

die Lage: zentral, verkehrsgünstig und doch ruhig

die Struktur: Da die Stadt über Anteile am Moorheilbad Buchau verfügt, bliebe ihr Einfluss „weitestgehend erhalten“, so die Stadtverwaltung. Betreiber des Marienheims bliebe die ZfP-Tochter Altenheimat Eichenau, die sich seit 2011 auch am alten Standort bewährt habe.

die möglichen Synergien: Eine Anbindung etwa an die Energieversorgung, Großküche, Hauswirtschaft und Infrastruktur des Gesundheitszentrums ist möglich.

weitere therapeutische Möglichkeiten und medizinische Leistungsangebote für die Heimbewohner.

die Anbindung an das bestehende Ärztehaus im Kurpark, die Adelindis-Therme und künftig möglicherweise auch an die Sozialstation. Dies bedeute jedoch nicht, dass die freie Arztwahl für die Bewohner des Marienheims eingeschränkt werde, betonte Stadtrat Heinz Weiss. Es sei ja auch wünschenswert, ergänzte Angelika Lipke, wenn die Bewohner weiterhin von ihrem seit Jahrzehnten vertrauten Hausarzt behandelt werden würden.

der Umstand, dass das Schlossplatz-Areal damit für eine weitere städtebauliche Entwicklung weiterhin zur Verfügung steht. So beschränken sich die Erweiterungsmöglichkeiten für Schlossklinik und Progymnasium auf diesen Bereich.

die finanziellen Aspekte: Die Konditionen seien vorteilhaft, so die Stadtverwaltung. Finanzielle Aspekte wurden in der Sitzung indes nicht diskutiert. Sie seien zwar dem Gemeinderat bekannt, sagte Bürgermeister Diesch, könnten jedoch „aufgrund der einschlägigen Schutzrechte nicht in öffentlicher Sitzung erörtert werden“.

Nach diesem Modell tritt die Moorheilbad Buchau gGmbH als Investor auf, erstellt auf ihrem Gelände den Pflegeheim-Neubau und schließt einen Pachtvertrag mit dem Betreiber Altenheimat Eichenau GmbH ab. Voraussetzung dafür ist die Zustimmung des Aufsichtsratsgremiums der Moorheilbad gGmbH. Der Verwaltungsrat tagt dazu am 19. Juli. Ein positiver Beschluss erscheint jedoch als sehr wahrscheinlich, da auch Vertreter der Stadt Bad Buchau – die über beträchtliche Anteile am Moorheilbad verfügt – Sitz und Stimme in diesem Gremium haben.

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