Auch Geschäftsführer Walter Hummler (Mitte) scheint Spaß an den Elektro-Rollern zu haben. In einer Testwoche konnten Mitarbeite
Auch Geschäftsführer Walter Hummler (Mitte) scheint Spaß an den Elektro-Rollern zu haben. In einer Testwoche konnten Mitarbeiter des Gesundheitszentrums Federsee die platzsparenden und elektrisch betriebenen Fortbewegungsmittel testen. (Foto: Gesundheitszentrum Federsee)
Schwäbische Zeitung

Bis 2040 möchte die Hochschule Biberach zum klimaneutralen Campus werden. Bereits heute untersuchen Wissenschaftler verschiedene Möglichkeiten, dieses Ziel zu erreichen. Ein Teilprojekt ist „Move.Transfer“, das Wege einer nachhaltigen Mobilität erforscht. Die Ergebnisse daraus sollen auch Unternehmen aus der Region zur Verfügung gestellt werden – so auch dem Gesundheitszentrum Federsee. Kern des Projekts: Elektro-Roller für die Mitarbeiter.

Seit rund einem Jahr stehen den Mitgliedern der Hochschule Biberach Elektro-Roller der Flotte „HBC.Move“ zu Verfügung. Mit diesem Projekt, das Professor Alexander Floß aus dem Studiengang Energie-Ingenieurwesen ins Leben gerufen hat, testet die Hochschule zunächst, wie das Mobilitätsverhalten der eigenen Hochschulmitglieder nachhaltig verändert werden kann. Die Ergebnisse und Lösungswege sollen bewusst auch auf interessierte Unternehmen der Region übertragen werden.

Das Gesundheitszentrum Federsee begrüßt das Forschungsprojekt der Hochschule Biberach; bereits seit vielen Jahren bestehen intensive Kontakte zwischen der Klinik und dem Biberacher Studiengang Energie-Ingenieurwesen. Als zweitgrößter Arbeitgeber Bad Buchaus beschäftigt das Gesundheitszentrum rund 650 Mitarbeiter in den unterschiedlichen Bereichen der Gesundheitsbranche. Pro Jahr werden allein in den Rehakliniken mehr als 10 000 Patienten behandelt.

Das bedeutet, dass das Gesundheitszentrum in Bad Buchau Ziel für eine große Anzahl an Pendlern und Gästen ist. Laut statistischem Bundesamt pendeln täglich rund 1800 Arbeitnehmer in die Stadt. Allein rund 390 Mitarbeiter suchen ihren Arbeitsplatz mit dem eigenen Auto auf, so das Ergebnis des Projekts. Gleichzeitig ist der Parkplatzbestand in Bad Buchau begrenzt. Das Gesundheitszentrum Federsee, direkt am Naturschutzgebiet gelegen, spricht sich im Sinne der Umwelt klar für einen geringen Parkplatzverbrauch und die Vermeidung von Flächenversiegelung rund um den Gesundheitscampus aus. Dieses Ziel mit der hohen Zahl anreisender Mitarbeiter und Gäste in Einklang zu bringen, ist eine Herausforderung.

Das Projekt „Move.Transfer“ soll dem Gesundheitszentrum Federsee genau das ermöglichen. Kern des Projekts: platzsparende und elektrisch betriebene Roller. In einer Testwoche konnten Mitarbeiter die Flotte der Hochschule bereits testen und zeigten sich sehr zufrieden. Die Geschäftsführung plant verschiedene Anreize und Rahmenbedingungen zur Nutzung der Elektroroller zu schaffen. Nach dem Abschluss des Projekts möchte das Gesundheitszentrum nun kliniknah kostenfreie Abstell- und Lademöglichkeiten für Mitarbeiter schaffen. In einem Modell möchte das Unternehmen zudem seinen Mitarbeitern eine vergünstige Finanzierung ermöglichen, angelehnt an das bereits bestehende Modell des sogenannten Jobrads.

Auch für Professor Floß und seine Studierenden war die Testwoche in Bad Buchau erkenntnisreich. Die angehenden Energie-Ingenieure konnten so Daten für ihr Gesamtprojekt gewinnen. Die Studierenden Naemi Maile (22), Max Koziol (24) und Metehan Kabasakal (23) waren für die Bewerbung der Roller-Flotte unter den Mitarbeitern zuständig, ebenso wie für die Bereitstellung und den Verleih. In einer Befragung erkundigten sich die Studierenden aus dem sechsten Semester darüber hinaus über die Motivation der Tester und die Bereitschaft, auf Elektro-Mobilität zu wechseln. Auch wenn sich insgesamt wenig Mitarbeiter für die Probefahrt angemeldet haben, so ist die Begeisterung derer, die die Roller ausprobiert haben, sehr hoch: 93 Prozent der Testfahrer können sich demnach vorstellen, künftig mit einem E-Jobroller zum Gesundheitszentrum Federsee zu pendeln. „Die Fahrt macht Spaß und die Parkplatzsuche ist völlig unproblematisch“, fasst Naemi Maile das Ergebnis zusammen.

Walter Hummler, Geschäftsführer des Gesundheitszentrums Federsee, bedankt sich bei der Hochschule für die Zusammenarbeit: „Klasse ist es, dass hier ein wissenschaftliches Projekt im Bereich von Nachhaltigkeit direkt auf die Praxis übertragen wird und wir aktiv zum Umweltschutz beitragen können.“ Gerade durch die unmittelbare Lage an einem der größten Naturschutzgebiete Europas sei man sich dem Standortvorteil einer intakten Natur besonders bewusst. Auch bei der Wasserreinigung werde in der Adelindis-Therme bereits seit Jahren auf möglichst umweltverträgliche Methoden gesetzt. So werde etwa das Bewegungsbad seit 2013 mit Anolyte chlorfrei desinfiziert. Ziel des Unternehmens sei langfristig die Umstellung auf komplett chlorfreie und damit umweltverträglichere und gefahrlosere Reinigungsmethoden in allen Wasserbecken. Bessere Haut- und Augenverträglichkeiten sowie eine „geruchslose“ Badebekleidung seien erwünschte Nebeneffekte.

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