Jetzt regiert Vater Federsee

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In einem großartigen Spektakel mit Pyrotechnik, Licht- und Soundeffekten hat die Narrenzunft Moorochs am Glombigen Donnerstag Vater Federsee beschworen. Er hat jetzt in der Fedeseemetropole das Sagen – und überall herrscht Narretei und Fröhlichkeit.

Wer da keine Gänsehaut bekommt, dem ist auch nicht zu helfen. Zuschauer und Narrenschar haben sich am Federseemuseum eingefunden. Die Stimmung ist gespannt. Erwartungsvoll. Die Zunfträte haben sich auf einer Tribüne versammelt, um ein LED-Feuer scharen sich die Masken: Riedmeckeler, Weller, Galgenvögel, Moorochsen, Seerosen – nur einer fehlt noch. „Vater Federsee, komm aus des Nebels Meer! Steig aus den eisigen Fluten!“, ruft Vize-Zunftmeister Ralf Schwegler beschwörend. Da ertönt auf einmal das Thema des Musicals „Phantom der Oper“ aus dem Lautsprecher. Der Vorhang an der Bühne hebt sich. Feuerwerkskegel entzünden sich, Funken sprühen. Und dann, in blaugrünes Licht getaucht, tritt er hervor, mit Dreizack und wallender Schilfmähne: Vater Federsee. Seine närrische Herrschaft über die Stadt beginnt.

Endlich wieder Fasnet

Zuvor hatte Zunftmeister Uwe Vogelgesang auf dem Marktplatz die Narren aus ihren Verstecken gelockt: „Kommat raus – des wird sche!“ Und einer nach dem anderen kamen sie angesprungen, „Moor-Ochs“ rufend und mit den Schellen klingelnd, begleitet von den Klängen des Fanfarenzugs Unlingen und voll freudiger Erwartung, dass endlich, endlich wieder Fasnet gefeiert wird. Büttel Markus Glaser verkündete in seiner Proklamation feierlich, dass nun die Fasnet ausgerufen ist und ab sofort „ausgelassa dr Narretei gfröhnt“ werden dürfe: „Ab sofort gilt in Stadt und Haus: Niemand zum Leid – und allen zur Freud!“

Damit waren auch Bürgermeister Peter Dieschs Tage an der Macht gezählt. Freiwillig wollte er sich aber nicht den Narren ergeben, sondern musste erst von den Galgenvögeln aus dem Rathaus geführt werden, wo ihn schon das Tribunal erwartete. „Steuern, Knöllchen oder anderen Quatsch“, belehrte ihn Zunftmeister Vogelgesang, hätten nun ein Ende. Trotzdem wollte Diesch seinen Rathausschlüssel nicht kampflos abgeben, doch nach kurzem Gerangel hatte Büttel Glaser die Macht über die Federseemetropole fest in der Hand.

„Da hend ihr den Schlüssel, i bin ja koin Sempel, ab sofort hend ihr d’Macht über da Bürokratatempel“, meinte Diesch resigniert: „Ihr dädat leichter dr Trump in d’ Wüste schicka.“ „Hasch nett gsait“, konterte Zunftmeister Vogelgesang: „Aber mei erschda Amtshandlung isch halt: Du musch ins Türmle!“ Das hatte schon auf den Schultes gewartet. Die Gefängnistüren schlossen sich und los ging es zum Federseemuseum. Dort stellten Petra Vogelgesang und Ralf Schwegler die einzelnen Masken vor, bevor Michael Wissussek mit dem Akkordeon das Moorochsenlied anstimmte und Narrenschar und Zuschauer schunkelnd einfielen.

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