Kunst berühren und sich berühren lassen

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Bürgermeister Peter Diesch (links) sprach zur Ausstellungseröffnung, die teilweise im idyllischen Garten von Amanda und Dietrich
Bürgermeister Peter Diesch (links) sprach zur Ausstellungseröffnung, die teilweise im idyllischen Garten von Amanda und Dietrich Knapp in Allmannsweiler stattfindet. (Foto: Hanna Nuber)
Hanna Nuber

„Man spürt bei Amanda Knapp, dass sie die Kunst aus tiefstem Herzen liebt, durch sie erlaubt sie Einblicke in ihre Seele“: So hat Bürgermeister Peter Diesch zwischen den Kunstobjekten im Garten in die Ausstellung der Allmannsweiler Bildhauerin eingeführt. Er wies auf die sensible künstlerische und handwerkliche Ausführung und die bemerkenswerte Materialkombination hin. Als Vorsitzender des Gemeindeverwaltungsverbandes Bad Buchau sprach er in Vertretung des verhinderten Allmannsweiler Bürgermeisters Stefan Koch.

Bei der Vorstellung ihrer Werke ging die Bildhauerin auf ihren Werdegang ein, der bereits mit 15 Jahren vorgezeichnet schien, aber doch etwas dauerte. Eine Reihe von verschiedensten Umständen habe ihr erst später erlaubt, ihre künstlerische Neigung auszuleben. Sie begann 1999 eine Ausbildung bei Axel F. Otterbach in seiner Bildhauer-Atelier-Schule in Bad Waldsee und lernte dort viel über formales Verständnis. Daneben probierte sie aber auch unterschiedliche Techniken bei Workshops im In- und Ausland aus.

Ihr Lebenslauf sei geprägt von „Warten, Wachsen, Werden“ – die Existenzfrage sei bislang im Vordergrund gestanden. Jetzt habe sie endlich Zeit und Ruhe gefunden, sich intensiv und vor allem aktiv mit der Kunst auseinanderzusetzen. „Es ist meine erste Ausstellung und ich bin gespannt, was daraus wird“, so die sympathische Künstlerin zu Beginn – und die vielen Gäste staunten „was daraus geworden ist“.

Ein ewiges Werden

Die Exponate sind auf unterschiedlichen Flächen verteilt – so im Ambiente des privaten Wohnzimmers, im geschmackvollen Sommerhäusle nebenan und im Garten, mit Sicht in die idyllische Landschaft. Die Künstlerin verweist auf ein erstaunlich breitgefächertes Œuvre. Das serielle Arbeiten, eine Ausdrucksart in der modernen Kunst, zeigt sich in der ästhetischen Darstellung von Formen in individuellen Variationen. Bei der Themenvielfalt von Amanda Knapp durchaus erkennbar, insbesondere beim Spektrum „Werden“. „Ein wohl ewiges Thema – auch ich fühle mich noch im Werden.“

Bei der Materialauswahl zeigt die Bildhauerin eine enorme multiple Bandbreite: „Ich glaube, dass jedes Thema seine eigene Materialität braucht.“ So entdeckt man klassisch verarbeiteten Marmor und Muschelkalk in markanten Formen, daneben lebendige, ausdrucksstarke Holzobjekte, in Natur oder farblich gefasst. Sie arbeitet mit in Schellack-Technik poliertem Gips und schafft abstrahierte und gegenständliche Stahl- und Bronzeskulpturen. Moderne Werkstoffe wie der nanoversiegelte Dentalgips vermitteln eine besondere haptische Wahrnehmung beim Berühren. Apropos Berühren – sonst eher verpönt, hat die Künstlerin hier eine eigene Maxime: „Berühre, was Dich berührt!“

Die Ausdrucksformen der Exponate sind sehr komplex – in Symmetrie oder konzentrisch, kantig formal oder weiche, organische Formen, oft sinnlich und emotional geprägt. Vermutlich von zahlreichen Workshops beeinflusst, gibt es gegenständliche Objekte wie etwa figürliche Arbeiten aus Holz und Bronze. Insgesamt aber eher puristisch und streng auf das Wesentliche reduziert, scheint die Bildhauerin ihre subjektive Ausdrucksweise in der Abstraktion gefunden zu haben. Ihre Gedanken zur Entstehung der Werke offenbart sie auch in meditativ anmutenden Texten. Das Versprechen, wohl nicht jedes Jahr, aber vielleicht im Zwei- oder Dreijahres-Turnus auszustellen, nahmen die beeindruckte Besucherschar wohlwollend auf.

Die Ausstellung wurde, entgegen der Ankündigung, vom 3. bis einschließlich 5. Oktober verlängert. Jeweils von 14 bis19 Uhr ist die Skulpturenschau in der Eggatsweilerstraße 24 geöffnet, gerne auch nach telefonischer Anmeldung unter 07582/926518 (mobil 0151/40750961).

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