Um die Erschließung neuer Baugebiete vorzufinanzieren, müssen einige Federseegemeinden wohl in naher Zukunft Schulden aufnehmen
Um die Erschließung neuer Baugebiete vorzufinanzieren, müssen einige Federseegemeinden wohl in naher Zukunft Schulden aufnehmen. (Foto: Armin Weigel)

Seekirch kann als einzige unter den Federseegemeinden in diesem Jahr einen schuldenfreien Haushalt vorweisen. Das geht aus der aktuellen Haushaltsprüfung des Landratsamts Biberach hervor, das als Rechtsaufsichtsbehörde die Finanzen für 43 Kommunen im Landkreis auf Herz und Nieren untersucht (SZ berichtete). Doch Matthias Weber, Kämmerer der Federseegemeinden, relativiert: In vielen Federseedörfern ist die Kreditaufnahme nur planerisch Bestandteil des Haushalts; in anderen wird das Fremdkapital benötigt, um eine Vorfinanzierung zu leisten oder ein größeres Projekt zu verwirklichen.

Alleshausen: Für die weitere Entwicklung des Baugebiets Schmitteäcker hat die Gemeinde Alleshausen eine Kreditaufnahme in Höhe von 167 000 Euro eingeplant. Kämmerer Matthias Weber geht aber zum derzeitigen Stand nicht davon aus, dass die Gemeinde diese Mittel benötigen wird. Die Erschließung der Bauplätze seien erst für 2019 vorgesehen. Zukunftsmusik ist wohl auch ein weiteres Großprojekt, das der Gemeinde Alleshausen – möglicherweise in interkommunaler Zusammenarbeit – vorschwebt: der Neubau des Kindergartens.

Allmannsweiler: Das Haushaltsjahr ist noch nicht zu Ende, doch schon jetzt kann Kämmerer Weber absehen, dass Allmannsweiler 2018 ohne die eingeplanten 65 000 Euro Schulden auskommen wird. Sie seien unter anderem wegen des Neubaus des Feuerwehrgerätehauses eingeplant gewesen, das nun jedoch eine Nummer kleiner ausfallen soll, erläutert Weber.

Betzenweiler: Anders ist die Situation in Betzenweiler aus. Hier sind laut Haushaltsplan immerhin Schulden in Höhe von mehr als 900 000 Euro eingeplant. „Der Ausgang ist offen“, sagt Weber, der aber nicht damit rechnet, dass diese Mittel voll ausgeschöpft werden müssen: „Wir brauchen definitiv nicht alles, wenn, dann ein kleiner Teil.“ Abhängig ist der Umfang der Kreditaufnahme von mehreren Faktoren: davon, wie viel Bauplätze verkauft werden, wie die Erschließung des Gewerbegebiets verläuft und auch von der allgemeinen Gewerbesteuersituation. Bislang sei das Steueraufkommen „nicht schlecht“, urteilt Weber; ungewiss ist in diesem Jahr allerdings, wie sich die Verlagerung von Teilen der Firma Reck auf den Haushalt auswirken wird.

Dürnau: Planerisch sind auch im Haushalt der Gemeinde Dürnau Schulden vorgesehen. Die eingeplanten 245 000 Euro dienten als Vorfinanzierung für den ersten Bauabschnitt des Baugebiets Reise II, im Anschluss an Reise I, führt Weber aus. „Das ist aber abhängig davon, wie viel Bauplätze 2018 noch verkauft werden“, so der Kämmerer. „Stand heute werden wir die Kredite wohl nicht in Anspruch nehmen.“

Kanzach: Auch in Kanzach hängt die Aufnahme eines geplanten Kredits über 60 000 Euro von der Nachfrage nach Bauplätzen ab. Die Gemeinde plant die Erschließung eines neuen Baugebiets, aber auch zahlreiche kleinerer Maßnahmen wie die Dachsanierung des Kindergartens und eine neue Heizungssteuerung für die Halle am Bahnhof. „Ich gehe aber auch hier nicht davon aus, dass wir den Kredit 2018 benötigen“, so der Kämmerer.

Große Aufgaben für Moosburg

Moosburg: Viel vor hat die mit 210 Einwohnern (Stand 2016) kleinste Federseegemeinde Moosburg. Eine Kreditaufnahme über 1100 00 Euro führt der aktuelle Haushaltsplan auf, um vor allem die umfangreiche Sanierung und Modernisierung des Rathauses zu stemmen. Das Rathaus sei weder barrierefrei, noch entspreche es dem heutigen Bedarf und sei überhaupt schon sehr „in die Jahre gekommen“, berichtet Weber. Ziel der Arbeiten sei es, neben der Gemeindeverwaltung ein Dorfgemeinschaftshaus einzurichten. Als weiteres großes Bauprojekt steht in der Gemeinde den An- und Umbau des Feuerwehrgerätehauses an, für das bereits 250 000 Euro ELR-Mittel und 90 000 Euro aus dem Ausgleichsstock bewilligt wurden. In diesem Jahr sind diese ambitionierten Projekte freilich nicht mehr umzusetzen – und damit verschiebt sich auch eine mögliche Kreditaufnahme.

Oggelshausen: In Oggelshausen stehen planerisch noch Kredite aus dem vergangenen Haushaltsjahr in Höhe von 240 000 Euro zur Verfügung. Ob sie tatsächlich aufgenommen werden, hängt von der Abrechnung des gemeinsamen Breitband-Projekts mit Tiefenbach und Seekirch ab. „Wenn der Breitbandausbau teurer wird als geplant, werden wir nicht mehr darum herum kommen“, schätzt Weber. „Der Ausgang ist aber Stand heute noch offen.“ Es sei aber zumindest fraglich, ob Oggelshausen schuldenfrei ins nächste Jahr starten könne. Eine mögliche Deckungslücke werde dann freilich anteilig verrechnet.

Tiefenbach: In Tiefenbach stellt sich die Situation ähnlich dar. 260 000 Euro Schulden waren schon im vergangenen Haushaltsjahr eingeplant, immerhin 100 000 Euro mussten nun in diesem Jahr aufgenommen werden. „Ich denke, damit kommen wir 2018 erst mal klar“, sagt Weber und verweist auf die Erschließung des Baugebiets „Bei der Oberwiese“, das mit Hilfe des Kredits vorfinanziert wurde.

Seekirch: Als einzige Gemeinde ist in Seekirch selbst planerisch keine Kreditaufnahme vorgesehen. Mit dem Ausbau des schnellen Internets – ein gemeinsames Projekt mit Tiefenbach und Oggelshausen – seien jedoch die finanziellen Mittel der Gemeinde nahezu ausgeschöpft worden, sagt Bürgermeister Stefan Koch. Als nächste Aufgaben stünden für die Gemeinde möglicherweise der Ausbau der Kleinkindbetreuung oder ein Baugebiet an.

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