Lieder ohne Worte berühren die Zuhörer

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Verea Stei (Cello) und Martina Wolf am Flügel boten einen kammermusikalischen Genuss der Sonderklasse.
Verea Stei (Cello) und Martina Wolf am Flügel boten einen kammermusikalischen Genuss der Sonderklasse. (Foto: Kurt Zieger)
Kurt Zieger

Sehr gut besucht ist das Schlosskonzert im Goldenen Saal Bad Buchau gewesen, zu dem Verena Stei (Cello) und Martina Wolf am Flügel unter dem Leitgedanken „Lieder ohne Worte“ eingeladen hatten. Lyrische Momente und virtuose Passagen zeigten Können und Interpretationsvermögen der beiden Künstlerinnen.

Weich und melodiös, so interpretierten Verena Stei und Martina Wolf Mendelssohns „Lieder ohne Worte“ als passende Einstimmung in ihren kammermusikalischen Konzertabend. Auch voluminöse Steigerungen waren angenehm abgerundet und passten trotz aller temporeichen Passagen zum Grundthema, das sich in verströmendem Wohlklang äußerte.

„Musik drückt aus, was Worte nicht sagen können“, formulierte Stei als Einstieg zu Beethovens zwölf Variationen über das Thema „Ein Mädchen oder Weibchen“ aus Mozarts Oper „Zauberflöte“. Eine herrliche Möglichkeit, die Wolf mit sichtlichem Vergnügen nutzte, in solistischen Abschnitten ihre Hände in perlenden Läufen voll bezaubernder Leichtigkeit über die Tastatur schweben zu lassen. Stei war mit kräftigen Bogenstrichen und sattem Klang, aber auch beachtenswerter Beweglichkeit die anerkannte Mitgestalterin im bestens aufeinander eingespielten Duo. Köstlich, wie Mozarts Thema in verschiedenen Nuancen beider Instrumente als beschwingtes Hörvergnügen immer wieder aufleuchtete.

„Vocalise“ ist eigentlich ein Stück für Gesang. So war es naheliegend, dass Sergei Rachmaninow das feinsinnige Thema dem Cello anvertraut hat. Mit viel Wärme und tiefem Empfinden hauchte die Cellistin der gut singbaren Weise Leben ein. Die partnerschaftliche Mitgestaltung oblag der Pianistin zum ganzheitlich klingenden Ereignis, das in geflüstertem Pianissimo seine Abrundung erfuhr.

Bohuslav Martinu musste aus politischen Gründen nach 1930 in die USA fliehen. Von dort aus schrieb er seine Variationen über ein slowakisches Thema als Zeichen der Sehnsucht nach seiner geliebten Heimat. Mit einer Fülle ganz unterschiedlichen Klangfarben erinnert er an die Schönheit der Landschaft ebenso wie an die Lebensfreude ihrer Bewohner. Entsprechend äußerten sich die musikalischen Einheiten in Tempo und Ausdruckskraft von tänzerisch hüpfend über weitläufig beschreibend bis zu voluminös klangreich und rhythmisch präsent. Melodiöse Themen gingen auch in Doppelgriffen im Cello und gelegentlichen Dissonanzen eine Verbindung ein, so dass jede der beiden Partnerinnen ihre solistischen Fähigkeiten in bestechender Weise zum Klingen bringen konnte.

„Kol Nidrei“ von Max Bruch ist ein Gebet, das an jüdischen Feiertagen gesprochen wird. Meditative Akkorde des Klaviers verbreiten eine besinnliche Stimmung, die durch ausdrucksstarke Passagen des Cello in verschiedenen Höhenlagen verstärkt wird. Bei geschlossenen Augen verstärkte sich der Eindruck des Werks mit seinen in die Tiefe weisenden Passagen des Streichinstruments, bei denen Worte nur als störend empfunden würden.

Auch Antonin Dvoraks „Waldesruhe” beginnt mit einem melodiösen Thema im Stil eines gern gehörten Cantabile. Doch bald treten den empfindsamen Betrachtungen im Cello neben duftigen auch recht markante Passagen zur Seite, da auch eine Waldesruhe nicht immer störungsfrei ist.

Auf dieses anspruchsvoll strukturierte Hörgefüge folgten bei „L’Heure exquise” des Zeitgenossen Reynaldo Hahn ganz andere Tonfolgen. Doch gerade sie erreichten in ihrer Transparenz und liedhaften Schlichtheit das Gemüt der Zuhörer.

Glasunows „Chant du menestrel” passte genau zum Thema des Konzertabends. Das Klavier gibt kurz ein Thema vor, das vom Cello aufgenommen und vielfach variiert weitergetragen wird. Melodiös geprägte Strukturen werden mit unterschiedlichen Aspekten versehen und vereinen sich so zu einem flirrend endenden kammermusikalischen Gesamtwerk.

Niccolo Paganini hat seine Variationen über ein Thema aus Rossinis Oper „Moses in Ägypten” für Geige und Klavier geschrieben. Durch die Übertragung auf Cello erhalten sie jedoch einen ganz besonderen Reiz. Neben virtuosen Folgen durfte die Cellistin in flageolettartigen Höhen brillieren, was auch für die Zuhörer mit ungewöhnlichen Berührungsmomenten verbunden war. Die Pianistin schuf dabei mitgestaltend die verlässliche Basis. Herrlich leicht und gelöst die tänzerischen Phasen in musikalisch beschwingtem Miteinander als Gegensatz zu ungaublich virtuosen Passagen in echtem Paganini-Stil.

Stürmischen Beifall gab es schließlich für einen genussreichen Abend der Sonderklasse.

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