Jugendliche pflegen Erinnerungen aus der Weltkriegszeit

Lesedauer: 4 Min

Die Teilnehmer des Jugendlagers Federsee haben den Soldatenfriedhof im belgischen Lommel in Schuss gebracht.
Die Teilnehmer des Jugendlagers Federsee haben den Soldatenfriedhof im belgischen Lommel in Schuss gebracht. (Foto: Privat)
Schwäbische Zeitung

Unter dem Motto „Arbeit für den Frieden“ haben Jugendliche des Jugendlagers Federsee zwei Wochen in Belgien verbracht. Die 29 Jugendlichen arbeiteten dort unter der ehrenamtlichen Leitung von Klaus Knoll und Jürgen Mattmann auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Lommel. In Westflandern begaben sie sich auf Spurensuche zum Ersten Weltkrieg.

Seit fast 60 Jahren steuern junge Leute aus der Region in den Sommerferien im Auftrag des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge Soldatenfriedhöfe und Gedenkstätten in Europa an, um ehrenamtlich Pflege- und Instandsetzungsarbeiten durchzuführen. Dabei helfen sie mit, die Anlagen in einem würdigen Zustand als Mahnmale gegen Krieg und Gewalt zu erhalten.

In diesem Jahr leistete das „Jugendlager Federsee“ einen einwöchigen Arbeitseinsatz auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Lommel. Dort, im Nordwesten Belgiens in der Provinz Limburg, befindet sich der größte deutsche Soldatenfriedhof des Zweiten Weltkriegs in Westeuropa. Die Gruppe schnitt Bäume zurück oder fällte sie, jätete Unkraut, entfernte Laub und befreite die Grabkreuze von Moos und Flechten.

Grabsteine erzählen Geschichte

Bei einer Friedhofsführung und einer Gruppenarbeit zu Einzelschicksalen bekamen einige der fast 39000 Gräber, die die jungen Leute pflegten, ein Gesicht. So erfuhr die Gruppe von Kindersoldaten, die schon im Alter von 16 oder 17 Jahren in den Krieg zogen und ihr Leben verloren. Der älteste identifizierte und in Lommel beigesetzte Soldat wurde 74 Jahre alt – er war vermutlich Mitglied des Volkssturms, dem letzten Aufgebot der deutschen Wehrmacht.

In der zweiten Woche stand die Geschichte des Ersten Weltkriegs im Fokus. Von Oostduinkerke an der flämischen Küste aus besuchte die Gruppe in Westflandern Gedenkstätten und Friedhöfe des Ersten Weltkriegs. Ein Höhepunkt der Reise war der Besuch des französischen Nationalfriedhofs Notre-Dame-de-Lorette mit dem „Ring der Erinnerung“. Im Inneren dieses riesigen Rings sind die Namen von fast 600000 in Nordfrankreich im Ersten Weltkrieg Gefallenen aufgelistet – ein in Europa bisher einmaliges Denkmal.

Neben der Geschichte blickten die Jugendlichen auch auf die aktuelle Politik. Dazu besichtigten sie in Brüssel die Institutionen der Europäischen Union. Zudem machten sie am „Grote Markt“ Halt, der mit dem gotischen Rathaus und seiner geschlossenen barocken Fassadenfront als einer der schönsten Plätze Europas gilt. Sportlich wurde es bei Radtouren rund um Lommel und einer Kanufahrt. Ein Grillabend, der Besuch des Bergbaumuseum in Beringen und ein Badeausflug an die Nordsee rundeten das Freizeitprogramm ab.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen