„Haben das Geld vergraben“

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 Ralf Kriz
Ralf Kriz (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung

Vor allem im Tiefbau hat die Gemeinde Oggelshausen im vergangenen Jahr große Investitionen getätigt. Bürgermeister Ralf Kriz blickt auf 2018 zurück und wagt einen Ausblick.

Was waren für Sie die herausragenden Ereignisse im Jahr 2018 in Oggelshausen?

Das Jahr 2018 war für die Gemeinde Oggelshauen von großen Investitionen geprägt, welche allerdings wenig sichtbar sind, da wir das Geld sprichwörtlich „vergraben“ haben: Weitere Baumaßnahmen zur Optimierung der Oberflächenwasserableitung und damit zum Schutz der Bürger vor Starkwetterereignissen wurden umgesetzt. Zusammen mit den Gemeinde Seekirch und Tiefenbach hat die Gemeinde Oggelshausen ein interkommunales Breitbandprojekt koordiniert und verwirklicht; die letztendliche Abnahme fand am 20. Dezember statt und das Netz wird im ersten Halbjahr 2019 in Betrieb gehen. Dazu wurde eine für die Größe der beteiligten Gemeinden enorme Summe von über 1,5 Millionen Euro investiert. Dank der Fördermittel des Landes Baden-Württemberg war eine Verwirklichung möglich. Für mich persönlich herausragend waren auch verschiedene Projekte in der Gemeinde, bei welchen sich die Bürger ehrenamtlich einsetzten.

Welche Momente waren für Sie besonders emotional?

Ich bin ein sehr emotionaler und empfindungsreicher Mensch. Daher berühren mich viele Dinge besonders. Dies trifft sowohl auf den kommunalen Bereich zu wie auch auf die Beziehungen zueinander. Ich sehe mich daher nicht in der Lage, aktuell ein einzelnes Ereignis besonders herauszustellen.

Welche Vorhaben gilt es nächstes Jahr anzupacken?

Dank des vor nunmehr drei Jahren geschaffenen Neubaugebiets wächst die Gemeinde weiter und stellt uns vor die Aufgabe, die notwendige Infrastruktur zu erweitern bzw. anzupassen. Im Jahr 2019 wird neben der stetig zunehmenden Arbeit des laufenden Betriebs besonders in die Zukunft der Gemeinde investiert: wir wollen aufgrund steigender Kinderzahlen in der Gemeinde den bestehenden Kindergarten erweitern und auch weitere Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren schaffen. Dazu wurde bereits ein Nachbargrundstück neben dem Kindergarten erworben und im ersten Halbjahr 2019 soll dann entschieden werden, welche Erweiterungsalternative und Betreuungsform verwirklicht wird, wobei wir wieder auf staatliche Unterstützung in Form von Fördermitteln angewiesen sein werden. Außerdem wollen wir neben der Grundschule einen Spielbereich für die Schulkinder schaffen, welcher auch ermöglicht, dass sich die Einwohner hier begegnen und austauschen können. Da die zur Verfügung stehenden Bauplätze bereits knapp werden, wollen wir die Planungen zur Ausweisung eines weiteren Neubaugebiets vorantreiben, um ab dem Jahr 2020 möglichst weitere Wohnmöglichkeiten anbieten zu können. Außerdem werden uns auch in Zukunft die Aufgaben bei der Oberflächenwasserableitung und Kanalsanierung ständig weiter begleiten.

Stehen im kommenden Jahr besondere Jubiläen oder Veranstaltungen an?

Die Musikkapelle Oggelshausen feiert im Jahr 2019 ihr 110-jähriges Bestehen. Die Feierlichkeiten beginnen bereits am 27. Januar mit einem Kirchenkonzert zusammen mit dem Kirchenchor und werden im Rahmen des Laurentiusfestes am 3. Und 4. August ihren Höhepunkt haben.

Sie haben drei Wünsche für Ihre Gemeinde frei. Was wünschen Sie sich?

Zunächst wünsche ich mir den Fortbestand der Selbständigkeit und finanziellen Handlungsfähigkeit sowohl für Oggelshausen wie auch für alle anderen kleineren Gemeinden. Nur dadurch wird der örtliche und direkte Kontakt zu den Bürgern sichergestellt. Alles, was in den letzten Jahren an Reformen durchgesetzt wurde, ist von uns kommunalen Vertretern in großer Mehrheit kritisiert worden und es wurde bezweifelt, ob es tatsächlich zu Verbesserungen geführt hat. Alle Bürger sind sicherlich selbst in der Lage sich ein Urteil zu bilden, ob die Reformen beispielsweise bei der Polizei oder im Bereich der Notariate tatsächlich zu einer Optimierung geführt haben. Leider siegen hier immer wieder finanzielle Aspekte über die Argumente hinsichtlich Bürgernähe und Praktikabilität. Ungeachtet dessen geht der Reformeifer aber weiter, was wir aktuell an der Umsetzung im Bereich der Gutachterausschüsse sehen.

Mein zweiter Wunsch richtet sich an den Umgang der Menschen miteinander und das Aufrechterhalten von Anstandsformen, Werten und dem Glauben. Dies hat sich über Jahrhunderte entwickelt und kommt in Gefahr, was aus meiner Sicht auch am Wohlstand und der im digitalen Zeitalter jederzeit verfügbaren Auswahl zur sofortigen Verwirklichung von Wünschen liegt. So wird vieles unpersönlicher, sachlicher und auch roher. Leider werden uns die dabei nicht angepassten Umgangsformen derzeit z. B. durch die Art und Weise der politischen Diskussion sowohl im Bundestag wie auch im Landtag präsentiert. Hier sollte sich jeder auch seiner Vorbildfunktion und Verantwortung gegenüber den Mitmenschen bewusst sein.

Außerdem wünsche ich für alle Mitmenschen, dass sie ein gesundes Jahr 2019 erleben dürfen und unter keinem Mangel leiden müssen. Wenn dies der Fall ist, bedarf es aus meiner Sicht keiner außergewöhnlichen Projekte und Ziele.

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