Knatsch bei den Freien Wählern: Stadtrat tritt zurück

Lesedauer: 5 Min

Der Bad Buchauer Stadtrat Elmar Bechtle legt sein Mandat mit sofortiger Wirkung nieder. Nach einer Auseinandersetzung in der Fraktion der Freien Wähler hat Bechtle im nicht-öffentlichen Teil der jüngsten Gemeinderatssitzung seinen Rücktritt erklärt. Gegenüber der „Schwäbischen Zeitung“ begründet er seine Entscheidung mit „inhaltlichen Differenzen“.

An seinem Entschluss ist wohl nichts mehr zu rütteln: Mit sofortiger Wirkung und noch vor Ablauf der Legislaturperiode verlässt Elmar Bechtle den Buchauer Ratstisch. Auch in der nächsten Gemeinderatssitzung, wenn das Gremium voraussichtlich über seinen Rücktritt abstimmen wird, wolle er nicht mehr teilnehmen, so Bechtle gegenüber der SZ. Darüber hinaus hält sich der Gastwirt und gelernte Kaufmann in der Öffentlichkeit bedeckt. Nur so viel: „Mir war dieses Amt wichtig“, betont Bechtle. Seine Entscheidung, die keine Kurzschlussreaktion gewesen sei, habe er sich nicht leicht gemacht. Mit seinem Rücktritt wolle er „ein Zeichen setzen“. Und: „Ich bin bereit, jedem, der mich persönlich anspricht, Rede und Antwort zu stehen.“ Offiziell, wohl auch gegenüber der Verwaltung, begründet er den Rücktritt mit „inhaltlichen Differenzen.“

Wohl über Jahre Frust aufgestaut

Diese Differenzen scheinen Bechtle bereits längere Zeit beschäftigt, der Frust wohl über Jahre aufgestaut zu haben. Anlass aber war laut SZ-Recherchen die Wahl der Gemeinderatsvertreter für den Architekturwettbewerb zur neuen Schlossklinik. Hier stehen den Freien Wählern zwei Sitze zu. Bereits im Vorfeld war es wohl zwischen Bechtle und der Fraktion zu Unstimmigkeiten gekommen. Neben Bechtle hatten auch Charlotte Mayenberger und Michael Wissussek Interesse an einem der Sitze angemeldet. Bechtle, der bei Besetzung für den Betriebsausschuss Federseemuseum schon einmal den Kürzeren ziehen musste, scheint daraufhin die Fraktion vor die Wahl gestellt zu haben: Entweder einer der Sitze gehe an ihn oder er trete zurück. Eine Ansage, die zumindest Teile der Fraktion als „Erpressung“ werteten.

Charlotte Mayenberger und Michael Wissussek können die Geschehnisse, von denen die SZ aus anderer Quelle erfahren hat, so bestätigen. Beide betonen aber, dass Bechtle nicht absichtlich übergangen worden sei. „Jeder Rat hat seine Expertise, seinen speziellen Bereich“, sagt Wissussek. „Es wird demokratisch abgestimmt und bestimmt, wer in welches Gremium kommt. Und wenn es mal Ungereimtheiten gibt, stimmt man demokratisch ab – fertig.“ Für ihn ergebe es Sinn, wenn er in dem Gremium die Funktion des Beisitzers übernehme, da er sich durch die Gestaltung des „Lebenszentrums am Postparks“ ohnehin stark mit architektonischen Fragen beschäftige. Wissussek vertritt zudem den Gemeinderat im Gemeindeverwaltungsverband (GVV) und im Kuratorium Marienheim.

In beiden Gremien sitzt auch Charlotte Mayenberger. Auch schlichtweg deshalb, so die Rätin, da sie in der vergangenen Wahl mit die höchste Stimmenanzahl gehabt habe. „Wenn nächstes Mal jemand anders mehr Stimmen hat, wird der drin sein.“ Für den Architekturwettbewerb habe sie in der Whatsapp-Gruppe der Freien Wähler zunächst ganz unverbindlich ihr Interesse angemeldet. Bechtle, der im GVV und und im Zweckverband Federseegruppe vertreten ist, sei es freigestanden, ebenfalls seinen Wunsch zu äußern. „Dann hätte man schon eine Lösung gefunden. Zu dem Zeitpunkt war noch alles offen.“

Räte bedauern Rücktritt

Dass Bechtle nun eine solche drastische Konsequenz gezogen hat, können beide Räte nicht ganz nachvollziehen. „Ich finde es schade, dass er aufhört“, bedauert Mayenberger. „Er war ein kritischer Stadtrat, was gut ist. Aber verstehen kann ich es nicht richtig.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen