Jeder Geist hat eine persönliche Note

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Stolz präsentieren die Meisterschnitzer ihre herrlich gespentstischen Rübengeister.
Stolz präsentieren die Meisterschnitzer ihre herrlich gespentstischen Rübengeister. (Foto: MICHAEL BRIEM)
Schwäbische Zeitung

Traditionell am Vorabend des Tags der deutschen Einheit ziehen die Rübengeister durch Bad Buchau. Auch dieses Jahr gingen wieder viele Kinder mit ihren gruseligen, geschnitzten Rüben am Umzug mit. Musikalisch unterstützt wurde der abendliche Zug durch den Fanfarenzug aus Unlingen.

Die Moorochsenzunft, die auch außerhalb der Fasnet aktiv ist, hat diesen uralten oberschwäbischen Brauch des Rübengeisterns vor mittlerweile 21 Jahren am Federsee wieder ins Leben gerufen und schreibt seither mit diesem nächtlichen Spektakel eine kleine Erfolgsgeschichte.

Viele Kinder mit ihren Rübengeistern trafen sich beim Narrenbrunnen auf dem Le-Lion-d’Angers-Platz. Angeführt von Nachtwächter Chris Günther zog der nunmehr 22. Rübengeisterumzug auf den Marktplatz ein, wo er bereits von einer beachtlichen Anzahl von Zuschauern erwartet wurde. Stolz trugen die Kleinen, teilweise begleitet von ihren Eltern oder Großeltern ihren Rübengeist, die schon etwas Größeren zogen dekorierte Wägelchen hinterher, auf dem gleich mehrere Rübengeister präsentiert wurden. Manche Rüben lächelten freundlich, andere hatten eine ganz unheimliche Fratze. In der Dunkelheit leuchteten aber alle ziemlich gespenstisch, dank des Kerzenlichts in ihrem ausgehöhlten Inneren.

Der zweite Nachtwächter Karl-Josef Schneck erzählte auf dem Marktplatz währenddessen über den uralten oberschwäbischen Brauch der Rübengeister und die Sprüche dazu, wie: „Wir sind die Rübengeister und gehn von Haus zu Haus, wir bitten um 'ne Gabe, dann gehn wir wieder nach Haus!“ In den vergangenen Jahren sei dieses Brauchtum auch in anderen Orten wieder ins Leben gerufen worden, so der Nachtwächter. Da es immer weniger Rüben gebe, wurden sie wie auch in den vergangenen Jahren nach Bad Buchau importiert und an den Schnitznachmittagen gemeinsam gefertigt (SZ berichtet). Mit Hilfe von diversen Werkzeugen wurde es den Kindern etwas leichter gemacht und das Ergebnis waren viele schöne und individuelle Rübengeister, jeder mit seiner persönlichen Note.

Der Förderverein der Moorochsenzunft sorgte für die Verköstigung; und für alle, die einen Rübengeist geschnitzt hatten, gab es einen von der Stadt Bad Buchau spendierten Mini-Amerikaner. Der Fanfarenzug Unlingen spielte noch ein paar Stücke, bevor die Rübengeister wieder langsam vom Marktplatz verschwanden und bestimmt noch in der einen oder anderen dunklen Gasse weitergeisterten.

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