Hintersinnig wundersinnig

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Hat einen Sinn für die „Kloinen Wonder“: Heimatdichter Hugo Breitschmid aus Dürnau.
Hat einen Sinn für die „Kloinen Wonder“: Heimatdichter Hugo Breitschmid aus Dürnau. (Foto: Annette Grüninger)
Schwäbische Zeitung

Besinnliche, heitere und auch gewagte Gedichte hat Hugo Breitschmid in seinem neuen Gedichtband versammelt. In „Kloine Wonder“, erschienen im renommierten Silberburg-Verlag und ab sofort im Buchhandel erhältlich, blickt der Dialektdichter aus Dürnau auf die keineswegs selbstverständlichen Wunderwerke des Alltags. Mit scharfem Blick und wonderbarer Wortkunst – und natürlich auf Schwäbisch.

Das überwältigende, morgendliche Konzert der Vögel; der Blick vom Bussen, der ja nicht umsonst als Oberschwabens heiliger Berg gilt; oder der scheinbar ganz normale Kieselstein, der in der Hand und der Fantasie der vierjährigen Enkeltochter Maja zum „Wonderstoi“ wird: Wunder gibt es immer wieder – wenn man wie Hugo Breitschmid nur Augen und Herz offen hält.

Auch mit seinen 78 Jahren hat der Landwirt aus Dürnau das Wundern noch nicht verlernt, ist ein rechter Wunderfitz geblieben. In Gesprächen mit seinen Dürnauern, in ganz alltäglichen Begegnungen und Beobachtungen findet Breitschmid genug Wunderbares, aus dem er den Stoff für seine heiter-hintersinnigen Gedichte zieht. Dann setzt er sich hin, schmiedet Verse und drechselt Reime, schleift die Formulierungen mit schwäbischer Gründlichkeit, so lange, bis alles passt. „Auf Anhieb bin ich nie fertig“, erzählt Breitschmid. Ein ganzes Jahr könne es sich hinziehen, bis ein Gedicht passt – auch in den Augen seiner „ziemlich kritischen Frau“, wie der Dürnauer Dichter schmunzelnd verrät. „Doch letztendlich entscheidet das Publikum.“

Für Herz, Hirn und Zwerchfell

Und da scheint Breitschmids breit schwäbische Lyrik bestens anzukommen. Bis ins Remstal, den Stuttgarter Raum, aber auch ins Kinzigtal im Schwarzwald haben ihn seine Auftritte schon geführt. Auch als er nach einem Herzinfarkt unlängst drei Wochen in Baden-Baden verbringen musste, habe er kurzerhand einen schwäbischen Abend organisiert und mit seinen Mundartgedichten die anderen Reha-Patienten unterhalten, berichtet Breitschmid. „Das war ein positives Erlebnis, das habe ich gebraucht.“ Schwäbischer Humor scheint dem Herzen einfach gut zu tun.

Herz, Hirn und Zwerchfell sollen auch mit Breitschmids neunten Mundart-Band, dem dritten im Silberburg-Verlag, angesprochen werden. Mit 140 Seiten ist „Kloine Wonder“ das bislang umfangreichste Werk des Heimatdichters, der früher auch Theaterstücke schrieb und heute nebenbei Sketche für die schwäbische Kabarettgruppe Hillus Herzdropfa beisteuert. Der Förderverein Schwäbischer Dialekt hat den Gedichtband, zu dem Karin Mütz aus Altshausen das Titelbild mit Bussen liebevoll gestaltete, mit einem Druckkostenzuschuss unterstützt. Der Verein mit Sitz in Rottenburg hat sich zur Aufgabe gemacht, die Verwendung der Mundart in den unterschiedlichen Bereichen zu fördern – und liegt damit mit Hugo Breitschmid auf einer Wellenlänge.

Denn noch was bringt den schwäbischen Dichter immer wieder zum Staunen und Wundern. „Ich habe eine zunehmende Freude am schwäbischen Dialekt – das ist ja auch was Köstliches, was wir da haben“, sagt Breitschmid und bringt es auf den Punkt: „Schriftdeutsch ist amtlich –und Mundart ist menschlich.“

Hugo Breitschmid: „Kloine Wonder“, Silberburg-Verlag, 140 Seiten, 12,90 Euro, ISBN 978-3-8425-2062-2.

Kostproben aus Hugo Breitschmids neuem Gedichtband „Kloine Wonder“ gibt es beim Mundartabend am Mittwoch, 21. Juni, ab 19.30 Uhr im Kursaal Bad Buchau. Bei diesem Freundschaftstreffen schwäbischer Mundartkünstler sind neben dem Dürnauer Dialektdichter auch Ingrid Koch aus Tettnang, Hillus Herzdropfa von der Alb und die Bronnweiler Weiber mit dabei. Bernhard Bitterwolf aus Haisterkirch führt durch den Abend und umrahmt ihn musikalisch.

Karten gibt es im Vorverkauf zu 15 Euro (ermäßigt 13 Euro) bei der Tourist-Info Bad Buchau unter der Telefonnummer 07582/93360 und für 17 Euro an der Abendkasse.

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