In 72 Stunden wurde das eigene Dorf verändert

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Leo Suchan

Ende Mai lief gleichzeitig in ganz Deutschland die 72-Stunden-Aktion an. Aus dem Federseegebiet nahmen die Katholische Landjugend-Bewegungen (KLJB) aus Ahlen und Oggelshausen, das „Juze-Team“ aus Dürnau sowie die Uttenweiler Pfarrjugend teil. Jetzt, mehr als drei Monate später, können die erbauten Bauten teilweise schon genutzt werden. An anderen Stellen sind weiterführende Arbeiten noch voll im Gange.

„Die 72-Stunden-Aktion war absolut ein Erfolg“, schwärmt Cornelia Krug, Ortsvorsteherin von Ahlen. Die Jugendlichen der KLJB hätten gemütliche, einladende Räume für verschiedene Altersgruppen eingerichtet und gestaltet. Tatsächlich: Vom Bällebad in der Ecke über den Tischkicker bis zu einer großen Sammlung an Spielen und unterschiedlichen Sitzgelegenheiten kommen vom Kleinkind bis zum jungen Erwachsenen alle Besucher auf ihre Kosten, ein schöner Blick über Ahlen und das Umland inklusive.

Bisher sei die Nutzung allerdings etwas schwierig gewesen, meint Krug. Permanent geöffnet kann die Begegnungsstätte nämlich nicht sein, befindet sie sich doch über einer privaten Wohnung und teilt mit ihr ein Treppenhaus. Daher werden die Räume bisher intern, also von der Landjugend oder dem Ortschaftsrat, genutzt. Ende September allerdings sollen feste Nutzungsregeln vereinbart werden, um die Räume etwa für Kindergeburtstage oder kleinere Veranstaltungen freizugeben. Auch steht noch zur Debatte, ob ein anliegendes Zimmer ebenfalls eingerichtet werden soll.

In Ahlen war die 72-Stunden-Aktion mit dem sogenannten „Upcyclings“, also der Wiederverwendung alter Objekte und Materialien als neuwertigere Produkte, überschrieben. „Upcycling“ heißt in diesem Fall, dass an der Wand auch schon einmal ein Fahrrad hängt, dessen Lenker zum Basketballkorb umfunktioniert wurde. Kleine Pflanzen stehen auf aufgemöbelten Skateboards statt auf Regalbrettern, und die Kleiderhaken befinden sich an einer Leiter. Deswegen, erklärt Ortsvorsteherin Krug, sollen die Räume auch eines zeigen: „Man muss ja nicht immer etwas Neues kaufen.“

Altes neu gestaltet hat auch das „Juze-Team“ aus Dürnau, das in 72-Stunden-Aktion eine Mammutaufgabe erfolgreich meistern konnte. Ein komplett neu gestalteter Grillplatz war das Ergebnis, der „rege und sehr gut angenommen“ werde, berichtet Bürgermeister Bernhard Merk. Seit der Fertigstellung Ende Mai werde die Grillstelle regelmäßig durch Besucher genutzt. Da auch die Jugendlichen selber auf die Frucht ihrer Arbeit achten, sei ihm auch noch kein Akt von Vandalismus zu Ohren gekommen, meint Merk.

Der Dürnauer Bürgermeister betonte, dass sich die Jugendlichen das Projekt selber ausgesucht hätten und in der Planung und Ausführung freie Hand gehabt haben. „Wenn man ihnen das Vertrauen gibt, dann schaffen die das.“ Eine solche Aktion zeige, was in dem Juze-Team stecke, erklärte der Bürgermeister, und ergänzt dann, mit einem gewissen Stolz in der Stimme: „Wir in Dürnau wissen, was wir an unseren Jugendlichen haben.“

Wird noch gebaut

Während in Dürnau die Arbeiten also schon abgeschlossen sind, wird in Oggelshausen noch gebaut. Auf der Grünfläche neben dem Rathaus soll ein Spielgelände entstehen, das sowohl von der anliegenden Schule als auch allgemein öffentlich genutzt werden soll. Im Rahmen der 72-Stunden-Aktion hatte die Landjugend hier Sitzbänke gefertigt und aufgestellt. Jetzt müsse noch der Rasen ausgesät und Spielgeräte aufgebaut werden, erklärt Bürgermeister Ralf Kriz. Die Eröffnung sei bis Anfang Oktober geplant. Neben den Sitzbänken war auch der Bau eines kleinen Wasserspielplatzes im örtlichen Kindergarten Teil der 72-Stunden-Aktion. Zwar nicht öffentlich zugänglich, werde dieser aber von den Kindern begeistert genutzt, meint Bürgermeister Kriz.

Auch der neuangelegte Grillplatz außerhalb von Uttenweiler werde gut genutzt, freut sich Martin Romer, Ideengeber der dortigen 72-Stunden-Aktion. Die Katholische Pfarrjugend hatte eine Grillstelle gebaut und mit einer gepflasterten Europaflagge inklusive Pfarrjugend-Logo versehen. Doch es gibt höherfliegende Pläne, meint Romer. So sei auch im Uttenweiler Gemeinderat schon stark diskutiert worden, wie man den Grillplatz ausbauen könne. Das Ziel sei jetzt, einen Spielplatz einzurichten und dafür in einer Gemeinschaftsaktion des Dorfes verschiedene Vereine mit einzubeziehen.

Bereits jetzt würden immer wieder Schulklassen oder Cliquen die Grillstelle nutzen. Besonders ihre Lage an der Gemeindeverbindungsstraße zwischen Uttenweiler und Uigendorf würde dazu führen, so Martin Romer, dass viele der Jugendlichen, welche den Grillplatz selber mit aufgebaut haben, hin und wieder vorbeikommen würden. Denn viele der Jugendlichen sind zu Recht stolz auf das, was sie geleistet haben.

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