In 70 Jahren Ehe nie ein ernsthafter Streit

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70 gemeinsame Jahre verbinden Felix und Sophie Menz.
70 gemeinsame Jahre verbinden Felix und Sophie Menz. (Foto: KLAUS WEISS)
Klaus Weiss

Das äußerst seltene Fest der „Gnadenhochzeit“ können Sophie und Felix Menz am Samstag zusammen mit ihrer Familie und Gratulanten feiern. Vor 70 Jahren am 7.April 1948 gaben sich die beiden in der Buchauer Stiftskirche das Ja-Wort fürs Leben.

Das hohe Alter ist dem Jubelpaar nicht anzusehen. Immerhin ist Felix Menz im 98. Lebensjahr und seine Ehefrau Sophie im 92. Körperlich zwar etwas gebrechlich, aber im Kopf noch topfit sind beide und stehen Rede und Antwort zum 70. Hochzeitstag, der „Gnadenhochzeit“. Felix Menz arbeitete vor dem Krieg als Schreiner in der väterlichen Schreinerei in Buchau und Sophie war in der elterlichen Landwirtschaft in Tiefenbach tätig.

Auf die Frage, wie sie sich gefunden hätten, wird Menz etwas verlegen und meint dann listig, dass er das nach 70 Jahren zugeben könne. Auf einer Hochzeit in Oggelshausen hatte sich der junge Felix in eine junge Dame verguckt und nach ein paar Besuchen im Elternhaus der Auserwählten mit deren Schwester, seine heutigen Frau Sophie, eine Beziehung aufgebaut.

Hochzeit in der Nachkriegszeit

1944 kam er mit schweren Kriegsverletzungen aus dem Lazarett zurück nach Buchau, konnte aber seinen Beruf als Schreiner nicht mehr ausüben. Ab 1945 fand er eine Anstellung als beamteter Amtsdiener im Buchauer Rathaus unter Siegbert Einstein als Bürgermeister. Schon bald darauf stand die eigene Hochzeit an, aus der vier Kinder hervorgingen. Die Hochzeit sei damals im „Kreuz“ gewesen, ohne viele Gäste, das Fleisch hätte man mitbringen müssen. Aber auf dem elterlichen Bauernhof der Braut war das wenigstens kein großes Problem.

Vom damaligen Brautunterricht sind die beiden einem Rat bis heute treu geblieben, meint Sophie Menz. Man sage sich immer „Gute Nacht“, dann sage man sich auch immer „Guten Morgen“. Einen ernsthaften Streit, denkt Sophie Menz kurz nach, habe es in den 70 Jahren eigentlich nie gegeben. Er habe gesagt, was zu tun ist, so Sophie Menz, und sie habe es einfach getan, zumal er ja der Handwerker im Haus war. Also der ideale Ehemann schlechthin? „Ja, ja, isch scho ganga“, sagt Sophie Menz lächelnd. Immerhin hält es schon 70 Jahre, da musste schon alles passen.

Die Zeit sei einfach so vorbei gegangen. Arbeit hätten sie beide genug zu tun gehabt. Vier Kinder, dazu den Haushalt, Gartenarbeit und ein Obstgarten mit mehr als 50 Bäumen – da blieb keine Zeit für Hobby oder gar Urlaub. Große Reisen waren gesundheitsbedingt für Felix Menz sowieso nicht machbar, außer einmal zwei Tage in das Elsass. Fast jeder Buchauer kennt Felix Menz als den Imker, der mit seinem Motorrad und Anhänger viel unterwegs war zu seinen oftmals 30 und mehr Bienenvölker. Auch hierbei hat ihn seine Frau tatkräftig unterstützt. Noch heute mäht Menz mit der Sense von Hand und gräbt auch im Garten mal ein Beet um. Ehefrau Sophie ist nun nicht mehr ganz so gut auf den Beinen und auf etwas Hilfe angewiesen, aber dafür ist ja auch noch ihr Mann da. Mit Blick auf ein altes Klavier im Wohnzimmer, schmunzelt Felix Menz und sagt, dass sein Vater es für ihn gekauft habe, aber er habe nicht zum Klavierspielen getaugt.

In den „Buchauer Nachrichten“, den Vorgängern der „Schwäbischen Zeitung“, schreibt Bürgermeister Siegbert Einstein an 1948, dass der Amtsdiener Menz Hochzeit hatte und von allen im Rathaus ein Geschenk bekommen habe. Dafür habe Menz sich nun mit einer Einladung ins „Kreuz“ revanchiert. Es gab, so in der „Pressemeldung“ einen Teller Nudelsuppe, Kartoffelsalat und Bratwürste mit etwas Brät und Molke und als Seltenheit einen richtigen Wecken. Die Nudeln, die Wecken und Kartoffel seien der Landwirtschaft von Menz’ Vater zu verdanken gewesen, denn auch Kartoffel gab es damals ja nur gegen Lebensmittelmarken.

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