In Buchau ist eben die schönste Schau

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Unverkennbar in Mimik und Gestik: Chris Boettcher als Kanzlerin Angela Merkel.
Unverkennbar in Mimik und Gestik: Chris Boettcher als Kanzlerin Angela Merkel. (Foto: Klaus Weiss)
Schwäbische Zeitung
Klaus Weiss

Ein feines Gespür hat die Narrenzunft Moorochs beim ersten Bayrischen Musik- und Kulturabend mit Comedian Chris Boettcher. Im restlos ausverkauften großen Saal des Kurzentrums durften die Besucher über vier Stunden lang Blasmusik, Comedy und Kabarett vom Feinsten genießen.

Die Schenkenburger Musikanten unter Leitung von Klaus Widder sorgten schon im Vorfeld für stimmungsvolle Blasmusik. Seit mehr als 20 Jahren steht der Stargast nun schon auf der Bühne und zum ersten Mal am Federsee. Ganz ohne Starallüren beginnt Boettcher sein Programm mit einem wahren Feuerwerk aus Parodie, Standup-Comedy, Kabarett und Musik.

Schon beim ersten Lied „Buchau ist die schönste Schau“ wird sichtbar, dass Boettcher sich über seinen Auftrittsort etwas informiert hat. Er weiß von Moorochsen und Moorkühen, der berüchtigten „Buckelpiste“ nach Oggelshausen und dem Wackelwald. Requisiten braucht Boettcher so gut wie keine; sein „Kuhboard“, ein Keyboard mit Kuhfleckenbezug, reicht aus.

Bissig, aber nie beleidigend

Vom ersten Lied an macht das Publikum mit, was den Bayer auf der Bühne sichtbar anspornt. Pointe folgt auf Pointe. Boettcher erwies sich als scharfsinniger, zeitgenössischer Beobachter. Sprachlich funkelnd, bissig, zynisch, urkomisch und auch mal hoffnungslos gemein, aber nie beleidigend. Er balancierte zwischen Alltag, Politik, Sport und Boulevard auf hohem Niveau, Sprachwitz, Gags, verschmitzter Leichtigkeit und gesanglicher wie musikalischer Professionalität und das alles mit einer überzeugenden Bühnenpräsenz. Allein die Mimik war ein Programmpunkt für sich. Ob Angela Merkel mit der berühmten Raute und dem verklärten Lächeln vielleicht total unterschätzt wird, stellt Boettcher die Frage. Peter Maffay und andere Musikgrößen mussten für die Komik und Gesang herhalten genau wie Sportgrößen und aktuelle Politik.

Männer seien die Krone der Schöpfung ist sich Boettcher sicher – nur etwas wehleidiger als Frauen, was er perfekt aufzeigt am Enthaarungsritual der Beine. Frauen hätten aber schon auch was, meint Boettcher verschmitzt, vor allem Mamas. Allerdings seien 1,3 Kinder zu wenig, findet Boettcher. Nachwuchs brauche das Land. Aber die Männer hätten ja am Samstag keine Zeit mehr. Er selbst brauche am Samstag nur ein Weißbier, Fernsehgerät und einen Sky-Receiver.

Gut zweieinhalb Stunden später neigt sich das Programm dem Ende zu. Die Stimmung im Saal ist inzwischen auf dem höchsten Level und beim Refrain der Eltern-Hymne „In der Pubertät“ singt alles lautstark mit. Nach mehreren Zugaben nimmt sich Boettcher sogar noch Zeit, Autogramme zu schreiben.

Die Narrenzunft Moorochs kann sich über den Erfolg freuen, soll doch der Gewinn der Brauchtumspflege und Jugendarbeit zugutekommen.

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